Der Pankou-Knopf ist überall – und er erobert die Runways
Der uralte chinesische Verschluss wird von asiatischen Designer:innen neu erfunden und von westlichen Brands adaptiert – warum gerade jetzt?
In der endlosen Suche der Mode nach kleinsten Details, die sich herausstellen und neu erfinden lassen, erleben die chinesischen Knebelverschlüsse, bekannt als Pankou-Knöpfe, ein Comeback und gewinnen zunehmend Einfluss auf Luxus- und Premiumlabels von adidas Originals bis Lemaire.
Manchmal auch bezeichnet als „Frog Button“, zeigt sich dieser traditionelle Verschluss in ganz unterschiedlichen Formen, ist aber fast immer durch eine kleine Schlaufe auf der einen und eine Perle oder einen Knoten auf der anderen Seite gekennzeichnet. Es gibt funktionale Varianten, wie man sie in der Arbeitskleidung der 1930er-Jahre findet, und dekorativere Ausführungen, etwa die kunstvollen Designs in chinesischer Festgarderobe. Warum also übt dieses uralte Bekleidungsdetail heute wieder eine so starke Faszination aus – und wie wird es aktuell neu interpretiert?
Der internationale Durchbruch des Knopfs als Mainstream-Trend lässt sich grob auf 2025 datieren, als adidas Originals seineTang Jacket. Diese ansonsten klassische adidas-Track-Jacket, inspiriert von Tang-Anzügen, setzt auf knotenartige Pankou-Verschlüsse zusätzlich zum typischen Reißverschluss. Nachdem sie als Asien-exklusives Modell Kultstatus erreicht hatte, sorgt die Jacke nun im Westen für Aufsehen, wo das Detail in immer neuen, experimentellen Varianten auftaucht.
Sartorial Silhouetten, Eastern Influences
Ähnlich wie bei der adidas Tang Jacket verbinden spannende Hybrid-Silhouetten den Pankou mit westlichen Details. Bei der Ralph-Lauren-FW26-Show in Paris – der ersten Menswear-Runway-Show des Designers seit Jahren – zeigte ein Smokingjackett aus schwarzem Samt opulente Pankou-Verschlüsse. In lässigeren Interpretationen hat das in NYC ansässige Label Sundae School denHanbok Hoodie, mit einem diagonalen Pankou-Verschluss lanciert, und der neue Teardrop Fleece punktet ebenfalls mit einem einzelnen Pankou-Knoten am Kragen.
Das Design des Knopfs ähnelt funktional den Knebelverschlüssen auf Dufflecoats, wie sie traditionell von europäischen Seeleuten getragen wurden. Wie beim Pankou besitzt auch der Duffle-Knebel auf der einen Seite eine Schlaufe und auf der anderen einen länglichen Knopf. Die Verschmelzung dieser beiden Stile dient zahlreichen Designer:innen als kreativer Ausgangspunkt.
Kenzos Fall-2026-Kollektion, designt von NIGO, zeigt eine marineblaue Jacke mit einem einzelnen Pankou-Verschluss, verziert mit traditionellen Motiven und durch einen großen Duffle-Knopf deutlich in eine westliche Richtung gerückt. Yohji Yamamotos FW26-Runway präsentierte eine ähnliche Kombination aus kunstvollen Pankou-Verschlüssen und überdimensionierten Duffle-Buttons, ebenso wie Sacai, wo das geflochtene Detail durch verlängerte Formen zusätzlich betont wird.
Diese Hybrid-Designs spiegeln wider, wie der Pankou im Laufe der Geschichte bereits vom Westen adaptiert wurde. In den 1930er-Jahren zeigte er sich in einer reduzierten Version auf tiefblauen Arbeitsjacken, die Europas wachsende Arbeiterschaft einkleideten. In Frankreich etablierte sich dieser Typ schließlich als „Bleu de Chine“, und der Chore-Coat-ähnliche Style wurde von Lemaire für den finalen FW26-Look in braunem Leder neu interpretiert.
Heritage-Led Innovation
Während der Pankou weltweit kursiert, setzen chinesische Designer:innen das Heritage-Detail weiterhin zu ihren eigenen Bedingungen neu in Szene. Ein prominentes Beispiel aus der globalen Industrie ist CLOT unter Leitung des chinesischen Designers Edison Chen. Im Januar 2026 kooperierte CLOT mit adidas für eineLunar-New-Year-2026-Capsule, die unter anderem einen Sneaker mit Pankou-Verschlüssen statt Schnürsenkeln und eine neue rote Tang Jacket umfasst.
In Paris zeigte das zwischen Shanghai und Mailand ansässige Label PRONOUNCE unter anderem eine Denim-Weste mit Pankou-Knoten an der Schulter und eine Veloursjacke mit Pankou-artigen Knebelverschlüssen – Teil einer ganzen Reihe von Heritage-inspirierten Designs. Anderswo entwarf der in Paris ansässige chinesische Designer Edmond Luu von Pièces Uniques eine Fall-Kollektion, durchzogen von Pankou-Verschlüssen, die die Knöpfe in futuristische, präzise geschneiderte Silhouetten integriert.
In einem Instagram-Post, bezeichnete Luu seine Kollektion „Red Origin“ als „a tribute to the Hongbang tailors & my French savoir-faire; it reflects a dialogue between two worlds: Eastern sensitivity and Western rigor, tradition and modernity.“ Die Betonung dieser Dualität in seinen Entwürfen spiegelt den intensiver werdenden Dialog zwischen chinesischer und europäischer Mode unmittelbar wider.
Von Ökonomie zu Ästhetik
Vor dem Hintergrund einer sich wandelnden globalen Mode-Landschaft dringen nicht nur chinesische Brands in den US-Markt vor, auch immer mehr europäische Designer:innen tun sich mit chinesischen Marken zusammen, um ihre Karriere weiter voranzutreiben. LautReuters, deuten Unternehmensberichte und Social-Media-Posts darauf hin, dass zahlreiche chinesische Marken 2025 ihre ersten US-Stores eröffneten, darunter Urban Revivo, Auntea Jenny, Chagee, Luckin Coffee und Mixue. Ebenfalls 2025 schloss sich Kim Jones, ehemals Dior, der in Shanghai ansässigen BrandBosidengs Areal Linean, und Kris Van Assche kollaborierte mitAntazero, mit Pop-ups in ganz China und im Dover Street Market Paris.
Es ist kein Zufall, dass der Pankou gerade in einer Ära an Aufmerksamkeit gewinnt, in der der Dialog zwischen östlicher und westlicher Mode – nicht zuletzt dank Asiens wachsender Fashion-Industrie – immer intensiver wird. Während asiatische Designer:innen ihren Platz im globalen Markt festigen und europäische Brands zunehmend Inspiration aus der Region schöpfen, dürfte diese kulturelle Durchmischung weiter hybride Silhouetten und innovative Ästhetiken hervorbringen.



















