Ami Paris SS27: Schärfstes Tailoring zwischen Struktur und Softness
Halb gefütterte Anzüge, Nappa-Leder-Hardware und eine trompe-l’oeil-Sohle prägen die SS27 Kollektion.
Zusammenfassung
Ami Paris SS27 zeichnet seine Silhouette über dekonstruierte, halb gefütterte und vollständig ungefütterte Tailoring-Modelle in feinen Wollqualitäten, fließenden Seiden und crisp Popelines, ergänzt um technische Nylon-Garments.
Die Boyfriend Bag kommt in weichem Nappa-Leder mit unstrukturierter, „eingelaufener“ Silhouette, während die Bingo Bag mit einer gleitenden Metallsphäre überrascht, die nahtlos zwischen Shoulder- und Crossbody-Trageweise wechselt.
Die Footwear reicht von Retro-Collegiate-Sneakern und einem überarbeiteten Mirage-Running-Shoe in Standard- und Athletic-Version über Slip-ons aus injiziertem Gummi bis hin zu Schnürern mit trompe-l'oeil-Effekt.
Ami Paris hat seine Frühjahr/Sommer-Kollektion 2027, entworfen von Alexandre Mattiussi, in der ehemaligen Cartier Foundation in Paris präsentiert. Die Kollektion kreist um eine bewusst gesetzte Spannung zwischen präzisem Tailoring und sportlicheren Konstruktionen: Dekonstruierte, halb gefütterte und vollständig ungefütterte Anzüge treten neben technische Nylon-Pieces, vintage-gewaschene Jerseys und Cargo-Silhouetten – inszeniert in einer Palette von reinem Weiß und perlgrauen Monochrom-Looks bis hin zu Rubinrot, Ocker und Kobaltblau.
Im Tailoring werden die konstruktiven Entscheidungen am deutlichsten sichtbar. Die Silhouetten sind weicher gezeichnet und dekonstruierte, halb gefütterte und vollständig ungefütterte Ausführungen verlagern Gewicht und Fall der Anzüge weg von klassischer Strenge. Das Resultat ist eine Silhouette, die in den Collection Notes als „befreit“ beschrieben wird: Kontrastierende Volumen stellen scharf konturierte, körpernahe Linien weiten, oversized Proportionen gegenüber und erzeugen so einen dynamischen Flow innerhalb einzelner Looks – statt nur im Gesamtbild der Kollektion. Feine Wollqualitäten bespielen das strukturiertere Ende des Tailoring-Spektrums, während fließende Seiden und crisp Popelines an den jeweiligen Extremen der Textur-Skala agieren und damit, wie es die Presseunterlagen formulieren, einen kontinuierlichen Dialog zwischen Struktur und Geschmeidigkeit inszenieren.
Nylon-Ready-to-wear und Bags führen den Materialdiskurs konsequent in eine technische Richtung weiter. Performance-Materialien tauchen in der Sneaker-Range auf und verankern das Schuhwerk in einer funktionalen Materiallogik, die parallel zu der im gesamten Ready-to-wear stattfindenden Dekonstruktion des Tailorings verläuft.
Die Boyfriend Bag ist aus weichem Nappaleder gearbeitet und um eine unstrukturierte, eingelaufene Silhouette herum gedacht, die mit jedem Tragen zunehmend Form annimmt. Dieser Ansatz versteht die Tasche als materielles Objekt, das ihren Charakter durch Nutzung entwickelt, statt als fertig inszeniertes Produkt zu erscheinen – eine klare Konstruktionsphilosophie, die sich von klassischen strukturierten Lederwaren absetzt. Die Bingo Bag verfolgt einen anderen Ansatz: Ihr Charakter zentriert sich um eine gleitende Metallsphäre, die zugleich als Signature-Designdetail und als funktionales Hardware-Element fungiert und einen stufenlos verstellbaren Schulter-zu-Crossbody-Tragekomfort innerhalb einer weichen Gesamtsilhouette ermöglicht. Der Hardware-Mechanismus ist das zentrale konstruktive Merkmal der Tasche, und die funktionale Logik der Sphäre hebt sie deutlich von rein dekorativen Verschlusslösungen ab.
Ami-Footwear bewegt sich über mehrere klar definierte Konstruktionskategorien hinweg. Die Retro-Collegiate-Sneaker setzen auf Performance-Materialien, während der Mirage-Running-Shoe in zwei Varianten erscheint: als klassische Neuauflage und als betont athletischer Build. Slip-ons aus injiziertem Gummi markieren das utilitaristische Ende der Range, während Schnürer mit trompe-l’œil-Effekt eine illusionistische Oberflächenbehandlung in die Konstruktionsgeschichte einführen – ein visuelles Detail, das gezielt mit den Erwartungen an die Silhouette bricht.
Die Palette reicht von reinem Weiß und perlgrauen Monochrom-Looks über natürliche Nuancen, während Rubinrot, Ocker und Kobaltblau als bewusste Farbakzente statt als dominante Töne gesetzt werden. Grafische Prints, fröhliche Streifen und vintage-gewaschene T-Shirts komplettieren das Spektrum an Oberflächenstrukturen. Schmuck zeigt sich in stapelbaren Designs und Paris-inspirierten Charms mit Herzen, Straßenlaternen und Zeitungen, während Retro-Sonnenbrillen die finale Accessoire-Schicht bilden.



















