Zusammenfassung
Sorayama hat seine Zusammenarbeit mit NANZUKA beendet und eine eigene Managementfirma gegründet.
Dieser Schritt verschafft ihm mehr Kontrolle über seine Arbeit, sein geistiges Eigentum (IP) und seine Kooperationen.
Sorayama sagt, dass er derzeit keinen Zugriff auf @hajimesorayamaofficial hat.
Für die meisten Künstler:innen entsteht ein Nachlass erst im Nachhinein. Hajime Sorayama baut seinen auf, obwohl er noch voll im Schaffen ist.
Laut einer Pressemitteilung hat der japanische Künstler die Zusammenarbeit mit der japanischen Galerie NANZUKA im Management beendet und die Sorayama Hajime Estate Co., Ltd. gegründet. Das neue Unternehmen fungiert künftig als offizielle Anlaufstelle für seine Ausstellungen, Lizenzvergaben, Kooperationen, die Verwaltung seiner Werke und weitere geschäftliche Belange. Sorayama bestätigte die neue Struktur am 20. August und erklärte, dass Anfragen zu seiner Arbeit künftig nicht mehr über NANZUKA abgewickelt werden.
Für einen Künstler, dessen Praxis sich seit Langem weit über die Wände einer Galerie hinaus bewegt, ist das ein bedeutender Schritt. Sorayamas verchromte Visionen von Menschen und Maschinen bewegen sich seit Jahrzehnten frei zwischen Kunst und kommerziellem Design. Zu seinem Werk zählen die „Sexy Robot“-Serie, die aus seinen ersten Roboterzeichnungen von 1978 hervorging, ebenso wie das Konzeptdesign für Sonys ersten AIBO von 1999. Dieser gehört heute zur ständigen Sammlung des MoMA.
Die Gründung eines eigenen Unternehmens wirkt insofern weniger wie ein Rückzug aus der Kunstwelt als wie der Versuch, all das stärker zu kontrollieren, was sein Werk umgibt: die Kunst selbst, aber auch Markenrechte, Lizenzen, Produkte und Markenkooperationen. Sie haben Sorayama zu einem der wenigen Künstler gemacht, die in einer Galerie ebenso unverkennbar sind wie auf einem Sneaker, einem Albumcover oder einem Tech-Produkt.
Mit diesem Wunsch nach mehr Kontrolle steht er keineswegs allein. Galerien bleiben zentral für den Kunstmarkt, doch Sammler:innen fühlen sich zunehmend wohl damit, direkt mit Künstler:innen zu verhandeln. Die jüngste Studie von Art Basel und UBS ergab, dass Direktverkäufe durch Künstler:innen 2025 bereits 20 % der Ausgaben der befragten vermögenden Sammler:innen ausmachten – doppelt so viel wie ihr Anteil von 10 % im Jahr 2021. 43 % der Befragten hatten direkt aus einem Atelier gekauft, 37 % selbst Werke in Auftrag gegeben.
Das heißt nicht, dass Künstler:innen nun plötzlich auf Galerien verzichten. Was sich offenbar verändert, ist vielmehr, wie viel von der Infrastruktur rund um eine Karriere etablierte Künstler:innen selbst besitzen können. Soziale Medien haben die direkte Kommunikation erleichtert, Markenkooperationen sind zu eigenständigen Geschäftsfeldern geworden – und für Künstler:innen, die auf Jahrzehnte geistigen Eigentums zurückblicken, kann die Kontrolle darüber ebenso wichtig sein wie die Vertretung durch eine Galerie.
Ganz reibungslos ist Sorayamas Übergang allerdings noch nicht. Seine neue Firma teilt mit, dass bestimmte Markenrechte, Kunstwerke und andere verwaltete Vermögenswerte noch übertragen werden. Das könnte die Auslieferung einiger bereits von Sammler:innen erworbener Werke verzögern. Zudem warnt sie, dass Sorayama und das Unternehmen derzeit keine Kontrolle über den Instagram-Account haben, der bislang als seine offizielle Seite genutzt wurde, @hajimesorayamaofficial – wir haben ihn hier verlinkt, derzeit ist er jedoch nicht erreichbar.
Die Ankündigung wirft zudem eine ernstere Frage rund um die 2026 KAKAWOW Phantom Hajime Sorayama Trading Cards auf. Sorayama Hajime Estate erklärt, einige Karten, die mit Sorayamas handschriftlicher Signatur beworben wurden, seien nicht vom Künstler selbst unterzeichnet worden. Wegen des Verdachts auf Fälschung und unbefugte Verwendung seiner Unterschrift ziehe das Unternehmen die zuständigen Behörden hinzu. Händlerangebote für die Serie werben tatsächlich mit Autogramm- und Signaturkarten als möglichen Fundstücken.
Vorerst, so Sorayama, gilt seine Aufmerksamkeit weiterhin neuen Arbeiten. Die Strukturen um ihn herum mögen sich verändern, doch im Atelier läuft – zumindest laut dem Künstler – alles weiter wie gewohnt. „Während meiner gesamten Karriere habe ich stets die Herausforderung gesucht, etwas zu schaffen, das noch niemand zuvor gesehen hat“, erklärte er in der Pressemitteilung.