Glenn Martens inszeniert für Diesel FW26 einen irdischen Garten der Lüste
Bonbonbunte Statement-Looks und dekonstruiertes Denim trafen auf eine Installation aus 50.000 Objekten vergangener Projekte – ein Bosch-artiger Erinnerungs-Garten voller Diesel-Memorabilia.
Zusammenfassung
-
Glenn Martens’ Diesel-FW26-Kollektion wurde in einem surrealen „Garten“ aus 50.000 Memorabilia inszeniert und zeigte typische Diesel-Codes wie zerknittertes Denim und grungige Strickware.
-
Die Show balancierte akribische Materialexperimente – etwa „feuerverglühte“ Pelze und leuchtende Nähte – mit tragbarer, marktgerechter Anziehungskraft und untermauerte damit Martens’ Souveränität über die Marke.
Am Dienstagnachmittag präsentierte Glenn Martens seine Diesel-FW26-Kollektion in Mailand und lud die Gäste in einen Raum ein, der sich um mehr als 50.000 Objekte und Requisiten aus dem Diesel-Universum gruppierte.
Ganz im Geiste einer postmodernen Version von Bosch’The Garden of Earthly Delights, und die Kollektion übersetzte den farbenfrohen, hedonistischen und maximalistischen Stil des ikonischen Gemäldes in Martens’ von Pop-Art inspirierte Ästhetik. In skulptural drapiertem, geknittertem Denim und Neon-Looks bahnten sich die Models ihren Weg durch einen „Garten“ aus Objekten mit lebensgroßen Figuren – von Eisbären über Aliens bis hin zu Santa Claus. Überdimensionale Inflatables, Pflanzen und sogar ein Auto waren zwischen Kleidungsstücken und Schmuckstücken arrangiert.
Die Präsentation startete mit Denim- und Strick-Looks: Klassische Diesel-Jeans waren ausgewaschen und geknittert, während Jersey-Basics und Strickpullover zu amorphen Tops gerafft wurden. Ein besonderer recycelter Filzstoff, der an Isoliermaterial erinnert, wurde zu Tailoring-Pieces wie einem Mantel und einem Zweiteiler verarbeitet. Verspielte Details wie opulente Blütenmotive und schimmernde Organza-Qualitäten trafen auf Diesels grungigere Seite: zerrissene T-Shirts, beflocktes Denim, ausgeblichene Graphic-Shirts und karierte Röcke, die wie Flanellhemden locker um die Taille gewickelt waren.
Pelz spielte in den FW26-Kollektionen eine zentrale Rolle, und Martens trug die Fackel im wahrsten Sinne des Wortes weiter zur Milan Fashion Week. Graue Pelzmäntel und -tops waren mit leuchtend orangefarbenen, roten und blauen Streifen durchzogen und wirkten im Luftzug des Laufstegs, als stünden sie in Flammen. Später schienen transparente Tops und verzierte Denim-Pieces von innen heraus zu glühen, als würden Pink- und Türkistöne aus Nähten und Falten hervortreten.
Die Show endete mit einer Serie pastellfarbener Lederjacken und laminierter Jeans in Babyblau, Pink, Gelb und Orange. Die finalen Looks dekonstruierten zeitgenössische Womenswear, kombinierten zerschnittene Blumenstoffe mit extrem kontrastierten Falten und interpretierten sie mit der markentypischen Knitteroptik neu.
Trotz aller Opulenz geriet die Kollektion nie in den Kitsch. Stattdessen führte sie den kunstvollen Ansatz fort, den Martens in seinen fünf Jahren beim italienischen Label kultiviert hat. Mit einem Fuß in der Avantgarde bei Maison Margiela und sichtbar geprägt von seiner früheren Leitung von Y/Project zeigte der Designer einmal mehr, dass er ein Meister surrealer Materialmanipulation ist. Wie schon in den vergangenen Saisons brachte Martens überwältigendes Spektakel und im Kern absolut tragbare Stücke mühelos in Einklang.



















