Cineastisches, materialbetontes Design im Pariser Hôtel Bus Palladium
Studio KO gestaltet ein hochgradig haptisches Refugium – mit Cordvorhängen, maßgefertigten Elektrofarben-Gläsern und vielen sinnlichen Details.
Zusammenfassung
- Studio KO inszeniert den historischen Pariser Nachtclub Bus Palladium neu – als Fünf-Sterne-Boutiquehotel mit zwölf Ebenen.
- Die Architektur verbindet rohen Sichtbeton im Brutalismus-Stil mit Retro-Details, die von Rock ’n’ Roll inspiriert sind.
- Fünfunddreißig schallisolierte Gästezimmer setzen auf akustische Korkverkleidungen und maßgefertigte Vintage-Kuriositäten.
Hôtel Bus Palladium, im Herzen des 9. Arrondissements von Paris im lebendigen Viertel Pigalle gelegen, markiert die Wiedergeburt eines legendären Nachtclubs der 1960er-Jahre als Fünf-Sterne-Boutiquehotel. Mit der Neudefinition beauftragt, verfolgte das in Paris ansässige Architekturbüro Studio KO beeindruckende bauliche Visionen: Es ließ 14 Meter in die Tiefe graben, um den Standort in ein zwölfstöckiges Ensemble zu verwandeln, in dessen vier verborgenen Untergeschossen ein Club mit Platz für 200 Gäste untergebracht ist.
Die Fassade des Gebäudes zollt der bewegten Vergangenheit mit wohldosierter Zurückhaltung Respekt: Das ursprüngliche rote Neonschild des Clubs erleuchtet eine minimalistische, sandgestrahlte Betonfront, die mit dezenten geometrischen Mustern spielt – Anklänge an den Originalbau, ohne ihn zu kopieren. Langfristig soll das Haus zum zeitgenössischen Gegenstück des New Yorker Chelsea Hotel werden – ein elegantes, einladendes und kreativ freigeistiges Refugium für Künstler, Musiker und Reisende gleichermaßen.
Im Inneren des Hotels balanciert Studio KO das hedonistische Erbe des Ortes mit anspruchsvoller Gastlichkeit, indem eine filmische, haptisch intensive und bewusst kontrastreiche Ästhetik geschaffen wird. In öffentlichen und privaten Bereichen herrscht eine gezielte Rauheit: Brutalistische Elemente wie massive Betonwände und Decken aus Metallgittern werden durch sinnliche Retro-Akzente wie puderrosafarbene Teppichböden, lynchesk anmutende rote Samtvorhänge und Cordvorhänge, die an die Uniformen von Road Crews der 1970er-Jahre erinnern, abgemildert. Subtile, augenzwinkernde Designentscheidungen ziehen die musikalische Metapher durch das gesamte Haus: So erinnern Lichtschalter an Vintage-Verstärker, und mikroperforierte Türklinken zitieren die Gitter von Mikrofonen – damit sich die Rock-’n’-Roll-DNA des Ortes in jedem architektonischen Detail niederschlägt.
Die 35 individuell gestalteten Zimmer und Suiten des Hotels führen diese immersive Designstory fort und fungieren als ruhige, schallisolierte Rückzugsorte vom pulsierenden Nachtleben darunter. Markantes Erkennungszeichen ist der großzügige Einsatz von Korkverkleidungen an Wänden und Kopfenden – ein spielerischer Verweis auf Marcel Prousts berühmtes schallgedämmtes Schlafzimmer und zugleich eine visuelle Reminiszenz an die Akustikverkleidungen von Tonstudios der 1960er-Jahre. Diese rohen Texturen treffen auf leuchtende, verglaste Badezimmer, deren Fliesen komplett in elektrisierendem Kleinblau oder pudrigem Rosa gehalten sind und die mit Spiegeln im Hollywood-Stil ausgestattet sind. Kuratiert von L’Œil de KO und lokalen Antiquitätenhändlern, ist jedes Zimmer mit maßgeschneiderten Kuriositäten gefüllt – von transparenten Nachttischen, in denen gestapelte Kassetten arrangiert sind, bis hin zu modularen Vintage-Möbeln – und fängt so den exzentrischen, unverfrorenen Geist des Ortes perfekt ein.
Hôtel Bus Palladium
6 Rue Pierre Fontaine,
75009 Paris, Frankreich



















