YOKE Spring/Summer 2027: Surrealistisches „Dépaysement“ lässt Leder wie Denim wirken und Pelz sommerlich leicht erscheinen
Inspiriert von Meret Oppenheim verlegt das Tokioter Label in seiner SS27-Kollektion klassische Fall/Winter-Materialien radikal in einen Spring/Summer-Kontext – und inszeniert Leder, Pelz & Co. über unerwartete Texturen neu. Gleichzeitig feiert YOKE frische Collabs mit HEREU und Pøsitum.
Zusammenfassung
YOKEs Spring/Summer-2027-Kollektion „Dépaysement“ nimmt Meret Oppenheims surrealistische Praxis als konzeptionelles Gerüst und baut die Linie um Materialtransformation und die Spannung zwischen dem, was Stoffe zu sein scheinen, und dem, was sie physisch sind.
Zu den Key-Fabrications gehören Leder, das durch Prägung und Ausbrenner-Färbung so bearbeitet ist, dass es wie Denim aussieht, ein Fischgratmuster aus Wolle-Acryl-Garn, das vollflächig auf industriell anmutendes Nylon gestickt ist, sowie ein Cupro-Streifen- und Kid-Mohair-Strick, der gleichzeitig an Washi-Papier und die Wärme von Langflor erinnert.
Die Saison präsentiert die erste Collaboration mit der spanischen Brand HEREU auf Ledersandalen und eine neue Partnerschaft mit dem Tokioter Produktdesign-Label Pøsitum für Bags – ergänzt um fortgeführte Kollaborationen mit TSUCHIYA KABAN, foot the coacher, Marbot, REPRODUCTION OF FOUND und '47.
YOKEs Spring/Summer-2027-Kollektion „Dépaysement“ bezieht ihren Namen und ihre konzeptionelle Ausrichtung von Meret Oppenheim, der Surrealistin, deren Praxis darauf beruhte, vertraute Objekte aus ihrem ursprünglichen Kontext zu lösen und sie über unerwartete Texturen neu zu inszenieren. Diese Logik wird konsequent auf Stoff übertragen: Materialien, die traditionell mit Fall/Winter assoziiert werden – darunter Pelz, Langflorstoffe, Leder und Wolle –, werden bewusst in einen Frühjahr/Sommer-Kontext versetzt, während raffinierte Verarbeitungstechniken dafür sorgen, dass Materialien wie etwas anderes erscheinen, als sie tatsächlich sind.
Das Leder, das auf den ersten Blick wie Denim wirkt, ist das technisch ausgefeilteste Stück der Kollektion. Durch eine Kombination aus aufwendiger Prägung und Ausbrenner-Färbung, ausgeführt von japanischen Kunsthandwerker*innen, imitiert das Leder die Oberflächenstruktur und das visuelle Gewicht von Denim, bleibt in seiner Konstruktion jedoch vollständig Leder. Laut Pressemitteilung entsteht so eine eigenständige Charakterstärke und Präsenz, die mit echtem Denim nicht erreichbar wäre – die Materialwahl wird damit als bereichernd, nicht als täuschend verstanden: Es geht nicht um Illusion, sondern darum, im Spannungsfeld zwischen Erscheinung und materieller Realität etwas Neues zu schaffen.
Das Fischgratgewebe arbeitet mit einer ähnlichen Dissonanz. Ein wärmendes Wolle-Acryl-Garn wird in einem flächendeckenden Fischgratmuster auf einen kühlen, industriell anmutenden Nylongrund gestickt und erzeugt so eine Oberfläche, die optisch und haptisch an F/W-Tailoring erinnert, während die Basis konstruktiv klar S/S bleibt. Der Kontrast zwischen der Wärme des bestickten Garns und der industriellen Kälte des darunterliegenden Nylons spiegelt die zentrale Spannung, die Oppenheim in Object (Le Déjeuner en fourrure), ihrem ikonischsten Werk, verhandelt: Eine mit Pelz überzogene Tasse mit Untertasse und Löffel bringt unvereinbare Texturen in unmittelbare Berührung.
Die Knitwear führt eine weitere Materialhybridität ein. Leichtes Cupro wird in feine, schmale Streifen geschnitten und mit Kid-Mohair verzwirnt – ein Garn, das die trockene, papierartige Haptik von traditionellem japanischem Washi mit der Weichheit und Wärme eines Mohairflors verbindet. Darüber hinaus entsteht durch Cupro, das mit Flockdruck veredelt wird, ein Material, das die satte Oberflächenstruktur von Corduroy mit einem eleganten Fall vereint, den Corduroy selbst nicht leisten kann. Beide Ansätze nutzen das Potenzial der Verarbeitung, um die Distanz zwischen zwei Materialeigenschaften zu überbrücken, die in einem einzelnen Textil normalerweise nicht koexistieren würden.
Die in der vergangenen Saison eingeführte Womenswear-Linie setzt ihre schrittweise Verzahnung mit der Menswear-Kollektion fort und bildet das, was YOKE als nahtlosen Verlauf zwischen beiden beschreibt. Der Ansatz beruft sich explizit auf Oppenheims Aussage, dass der Geist kein Geschlecht kenne: Vertraute Kleidungsstücke werden über ihre Materialität neu gelesen und mit Werten aufgeladen, die jenseits klassischer maskuliner und femininer Codes liegen.
Collaborations übertragen die materielle Logik der Kollektion auf Accessoires. Pøsitum, ein in Tokio ansässiges Produktdesign-Label an der Schnittstelle von Interior und Fashion, verwandelt Alltagsobjekte in Bags mit neuen Funktionen. Eine erste Zusammenarbeit mit der spanischen Brand HEREU bringt eine Kollektion von Ledersandalen hervor. Laufende Partnerschaften mit TSUCHIYA KABAN, foot the coacher, Marbot, REPRODUCTION OF FOUND und ’47 steuern weitere kollaborative Modelle für die Saison bei. Als direkte Hommage an Oppenheims Object hat YOKE zudem einen Folding Fan mit Fellmotiv und dazu passender Faux-Fur-Hülle entwickelt – ein Objekt, das zum Kühlen gedacht ist, wird so in ein Material gebettet, das wir intuitiv mit Wärme verbinden.



















