Paul Smiths FW26-Herrenkollektion: Meisterkurs in „modernem Sartorialismus“
Von Skizzen der 1970er bis zu Westernhemden der 1980er – die neue Runway-Show feiert vibrierende „Real Clothes“ mit historischem Soul.
Zusammenfassung
- Paul Smiths FW26-Herrenkollektion, gezeigt in Mailand, ergründet modernen Sartorialismus – ausgelöst durch einen tiefen Blick in sein 55-jähriges Archiv.
- Zu den wichtigsten Wiederentdeckungen zählten der „Inside‑Out“-Anzug, das Westernhemd von 1989 und von Colin Barnes illustrierte Teile.
Paul Smiths Herbst/Winter-2026-Herrenkollektion, präsentiert während der Milan Fashion Week, inszeniert sich als Meisterkurs in „modernem Sartorialismus“ – durch eine bewusst kuratierte Ausgrabung der 55-jährigen Markengeschichte.
In dieser Saison arbeitete Sir Paul Smith mit dem neu ernannten Head of Men’s Design, Sam Cotton, zusammen, um einen „Deep Dive“ in das umfangreiche Nottingham-Archiv des Hauses mit über 5.000 Kleidungsstücken zu wagen. Die daraus resultierende Kollektion ist ein energetisches Re-Engineering der Marken-DNA, das neu aufgelegte Ideen aus 14 unterschiedlichen Archivkollektionen einfließen lässt. Im Mittelpunkt steht die Dekonstruktion des Anzugs – eine Hommage an die innere Handwerkskunst und die eigensinnige britische Heritage, die das unabhängige Haus seit seinen Anfängen prägt.
Die Kollektion rückt mehrere zentrale Archiv-Revival-Pieces in den Fokus, allen voran die Rückkehr des „Inside‑Out“-Anzugs – eines Konzepts, das Smith 1999 erstmals vorstellte, hier neu gedacht mit gelben Ziersteppnähten, die die innere Konstruktion des Kleidungsstücks nachzeichnen. Ein weiteres Highlight ist ein weißes Westernhemd mit markant eckigen Pattentaschen, ein Update eines Entwurfs von 1989.
Auch künstlerisches Storytelling rückte in den Mittelpunkt: Hemden mit Skizzen von Colin Barnes verweisen auf eine Show von 1978, in der Smith die Zeichnungen des Künstlers anstelle klassischer Runway-Fotografie einsetzte. Die Schneiderkunst blieb raffiniert, aber entspannt – mit fließenden, doppelreihigen Jacken mit tiefer Taille und Bundfaltenhosen, häufig kombiniert mit Bib-Hemden für einen Look, der formelle Strenge mit zeitgemäßer Leichtigkeit ausbalanciert.
Texturen und Muster waren essenziell, um die nostalgische, zugleich frische Stimmung der Kollektion zu erden. Klassische Harris-Tweed-Mäntel wurden auf eine besonders glatte Oberfläche hin konstruiert, während taillierte Jagdjacken aus dunklem Donegal-Tweed funktionale Details wie Kartentaschen auf Hüfthöhe einführten.
Die Strickteile setzten einen verspielten Kontrapunkt: Archiv-Fair-Isle-Designs wurden in softer Woll-Alpaka neu interpretiert und als oversized Schals gestylt. Die Accessoires zogen nach – mit Krawatten im 80er-Spirit und edlen Satchel-Totes aus Veloursleder, die ebenfalls aus diesem Jahrzehnt wiederbelebt wurden.



















