Schemata Architects inszeniert Le Labos Tokyo-Flagship neu – mit taktilem Holz und rohem Beton
Im Daikanyama-Viertel setzt der radikal umgestaltete Store das Handwerk der Parfümherstellung in Szene – eine eindrucksvolle Mischung aus urbaner Industrie-Ästhetik und natürlicher Ruhe.
Zusammenfassung
- Das japanische Studio Schemata Architects hat Le Labos Store im Tokioter Viertel Daikanyama vollständig neu gestaltet – jenes Geschäft, das ursprünglich als erster Standort der Marke außerhalb der USA eröffnete.
- Das beeindruckende Interieur zentriert sich um eine kontrastreiche, zugleich stimmige Palette aus rohem Beton und traditionell mit Uzukuri behandeltem Rotzedernholz.
- Durch die Verlagerung des Duftlabors an die Front des Stores präsentiert das neue Layout die kunstvolle Komplexität der Parfümherstellung nun selbstbewusst zur Straße hin – sichtbar für alle, die vorbeiflanieren.
Nach 18 Jahren ununterbrochenen Betriebs hat Le Labos historischer Flagship-Store in Daikanyama – der allererste Standort der renommierten New Yorker Parfümerie außerhalb der Vereinigten Staaten – eine spektakuläre architektonische Verwandlung erfahren. Mit der Aufgabe betraut, dem Ort eine neue Identität einzuhauchen, hat das in Tokio ansässige Studio Schemata Architects die Boutique in eine taktile Hommage an das Handwerk verwandelt. Durch das meisterhafte Zusammenspiel der rohen, industriellen Energie der Metropole mit tief empfundener Naturruhe entsteht ein immersives, visuell opulentes Erlebnis, das Le Labos kunsthandwerkliche Haltung perfekt unterstreicht.
Zentrales Ziel der umfassenden Renovierung war es, das präzise, handwerkliche Können hinter den charakteristischen Düften der Marke in den Mittelpunkt zu rücken. Dafür überarbeitete Schemata Architects den Grundriss vollständig und verlegte das hauseigene Duftlabor vom hinteren Teil des Gebäudes direkt nach vorn. Hinter großzügigen, zur Straße gerichteten Fensterfronten werden die arbeitenden Parfümeur:innen nun zur lebendigen, faszinierenden Inszenierung, die Kund:innen einladend empfängt und den Store nahtlos mit seinem urbanen Umfeld verknüpft.
Für die Ausarbeitung der Materialpalette ließ sich das Designteam direkt von der kreativen Vision des Auftraggebers leiten. „Le Labo schlug Holz und Beton als Materialien vor“, erläutern die Architekt:innen, „mit der Idee, dass das Wesen der Stadt in der Verbindung gegensätzlicher Kräfte liegt: intensiver Energie und tiefer Ruhe.“ Um dieses Konzept erfahrbar zu machen, setzte das Studio auf mit Uzukuri behandeltes Rotzedernholz – eine traditionelle japanische Holztechnik, bei der weichere Frühholzschichten sorgfältig abgetragen werden, sodass eine markant hervortretende, besonders widerstandsfähige Maserung entsteht.
Mit einem ausgesprochen innovativen, zirkulären Bauansatz nutzten die Architekt:innen das mit Uzukuri behandelte Zedernholz als Schalung für die neuen architektonischen Interventionen im Store. „Indem wir Beton in Schalungen gossen, die die unregelmäßige Struktur der Holzmaserung betonen, entstanden Fertigteile, auf deren Oberfläche sich diese Maserung abzeichnet – und die wir anschließend als Wände einsetzten“, erklärt das Team. In einem genialen Akt materieller Kontinuität wurde genau diese Holzschalung später geborgen und zu Präsentationsregalen und Mobiliar des Stores weiterverarbeitet.
Über den Köpfen wurde die ursprüngliche Decke freigelegt, sodass rohe Aussparungen für Beleuchtung, alte Leitungskanäle und historische Schalungsspuren sichtbar werden – eine Hommage an die ursprüngliche Stahlbetonstruktur des Gebäudes, die zugleich das übergeordnete Thema des „Prozesses des Machens“ eindrucksvoll betont.
Durch den nahtlosen visuellen und haptischen Dialog zwischen den rauen Betonwänden und dem reich texturierten Zedernholz-Mobiliar hat Schemata Architects einen Raum geschaffen, der gleichermaßen in Tokios architektonischer DNA wie in Le Labos Hingabe zum Handgemachten verankert ist. Der frisch renovierte Flagship-Store in Daikanyama ist nun offiziell geöffnet und präsentiert sich als Lehrstück für zeitgenössisches, erzählerisch geprägtes Retaildesign.



















