Yohji Yamamoto FW26: Ein Meister bei der Arbeit
Der japanische Meister zeigte eine Reihe moderner Kimonos, die zugleich ehrfürchtig und rebellisch wirkten.
Der legendäre japanische Designer Yohji Yamamoto eroberte gestern Abend das Hôtel de Ville und verwandelte das historische Haus mit einer Laufstegshow, die traditionelle japanische Kleidung durch seine unverwechselbare Drapierung neu dachte. Auf jedem Platz lagen Karten, die die Gäste dezent dazu einluden, die Show mit den Augen statt durch das Handy zu erleben – eine subtile, aber kraftvolle Geste des 82-jährigen Meisters. Ganz seinem Ruf entsprechend leistete sich Yamamoto mit seiner Kollektion für Fall/Winter 2026 keinen einzigen Fehlton.
Die Kollektion entfaltete sich in befreiten Silhouetten, die mühelos mit dem Körper flossen, und präsentierte eine Reihe zeitgenössischer Kimonos, die zugleich ehrfürchtig und rebellisch wirkten. Geknotete Stoffe bündelten sich seitlich am Körper, während aus akribisch konstruierten Roben immer wieder kontrastierende Textilien aufblitzten. Jeder Look begann mit Yamamotos charakteristischer schwarzer Basis, durchbrochen von leuchtenden Prints von Katsushika Hokusai, die Farbakzente setzten und Geschichten erzählten.
Von künstlerischen Flamingo-Motiven bis hin zu psychedelischen Streifen spielten die Stücke mit übereinandergelegten Jacquard-Strukturen und feinen Karos, die die Silhouetten in neues Terrain führten. Das Ergebnis wirkte wie schwebend zwischen Vergangenheit und Zukunft – ein leiser Dialog zwischen Tradition und Experiment.
Im Finale traten fünf Models auf, ganz in Tradition getaucht, in strengen Strickteilen, kombiniert mit hölzernen Geta-Sandalen, die man außerhalb zeremonieller Anlässe kaum zu sehen bekommt. Hoch aufgetürmte Frisuren und zarte Lagen prägten die letzten Momente, als Yamamoto sich vor einem tosenden Publikum verbeugte – das sich, ganz folgerichtig, vor dem Meister zurückverbeugte.
Einen näheren Blick auf Yohji Yamamoto FW26 gibt es in der Galerie oben.



















