Melanie Dir wuchs mit Parfüm auf – jetzt erschafft sie GAMINE neu
Über 30 Jahre lang prägte die Parfümeurin die Beauty-Branche – jetzt definiert sie mit ihrem eigenen Label GAMINE den Luxusduft ganz neu.
Melanie Dir wuchs mit Parfüm auf – jetzt erschafft sie GAMINE neu
Über 30 Jahre lang prägte die Parfümeurin die Beauty-Branche – jetzt definiert sie mit ihrem eigenen Label GAMINE den Luxusduft ganz neu.
Melanie Dir muss nicht tief in ihr Unterbewusstsein eintauchen, um einige ihrer frühesten Duft-Erinnerungen freizulegen – sie sind in ihr Wesen eingeschrieben. Die globale Beauty-Managerin begann ihre Duftreise als Neugeborenes in Cannes, wo sie das Handwerk von ihrem Vater, dem Meisterparfümeur Claude Dir, von klein auf aufsog. Ihr Vater ging sogar so weit, ein Kinderzimmer in seinem Duftlabor einzurichten, während er das familiengeführte Dufthaus MANE aufbaute. Durch diese permanente Nähe zum Metier war die Welt der Düfte nichts, dem Dir hinterherjagte oder nacheiferte – sie wurde ihr schlichtweg in die Wiege gelegt.
Mit gerade einmal sechs Jahren, während andere Kinder noch mit Stofftieren spielten, lernte Dir bereits alles über Rohstoffe und Duftkomposition. Für dieses olfaktorische Wunderkind fühlt sich Parfümerie nicht an wie eine Leidenschaft, die sie plötzlich für sich entdeckt hätte – sie schlummerte längst in ihr und wartete nur auf den Moment der Erleuchtung. „Parfümerie ist für mich nicht einfach eine Kategorie – sie liegt mir im Blut“, erzählt sie. Jetzt, nach drei Jahrzehnten des Markenaufbaus und der Zusammenarbeit mit einigen der größten Beauty-Pionier:innen – von Isamaya Ffrench bis Laura Mercier – ist dieser Moment gekommen. Indem sie ihre Liebe zu olfaktorischer Innovation mit ihrer Faszination für Architektur verbindet, präsentiert Dir ihre eigene Linie,GAMINE.
Mit der neu lancierten Marke rückt Dir Duft als künstlerisches Medium konsequent in den Mittelpunkt. Ihre Kreationen wecken natürlich Emotionen – mit belebenden Noten wie Côte d’Azur Cypress und Chocolate Noir. Doch Dir setzt nicht auf Nostalgie, um ihre Düfte zu verkaufen. Stattdessen möchte sie Innovation und Design durch bewusst eingesetzte Materialität hervorheben. „Es ist architektonisch, aufgebaut auf Struktur, Gewicht und Form“, erklärt sie. Die Welt der Düfte kann oft schwer greifbar wirken – wie eine undefinierbare Fantasie, die sich unserer Berührung entzieht. Duftnoten werden häufig mit esoterischen Begriffen beschrieben, doch Dir will ihnen durch ihre taktilen Designs und ihr Verpackungsdesign eine spürbare Konkretheit verleihen – mit massivem Glas und architektonisch durchdachten, tragbaren Objekten. Jeder Flakon ist mit maximaler Haptik gedacht und schlägt eine Brücke zwischen Objekt und Körper.
Vor dem Launch der Marke am 30. April haben wir uns mit Dir zusammengesetzt, um darüber zu sprechen, wie sie die Codes der Luxusparfümerie neu definiert.
Parfümerie liegt dir im Blut: Dein Vater ist Meisterparfümeur, und du bist in Cannes, dem Epizentrum dieses Handwerks, geboren. Was ist deine erste Duft-Erinnerung?
Dir:Das Labor war mein erstes Zuhause und mein erster Spielplatz. Meine Eltern stellten dort mein Kinderbett auf, während mein Vater das Dufthaus MANE in den USA aufbaute und meine Mutter direkt neben ihm Formeln mischte. Die Luft war roh und intensiv, durchdrungen von ätherischen Ölen und schweren Harzen. Meine Beziehung zu Düften entstand lange, bevor ich sprechen konnte; sie ist eine angeborene Sprache, die mich nie verlassen hat. In dem Moment, in dem ich heute ein Labor betrete, kehrt alles zurück – roh, vertraut, prägend.
Was sind einige der wertvollsten Lektionen, die du aus der Mentorschaft deines Vaters mitgenommen hast?
Disziplin und Beobachtung haben alles geprägt. Mein Vater begann mit sechs Jahren, meine Nase zu schulen, und vermittelte mir einen kompromisslos präzisen Zugang zum Handwerk. Ich habe seine Entwicklung zum Meisterparfümeur verfolgt – geprägt von Genauigkeit und tiefem Respekt. Am meisten beeindruckt hat mich jedoch sein Charakter: Er ist mühelos charismatisch, zutiefst freundlich und bemerkenswert bescheiden.
Seitdem hast du eine große Liebe für die gesamte Beauty-Welt entwickelt und mit Größen wie Laura Mercier, Virgil Abloh und Isamaya Ffrench gearbeitet. Welche Werkzeuge hast du aus diesen Erfahrungen mitgenommen – aus der Zusammenarbeit mit solchen Expert:innen ihrer jeweiligen Disziplinen?
Ich bin dankbar, mit einigen der bedeutendsten Kreativen ihrer Branchen gearbeitet zu haben. Mit der Zeit habe ich ein Set an Prinzipien entwickelt, das meinen Ansatz leitet.
Ich bin sehr diszipliniert und habe extrem hohe Ansprüche, wenn es um Produktentwicklung geht. Präzision, Performance und perfekte Umsetzung sind für mich nicht verhandelbar, und Aufklärung ist ein integraler Teil des Erlebnisses. Authentische Verbindung ist mir enorm wichtig. Alles soll geerdet, relevant und im Einklang mit der tatsächlichen Lebensrealität der Menschen sein. Mein Fokus liegt darauf, neue Konzepte zu entwickeln, die die historische Sprache der Parfümerie auffrischen – Tradition mit Klarheit, Intention und einer klaren Zukunftsperspektive zu begegnen.
Schließlich bist du bei Duft als deinem primären Medium gelandet. Was hat dich dazu gebracht, dich so klar auf Parfüm zu fokussieren?
Nach fast drei Jahrzehnten in der Beauty-Branche war es ein sehr bewusster Schritt, mein eigenes Dufthaus zu gründen. Parfümerie ist für mich nicht nur eine Kategorie – sie liegt mir im Blut. Ich verspürte den klaren Auftrag, etwas mit Haltung und einer klar definierten Perspektive zu schaffen. Die Kategorie war jahrelang zu stark von Nostalgie dominiert – mit GAMINE stelle ich Innovation und Design in den Vordergrund. GAMINE zu lancieren fühlt sich an wie eine Staffelnübergabe: Ich ehre die olfaktorische Integrität, die mir mitgegeben wurde, und führe sie zugleich durch meine eigene Linse weiter.
Düfte zu kreieren ist ebenso emotional wie wissenschaftlich. Wie balancierst du dieses Spannungsfeld in deinem Entwicklungsprozess?
Ich denke weniger über Emotion und mehr über Identität nach – darüber, wie der Duft mit der Trägerin oder dem Träger verschmilzt. Er bewegt sich mit ihnen, formt, wie sie wahrgenommen werden. Er wird Teil ihrer Präsenz.
Molekulare Innovation ist ein wesentlicher Teil dessen, was GAMINE von anderen Dufthäusern am Markt unterscheidet. Wie sieht dein Prozess aus – von der ersten Idee bis zur tatsächlichen Kreation eines neuen Duftes?
Ich sehe Düfte als lebendige Charaktere. In einem Labor aufzuwachsen, hat meine Art zu komponieren geprägt. Jede Zutat besitzt Präsenz, Spannung und Kontrast. Ich visualisiere, wie sie interagieren, wie sie aufeinandertreffen und wie sie auf der Haut Identität aufbauen. Harmonie interessiert mich nicht. Die stärksten Kompositionen entstehen aus Elementen, die sich eigentlich widersetzen – Noten, die nicht dafür gemacht sind, nahtlos zu verschmelzen. Diese Reibung schafft etwas deutlich Provokanteres. Genau diese Spannung definiert die Duftpalette von GAMINE.
„GAMINE zu lancieren fühlt sich an wie eine Staffelnübergabe: Ich ehre die olfaktorische Integrität, die mir mitgegeben wurde, und führe sie gleichzeitig durch meine eigene Linse weiter.“
Wie findest du die Namen für deine Düfte?
Benennung ist eine eigene Sprache – ein Code. Für mich ähnelt das Benennen eines Duftes eher dem Titel eines Films als einer Duftbeschreibung. Er erklärt nicht, er gibt den Ton an.
Jeder Name beginnt mit einem Zustand – etwas Psychologischem, Physischem oder sogar Energetischem, nicht mit einer Ingredienz. Mich interessiert, was der Duft mit dir macht, wie er deine Wahrnehmung oder dein Verhalten verschiebt. Der Name wird zum destillierten Signal genau dieser Idee.
Altered Statesentstand aus einer veränderten Wahrnehmung, einer Frequenz, in die man sich einklinkt. Es geht um Präsenz durch Vibration – etwas fast Heiliges.
Heroic Dosesteht im Gegensatz dazu. Es geht um Exzess. Übermaß ohne Schuldgefühl. Jenen Punkt der Hingabe, an dem Genuss in etwas Euphorisches, fast Berauschendes kippt.
1000gist das Gewicht eines Goldbarrens – etwas, das förmlich vor Opulenz strahlt, eine Art schöne Schwere, die bleibt und erdet.
Allen gemein ist die gleiche Intention: Der Name beschreibt den Duft nicht, er rahmt das Erlebnis.
„Harmonie interessiert mich nicht. Die stärksten Kompositionen entstehen aus Elementen, die sich widersetzen – Noten, die nicht dafür gemacht sind, nahtlos zu verschmelzen. Diese Reibung schafft etwas deutlich Provokanteres.“
Du designst in Brooklyn, produzierst in Grasse und komponierst Kollektionen in Mailand. Wie hinterlässt jede dieser Regionen ihre ganz eigene Spur in einem GAMINE-Duft?
Jeder Ort erfüllt eine klare Funktion. Brooklyn steht für Grit – roh und instinktiv. Grasse verkörpert Heritage – Materialien, Handwerk, Herkunft. Mailand steht für Kontrolle – Engineering, Präzision, Umsetzung. Keine Überschneidungen, sondern ein System, das die finale Form definiert.
Jeder Ort, von dem aus ich arbeite, trägt eine eigene Energie. In Brooklyn bleibe ich nah an meinem Instinkt. Es ist roh, unmittelbar – eine Art kreative Reibung, die ich brauche. Grasse ist tiefer und persönlicher. Es steht für Heritage, Disziplin und Materialien – dort wurde mein Fundament gelegt. Mailand wiederum steht für Engineering, Präzision und Umsetzung.
Ich vermische diese Umfelder nicht, ich bewege mich bewusst zwischen ihnen. Jeder Ort hat seine Rolle im Entstehungsprozess – und genau diese Struktur definiert am Ende die endgültige Form.
Erzähl mir von dem architektonischen Einfluss, der in deine Kollektionen eingewoben ist. Warum ist dir die taktile Erfahrung bei der Produktentwicklung so wichtig?
Die Ästhetik ist bewusst brutalistisch. Sie ist architektonisch, aufgebaut auf Struktur, Gewicht und Form. Haptik ist essenziell – sie schafft eine direkte, fast körperliche Verbindung. Sie verwandelt Duft von etwas Intangiblem in etwas Physisches, etwas Gelebtes.
Wie übersetzt sich das in dein Verpackungsdesign?
Das Gewicht des Glases, die Spannung des Gummis, das schwere Seil, der funktionale Metallkarabiner – ich habe jedes Element so gestaltet, dass es Objekt und Körper verbindet und zugleich funktional ist. So wird Duft zu etwas Physischem, etwas Gelebtem – konstruiert, um zu bestehen, nicht, um bloß kostbar zu wirken.
Du hast außerdem deinen eigenen Eco-Gummi entwickelt. Wie wichtig sind nachhaltige Aspekte in deinem Prozess der Material- und Ingredienzienwahl?
Gummi besitzt eine einzigartige Dualität. Es ist schützend und industriell und zugleich hochraffiniert. Wir haben ihn auf Langlebigkeit hin entwickelt – widerstandsfähig gegen extreme Bedingungen, Alterung und häufige Nutzung. Er reduziert die Abhängigkeit von Einwegmaterialien und hat einen geringeren Energie-Fußabdruck als herkömmliche Kunststoffe. Zudem ermöglicht er eine teilweise Wiederverwertung von Produktionsabfällen. Vor allem aber ist er dafür gemacht, zu bleiben.
„Haptik ist essenziell – sie schafft eine direkte, fast körperliche Verbindung. Sie verwandelt Duft von etwas Intangiblem in etwas Physisches, etwas Gelebtes.“
Die Kraft von Düften liegt in ihrer Fähigkeit, Träger:innen zu transportieren oder augenblicklich bestimmte Gefühle hervorzurufen. Wohin, hoffst du, werden Menschen getragen, wenn sie einen Duft von GAMINE tragen?
Mich interessiert weniger, jemanden woandershin zu versetzen, als ihn tiefer in sich selbst zu verankern. GAMINE steht nicht für Eskapismus – sondern für Verstärkung. Die Düfte schärfen Präsenz, steigern Wahrnehmung und stärken Identität in Echtzeit. Wo auch immer du bist, sie treffen dich genau dort – und intensivieren den Moment.
Entdecke das GAMINE-Universum, das am 30. April online startet, unter gamineparfums.com.



















