Das Inverted House von TIMM: Wenn Architektur selbst zur Grundstücksgrenze wird
Gestaffelte Baukörper formen schützende Grenzen und sorgen zugleich für natürliche Belüftung.
Zusammenfassung
- Das Inverted House von TIMM in Tbilisi kehrt die traditionelle Hierarchie eines Wohnhauses um: Die Wohnbereiche liegen oben, die privaten Räume unten – so rücken die spektakulären Ausblicke auf die Stadt in den Fokus.
- Der 1.010 Quadratmeter große Betonbau verfügt über ein zentrales Atrium und Innenhöfe, die Tageslicht tief in das Haus holen.
Eingebettet in den historischen und eklektischen Kontext von Tbilisi, Georgia, ist das Inverted House ein außergewöhnliches Wohnprojekt, entworfen vom Architekturbüro TIMM. Seinen Namen verdankt das Projekt seiner radikalen räumlichen Logik, die die klassische Hierarchie eines Wohnhauses auf den Kopf stellt, um auf die steile Topografie und die dichte urbane Umgebung zu reagieren. Indem die Hauptwohnräume in die oberen Ebenen verlegt und die privateren, kleinteiligeren Bereiche darunter angeordnet werden, gelingt es den Architekt:innen, weite Blicke auf die Skyline der Stadt einzufangen und zugleich eine Atmosphäre von Rückzug und Abgeschirmtheit gegenüber dem Straßenniveau zu wahren.
Das 1.010 Quadratmeter große Einfamilienhaus setzt sich aus geschichteten Volumen zusammen, die das übliche Verhältnis von Haus und Zaun umkehren. Indem der Baukörper selbst zur Begrenzung wird, schafft TIMM einen zentralen Hof und nach innen orientierte Räume, die Intimität fördern und dennoch weite Ausblicke ermöglichen. Der Entwurf spielt mit Rhythmus und Wiederholung, mit präzise versetzten Geometrien, die gleichermaßen Geborgenheit und Offenheit erzeugen. Diese Logik der Inversion lässt das Haus „atmen“, indem sie Licht und Luft bis in den Kern hineinführt.
Im Inneren organisiert sich das Haus um ein lichtdurchflutetes, vertikales Atrium, das als „Kreislaufzentrum“ des Gebäudes fungiert. Diese Leere lässt Tageslicht tief in die unteren, in den Hang eingeschnittenen Ebenen eindringen, sodass selbst die am stärksten im Erdreich liegenden Räume luftig wirken und eine klare Verbindung nach außen behalten. Die Materialpalette bleibt bewusst reduziert: Sichtbeton, natürliches Holz und schwarze Stahlelemente definieren den Look. Die rohe, industrielle Ästhetik wird durch das Spiel des Lichts und die integrierten Innenhöfe aufgeweicht, die intime, begrünte Rückzugsorte innerhalb des strengen geometrischen Rahmens schaffen.
Über seine markante Form hinaus ist das Inverted House eine Studie darüber, wie zeitgenössische Architektur mit dem komplexen Terrain von Tbilisi in Dialog treten kann. Der Entwurf nutzt das Gefälle des Grundstücks, um gestufte Terrassen und Dachgärten zu schaffen – und verdoppelt so effektiv die nutzbare Außenfläche. Durch die Verbindung struktureller Innovation mit einem feinen Gespür für Licht und Schatten hat TIMM ein Zuhause geschaffen, das zugleich urbanes Statement und stiller Zufluchtsort ist.



















