Eythos und die neue Ära nachhaltiger Kunstlogistik
Hypebeast spricht mit Rudy Bottin, Head of Sustainability, darüber, wie Eythos dem Ruf der Kunstwelt nach emissionsintensiver Logistik den Kampf ansagt.
Das Spektakel einer global agierenden Kunstmesse verdeckt nur allzu oft die vielen ökologischen Folgen. Von massiven Holzkisten bis hin zu kohlenstoffintensiven Frachtflugzeugen, die unschätzbare Werke um den Globus bewegen – der „High-Emission“-Ruf der Kunstlogistik ist seit Langem das offene Geheimnis der Branche. Und hier kommt Eythos.
Mit einem Wirkungskreis von Hongkong bis Seoul bedeutet Kunstlogistik für Eythos weit mehr, als nur Meisterwerke zu bewegen. Das Ziel ist, das Fundament des kulturellen Austauschs neu zu denken – angeführt von Rudy Bottin, Head of Sustainability. Seine Arbeit beruht auf der Überzeugung, dass Kunst nur dann wirklich zeitlos ist, wenn auch ihre Reise nachhaltig verläuft. Bottin und sein Team haben einen Ansatz der „Slow Logistics“ etabliert: „Je größer und/oder schwerer eine Sendung ist, desto größer ist die Einsparung mit Seefracht.“ Er führt aus: „Eythos hat für nahezu alle Lieferungen nach Hongkong Seefracht genutzt. Dieser ‚Slow-Logistics‘-Ansatz führte zu einer Reduktion der CO₂-Emissionen pro Sendung um 98 %, da die Klimaauswirkung von Seefracht bei gleichem Volumen etwa 60‑mal geringer ist als die von Luftfracht.“
Dank der „Slow Logistics“-Initiativen von Eythos schlägt auch High-Integrity-Storage ein neues Kapitel auf. Hypebeast hat sich mit Bottin zusammengesetzt, um über ihre jüngste Ernennung zum offiziellen Shipping-Partner von ART SG, die Restaurierung einer Vintage-Rikscha und darüber zu sprechen, warum die Zukunft der Kunstwelt von radikaler Transparenz abhängt.
Mit Ihrer Ernennung zum offiziellen Shipping-Partner der ART SG in Singapur: Wie stellt Eythos den „High-Emission“-Ruf der internationalen Kunstmesse-Logistik durch nachhaltigere Transport- und Konsolidierungsstrategien infrage?
Kunst wird immer um die Welt reisen – doch bei Eythos sehen wir es als unsere Aufgabe, die CO₂-Emissionen zu minimieren, indem wir die nachhaltigsten Routen für kulturellen Austausch finden.
In der Fine-Art-Logistik wiegt die Verpackung häufig mehr als das Kunstwerk selbst. Deshalb setzen wir alles daran, mehrere Werke sicher in einer einzigen Kiste zu verstauen, um „leere Luft zu verschicken“ zu vermeiden und das Gewichtsverhältnis Kunstwerk/Verpackung zu optimieren. Einwegkunststoffe waren bei Eythos schon immer tabu – stattdessen setzen wir auf über 80 % recycelte Kartonagen, recycelte Schaumstoffe und papierbasierte Klebebänder, damit unsere Kisten ebenso umweltfreundlich wie sicher sind. Für große, schwere Werke ist Seefracht die ökologisch sinnvollste Option.
Bei leichteren Sendungen allerdings verringert sich die Emissionsdifferenz. Wenn Lufttransport unvermeidbar ist, bietet Sustainable Aviation Fuel (SAF) eine Lösung. Aus Quellen wie gebrauchten Speiseölen gewonnen, kann SAF die Emissionen um bis zu 80 % senken. Eythos befindet sich derzeit in Gesprächen mit SAF-Anbietern, um „Book & Claim“-Modelle umzusetzen – mit dem Ziel, die Geschwindigkeit von Lufttransport mit einem CO₂-Fußabdruck zu verbinden, der mit Seefracht vergleichbar ist.
Gibt es weitere Maßnahmen, die Sie ergreifen, um die Umweltbelastung der komplexen Logistik und der dafür nötigen internationalen Transporte zu verringern?
Um Abfall durch Einwegmaterialien zu vermeiden, stellte das Team von Eythos sicher, dass keine der Holzkisten entsorgt wurde. Stattdessen wurden sie während der Messe eingelagert und für Rücksendungen oder für die Lieferung von Möbeln an neue Kund:innen genutzt, die während der Messe Stücke erworben hatten. So entfällt die Nachfrage nach neuen Rohstoffen – und hochwertiges Holz landet nicht auf der Deponie.
Ihr Inhouse-Fabrication-Team restauriert derzeit eine Rikscha für eine öffentliche Präsentation. Wie fügt sich dieser Fokus auf traditionelle Handwerkskunst und Restaurierung in das übergeordnete Nachhaltigkeitsziel ein, Lebenszyklen von Objekten zu verlängern, statt neue, kurzlebige Ausstellungsmaterialien zu produzieren?
Indem wir uns dafür entscheiden, eine Rikscha zu restaurieren – ein in Frankreich geschaffenes Objekt, das überwiegend in Asien genutzt wird –, feiern wir diese starke kulturelle Brücke und verlängern zugleich den Lebenszyklus eines bestehenden Artefakts, statt neue, kurzlebige Aufbauten zu beauftragen. Das steht im Einklang mit unserem Ziel, den Bedarf an neuen Rohstoffen zu eliminieren. Durch die Nutzung des Atelier de Fabrication direkt in den Einrichtungen von Eythos vermeiden wir zudem die Emissionen und Schadensrisiken, die beim Transport von Kunstwerken zwischen externen Spezialist:innen entstehen würden.
Wir verwenden im Schreinerbereich der Eythos-Facility in Hongkong lokal bezogene, wasserbasierte Lacke mit niedrigem VOC-Gehalt. So rückt der Restaurierungsprozess das Savoir-faire von Eythos in den Fokus – und schützt zugleich die Umwelt wie auch die Gesundheit unserer Handwerker.
Eythos betont nachhaltige Praktiken als zentrale Säule seines integrierten Serviceangebots. Wie setzen Ihre Einrichtungen in Hongkong und Seoul energieeffiziente Klimatechnik oder Green Technology ein, um den CO₂-Fußabdruck einer langfristigen Kunstlagerung zu senken?
Tatsächlich ist Nachhaltigkeit eine der zentralen Säulen von Eythos. Unsere Einrichtungen in Hongkong und Seoul sind so konzipiert, dass sie dieses Engagement widerspiegeln: Alle Services werden unter einem Dach gebündelt, um Transporte – und damit CO₂-Fußabdruck und Risiken – zu minimieren; hinzu kommen HVAC-Technologie der neuesten Generation, 100 % LED-Beleuchtung in Kombination mit Bewegungssensoren sowie energieeffiziente Klimasteuerung. Beide Standorte befinden sich in zertifizierten Green Buildings (Seoul ist LEED Gold, Hongkong ist BEAM Plus Platinum, LEED Silver und WELL), sodass unsere Lagerräume höchsten internationalen Standards in puncto Energieeffizienz entsprechen. Um den CO₂-Fußabdruck langfristiger Lagerung deutlich zu senken, arbeiten wir im Einklang mit den RE100-Guidelines.
In Hongkong erwerben wir Renewable Energy Credits innerhalb der jeweiligen Marktgrenzen, während unsere südkoreanischen Aktivitäten im K‑RE100-Programm registriert sind. Zudem messen und dokumentieren wir die Emissionen sämtlicher täglicher Abläufe. Diese werden durch hochwertige Emissionszertifikate kompensiert, die entweder nach Gold Standard zertifiziert oder CORSIA-eligible sind – so bleibt Eythos klimaneutral.
Wie sollte oder könnte die Kunstwelt aus Sicht von Eythos darüber hinaus insgesamt zu mehr Nachhaltigkeit beitragen?
Eythos ist überzeugt, dass die Fine-Art-Welt – und hier insbesondere der Logistiksektor – sich hin zu einem stärker standardisierten und transparenten Ökosystem entwickeln muss. Aus unserer Sicht sollten sich alle Marktteilnehmer an anerkannten internationalen Guidelines orientieren, etwa der Gallery Climate Coalition (GCC) oder EcoVadis. Sie schaffen eine gemeinsame Sprache für Fortschritt und ermöglichen präzise Vergleiche der Umweltwirkungen zwischen allen Playern. Transparenz ist das Fundament dieses Wandels. Dienstleister müssen ihren Kund:innen umfassende Daten zu den CO₂-Emissionen bereitstellen, die mit Verpackungs- und Versandentscheidungen einhergehen – und so Sammler:innen und Galerien befähigen, informierte, datenbasierte Entscheidungen zu treffen.
Über die Logistik hinaus können auch Kunstmessen eine zentrale Rolle spielen, indem sie strengere Recycling-Protokolle vor Ort implementieren. Wenn Veranstaltungen die Reduktion von Einwegmaterialien – insbesondere Kunststoffen – verbindlich vorschreiben, stellen sie sicher, dass die Euphorie eines globalen Events nicht in unnötigem Deponiemüll endet. Letztlich gilt: Würde jede Akteur:in in der Kunstbranche ihre Nachhaltigkeit auch nur um den kleinsten Prozentsatz verbessern, wäre die gemeinsame Wirkung ein monumentaler Erfolg für unseren Planeten.



















