SS26-Herrentrends: Auf diese Fashion-Moves freuen wir uns – und deshalb

Von Jonathan Andersons supersized Dior-Cargos bis zu Willy Chavarrias Brokat-Hosen: Wir haben die spannendsten Menswear-Entwicklungen der SS26-Laufstege für dich kuratiert.

Mode
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In jeder Saison blicken Zuschauer:innen, Kund:innen und Brancheninsider gleichermaßen auf die Laufstege in Paris, Mailand, New York City und anderen Metropolen, um die ersten Signale für die kommenden Modesaisons zu entschlüsseln.

Die SS26-Laufstege des vergangenen Jahres zählten zu den meist erwarteten Shows seit Langem – vor allem wegen der ungewöhnlich hohen Zahl an Debüts, darunter Jonathan Anderson bei Dior, Michael Rider bei Celine und Glenn Martens bei Maison Margiela. Während Designlegenden wie Junya Watanabe und der verstorbene Giorgio Armani ihre souveräne Kontrolle über den Zeitgeist erneut unter Beweis stellten, wirbelten aufstrebende Avantgardist:innen wie Feng Chen Wang und Willy Chavarria die Codes der Herrenmode mit vielfältigen Perspektiven weiter durcheinander.

Wir haben die wichtigsten Designentwicklungen aus diesen Kollektionen für Sie kuratiert. Proportionen verschoben sich, historische Referenzen überspannten Jahrhunderte, und eine spürbare Verspieltheit lag in der Luft. Silhouetten wurden in neue Dimensionen vergrößert, während frische Designsprachen die Grenzen zwischen Womenswear und Menswear verwischten. SS26 war keine Saison für den Durchschnitt – sie gehörte der Emotion und der Imagination.

Hier sind die Trends, auf deren Entfaltung wir uns freuen – und warum sie so gut funktionieren.


Das „Dress“-Shirt

Vergessen Sie den Schneider – die SS26-Laufstege signalisieren: Es ist absolut okay, im Hemd zu versinken. Stellen Sie sich Ihre Lieblingshemden hochskaliert vor, so lang, dass sie bis weit unter den Oberschenkel oder sogar bis zum Knöchel reichen. Kleidlange Hemden kamen in vielen Varianten über den Laufsteg – von Vivienne Westwoods lang geschnittenem Rugbyshirt über Pradas verlängerte Workshirts bis hin zu Loro Pianas bedruckten Tuniken. Während Diors „Dress“-Shirt so lang ist, dass es keinerlei Bottoms mehr braucht, zeigten Labels wie Ami Paris das Teil in raffinierten Layering-Looks.

Während Menswear seit einigen Sommern mit dem Taillen-Crop flirtet, rutschen die Säume nun deutlich unter die Hüfte. Im maximalen Oversized-Format werden diese weiten, luftigen Hemden zum echten Lifesaver bei Hitze, weil sie die Luftzirkulation perfekt ausreizen.

Granny-Knits

Pullover und Cardigans wirkten auffallend „omaesk“ – mit feinen Garnen wie bei Feng Chen Wang, pastoralen Szenerien wie bei Junya Watanabe und floralen Motiven wie bei Amiri. Selbst unifarbene Strickteile kamen in sanften Babyrosa- und Blautönen daher, etwa bei Louis Vuitton und Maison Margiela.

Kaum etwas ist so sentimental aufgeladen wie ein Familienerbstück – genau diese emotionale Verbindung scheinen Designer mit den Knits dieser Saison anzuspielen. Mit folkloristischen Motiven und charmanten Details bringen Granny-Knits eine spielerische Note in die Herrenmode und eignen sich perfekt als Übergangspullover – besonders in luftigen Netzstrukturen und mit zarten Garnen.

Regimentsmäntel

Von Nylon-Bombern bis zu Leder-Flight-Jackets: Military-inspirierte Outerwear ist fester Bestandteil der modernen Herrengarderobe, doch die Uniformen vergangener Jahrhunderte tauchten bisher selten wieder auf – bis jetzt. Die SS26-Laufstege holten sie im großen Stil zurück, mit einreihigen, doppelreihigen und opulent mit Kordeln verzierten Regimentsmänteln.

Während Ann Demeulemeester nahezu originalgetreue Repliken zeigte, wählte Craig Green einen dekonstruierenden Ansatz, und NIGO setzte bei Kenzo auf Trompe-l’œil-Effekte. Sogar Lil Uzi Vert trägt in seinem neuen „What You Saying“-Musikvideo einen mit Pailletten besetzten Regimentsmantel.

Ganz klar ein Statement-Piece: Der Regimentsmantel ist das genaue Gegenteil von Athleisure – und genau darin liegt sein Reiz. Die neue Hinwendung zu feiner Schneiderei und Dandyismus in der Herrenmode holt vergessene Silhouetten wie diese zurück in die Gegenwart. Und zum Glück ist der ursprünglich für das Schlachtfeld gedachte Mantel meist leichter als ein gepolsterter Bomber oder eine Sherpa-Flight-Jacket – perfekt für Spring/Summer.

Mega-Shorts

2020 forderten TikToks und Thinkpieces leidenschaftlich, dass Herrenshorts nicht länger als fünf Inch sein dürften. Und plötzlich ist 2026 – und Shorts sind wieder größer denn je. Mega-Shorts brodeln in der Herrenmode schon eine Weile unter der Oberfläche, parallel zum ungebrochenen „Big Pants“-Trend.

Man könnte sagen, Willy Chavarria hat mit seinen unvergleichlich übergroßen Hosen früh den Samen gelegt. In dieser Saison aber zeigten Andersons Dior-Debüt und die anschließende Pre-Spring-Kollektion eine Bandbreite ultraweiter Cargo-Shorts in A-Linie. Unter den Contemporary Labels präsentierte IM Men eine schimmernde beige Variante, Our Legacy interpretierte den Look in klassisch gestreiftem Leinen. Anders als Short-Shorts funktionieren Mega-Shorts besser für den Übergang in den Abend – während das Schwingen der extraweiten Beine tagsüber jede Brise willkommen heißt.

Lederhosen

Ihren Peak hatten Lederjeans um 2011–2012, als sie untrennbar mit Paparazzibildern von Yes Streetstyle und Olivier Rousteings frühen Balmain-Kollektionen verbunden waren. Jetzt sind sie zurück – und weiter geschnitten. Einige der begehrtesten Luxuslabels, darunter Hermès, Celine und Giorgio Armani, gaben dem Comeback in ihren Shows ihren Segen. Meist setzten sie auf schwarzes Leder – die klassische Variante, wie man sie von Biker- und Punk-Ikonen kennt.

Dank des neuen, lockereren Fits werden die Lederhosen der SS26-Saison deutlich tragbarer und sommerfreundlicher. In eine enge Lederjeans hinein- und wieder herauszukommen, ist in der Hochsaison des Schwitzens schließlich alles andere als glamourös. Trotzdem wagen mutigere Labels wie Acne Studios und Martine Rose bereits das Skinny-Comeback und zeigen hautenge Lederjeans in ihren Kollektionen.

Summer Check Sets

Ist es ein Suit? Ist es Pyjama? Vielleicht keins von beidem. Summer Sets aus karierten Stoffen wurden ganz unterschiedlich interpretiert – von den scharf geschnittenen Varianten bei Wales Bonner und Kiko Kostadinov bis zu den beachy Zweiteilern bei Zegna und Saul Nash. Im Fokus: oberschenkellange Shorts, kombiniert mit leichten Blousons oder Hemden mit offenem Kragen, jeweils im passenden Stoff.

Die meisten Designer kombinierten ihre Check Sets mit Slippers und Unterhemd oder nacktem Oberkörper – ein klarer Verweis auf ihren Lounge-Charakter. Man sieht sie förmlich vor sich: beim Picknick im Park oder beim Brunch direkt am Strand, dort, wo sie hingehören. Ähnliche Looks tauchten auch in Pinstripes und anderen Spring/Summer-Mustern sowie als Hosen-Sets auf.

Hip Scarves

Der „Hip Scarf“, besser bekannt als Sarong, ist in vielen östlichen Kulturen noch immer ein beliebtes Kleidungsstück für Männer. Sein simples Design sorgt, um die Hüfte geschlungen und geknotet, für maximale Luftzirkulation – ideal in heißen, feuchten Klimazonen. Die aktuelle westliche Interpretation dieses traditionellen Pieces zeigt sich jedoch in neuen Kontexten und Formen.

Bei Dries Van Noten tauchte der Style in der SS26-Show konsequent als Layer über Hosen auf, kleinere Einsätze gab es bei Engineered Garments und Junya Watanabe. Jonathan Andersons Dior-Menswear-Debüt und Amiri spielten eher mit einer europäischen Interpretation des Schals und setzten auf schmale Satin-Varianten mit langen Fransen. In Olivier Rousteings letzter Kollektion für Balmain entpuppt sich ein vermeintlich traditioneller Sarong bei genauerem Hinsehen als weit geschnittene Hose mit makellosem Drapé.

Ganz gleich, wie man sie interpretiert: Hip Scarves wie diese sind eine unkomplizierte Möglichkeit, einen Look mit zusätzlicher Spannung und Dimension abzurunden. Das Beste daran: Das Accessoire ist extrem vielseitig – es funktioniert ebenso als Kopftuch gegen die Sonne oder als Schultertuch, wenn die Abendbrise aufkommt.

Brokat

Brokat ist ein reich dekorierter Webstoff, oft aus verschiedenfarbigen, teilweise metallisch glänzenden Garnen. Er ruft sofort Assoziationen von Royalty und Opulenz hervor – doch in der SS26-Herrenmode setzten Designer den Stoff auf unerwartete Weise ein. Besonders prägnant: klassischer Brokat in weit geschnittenen Hosen bei Willy Chavarria, Simone Rocha und Kartik Research. Anderswo tauchten brokatartige Jacquards raffiniert auf klassischen Jackets von Junya Watanabe auf.

Spannend an diesem Trend ist, dass der sonst so ornamentale Stoff endlich in typische Menswear-Silhouetten einzieht. Er setzt ein klares Statement: Auch Herrenmode kann auf jenes Level an Regality gehoben werden, das sonst meist Womenswear vorbehalten ist. Man darf nicht vergessen: Erst 2021 zeigte Pierpaolo Piccioli bei Valentino die erste Couture für Männer – viele Häuser haben hier noch Nachholbedarf.

Etwas Pink

Pantone mag das Off-White „Cloud Dancer“ zur Farbe des Jahres gekürt haben – doch auf den SS26-Laufstegen meldete sich ein anderer, deutlich aufregenderer Ton lautstark zu Wort. Pink für Spring/Summer ist zwar kein revolutionärer Trend, seine allgegenwärtige Präsenz war dieses Mal jedoch bemerkenswert. Anders als das satte Pierpaolo-Pink, das unweigerlich mit dem Barbie-Franchise verknüpft ist, wirken diese helleren Nuancen softer fürs Auge – und sind deutlich vielseitiger.

Tastemaker der Stunde wie Willy Chavarria und Jonathan Anderson für Dior zeigten Kollektionen mit einer starken Präsenz von Lachsrosa. Der Ton verleiht Pieces wie Chavarrias Brokat-Hosen und Andersons weit geschnittenen Dior-Cargos eine jugendliche Frische. Anderswo tauchten zarte Babyrosa-Akzente in einem Hermès-Halstuch und in Off-Whites color-blocked Pieces auf.

Abgesehen von ein paar Head-to-Toe-Looks fungiert Pink in dieser Saison vor allem als Akzentfarbe – sie verleiht sonst neutralen Outfits und Grunge-Klassikern wie Leder-Bikerjacken und distressed Flanellhemden eine überraschende, verspielte Note.

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