Marc Marquez über seinen MotoGP-Comeback-Titel und das Bruder-Duell 2026
Exklusiv bei Hypebeast spricht der amtierende Champion über seine Rückkehr nach der Verletzung, die neue Ducati Desmosedici und das Duell mit seinem Bruder.
Marc Marquezgeht als amtierender Champion in die MotoGP-Saison 2026, nachdem er sich 2025 mit dem Ducati Lenovo Team seinen siebten Titel gesichert hat – den ersten seit sechs Jahren. Beim Launch-Event zur neuen Saison in Kuala Lumpur sprach der Starpilot mit Hypebeast ganz offen über den körperlichen Tribut seines Comebacks und die mentale Stärke, die es brauchte, um nach einer „Albtraum“-Phase voller Operationen und Reha von 2020 bis 2023 wieder an die Spitze zurückzukehren.
Trotz des Triumphs gibt Marquez zu, dass er nach einer Verletzung an der rechten Schulter Ende letzten Jahres körperlich noch nicht wieder bei 100 Prozent ist. Er betont, dass er sich in den „letzten Schritten“ der Rehabilitation befindet und bereits wieder auf dem Bike sitzt, um sich auf den Saisonauftakt vorzubereiten. Was das Material betrifft, hebt Marquez hervor, dass die Ducati Desmosedici 2026 eher ein „kleines Upgrade“ als eine radikale Revolution darstellt – bedingt durch das Motoren-Freeze-Reglement im Vorfeld der großen Regeländerungen 2027.
Im Gespräch wird auch die besondere Dynamik zu seinem Bruder Alex Marquez deutlich, der die Meisterschaft im vergangenen Jahr als Zweiter beendete. Marc bezeichnet Alex als seinen „Rivalen Nummer eins“ für 2026 und erklärt, dass sie zwar zusammen leben und trainieren, die Konkurrenz auf der Strecke aber gnadenlos bleibt. „Wenn er dich schlägt, werde ich versuchen, meine Farben zu verteidigen“, sagt Marquez und räumt ein, dass sich mit 30 und 33 Jahren die Rollen verändert haben. Auf der Jagd nach einem weiteren Titel betont er, dass seine Leidenschaft unverändert ist – sein Umgang mit Risiko sich jedoch gewandelt hat: Statt einer kompromisslosen „All-in“-Mentalität vertraut er heute stärker auf Erfahrung und Instinkt.
Marc Marquez will seinen Titel verteidigen, wenn die MotoGP-Saison 2026 später in diesem Jahr startet. Das exklusive Gespräch mit Hypebeast liest du im Folgenden.
Hypebeast: Du gehst als amtierender Champion in diese Saison, nachdem du dir den siebten MotoGP-Titel – den ersten seit sechs Jahren – gesichert hast. Wie ist deine mentale Verfassung vor dem Start in das neue Jahr?
Marc Marquez:2025 war eine unglaubliche Saison, vor allem, weil ich aus einem Albtraum kam – vier verschiedene Operationen am rechten Arm … Doppelbilder, Verletzungen, und dann dieser lange Weg zurück. Von 2020 bis 2023 war es wirklich ein Albtraum. 2024 war so etwas wie ein Übergangsjahr. Und als ich dann zum Ducati Lenovo Team gewechselt bin, hatte ich die beste Chance, wieder um die Meisterschaft zu kämpfen. Wir haben es geschafft.
Kaum hatten wir den Titel, stürzte ich leider in der Woche darauf wieder und verletzte mir erneut die rechte Schulter. Es war ein langer Winter, und jetzt sind wir mitten in einer weiteren Reha-Phase. Es stimmt, wir sind schon in den letzten Schritten, weil ich bereits wieder auf dem Bike sitze und versuche, mich auf 2026 vorzubereiten, um erneut um die Meisterschaft zu kämpfen.
Nach deiner Schulterverletzung Ende letzten Jahres: Fühlst du dich wieder bei 100 Prozent, oder passt du deinen Fahrstil noch an, um die körperliche Belastung zu managen?
Im Moment kann ich dir das nicht sagen, auch wenn ich gerne sagen würde: „Ja, ich bin bei 100 Prozent, bereit loszulegen.“ Ich habe das Gefühl, dass uns da noch ein paar Schritte fehlen. Aber wir haben noch Zeit. Schauen wir, ob wir uns gut erholen können und die Saison auf die bestmögliche Art starten.
Du hast einmal gesagt: „Ein schnelles Bike ist ein schönes Bike“ – was ist die größte Verbesserung, die du bei der neuen Desmosedici während der Sepang-Tests im Vergleich zum Vorjahresmodell gespürt hast?
Klar. Wir sind im Wettbewerb. Wettbewerb bedeutet, dass du jedes Jahr und jeden Monat alles überprüfen und sowohl die technische als auch die menschliche, also die fahrerische Seite weiterentwickeln musst. Wir suchen also ständig nach Neuem, und technisch gesehen ist normalerweise der Sprung von einer Saison zur nächsten der Moment, in dem wir Updates einführen. Es stimmt, dass die Änderungen von 25 auf 26 nicht groß sind, weil das Reglement besagt, dass du den Motor nicht verändern darfst. Denn 2027 kommen große Regeländerungen, und das wird für alle Teams eine enorme Investition. Deshalb ist es in dieser Saison eher ein kleines Upgrade auf Basis der Strategie von 2025. Aber wir haben hier in Malaysia das 2026er-Bike drei Tage lang getestet – und es macht einen sehr guten Eindruck.
Du hast gesagt, dass dein Bruder Alex 2026 dein „Rivale Nummer eins“ ist. Wie balancierst du eure brüderliche Bindung abseits der Strecke mit dem Wettbewerbsgeist – gerade jetzt, wo ihr beide auf Ducati unterwegs seid?
Für uns beide ist es etwas ganz Besonderes, die Rennstrecke, den Wettbewerb, die Podien mit dem eigenen Bruder zu teilen. Wir sind früher schon in derselben Kategorie gefahren, aber letztes Jahr war das erste Mal, dass wir viele Podien, viele Sprintrennen gemeinsam erlebt haben – und am Ende wurden wir tatsächlich Erster und Zweiter in der Meisterschaft. In diesem Jahr wird er einer meiner größten Gegner sein, aber am Ende ist er eben auch mein Bruder – und wir leben aktuell zusammen.
Er wird bald in sein eigenes Haus ziehen, er ist jetzt 30 Jahre alt und hat es sich verdient. Aber im Moment trainieren und leben wir zusammen, versuchen, uns gegenseitig zu helfen – und das ist der beste Weg, um immer besser zu werden. Am Ende weiß ich, dass er einer der Hauptgegner sein wird, aber es ist eben dein Bruder. Wenn er dich schlägt, werde ich versuchen, meine Farben zu verteidigen – die roten Farben. Aber er fährt ebenfalls das offizielle Ducati-2026-Bike in einem anderen Team, also wird er schnell sein.
Ihr habt als Brüder gemeinsam Geschichte in diesem Sport geschrieben. Wart ihr schon immer so wettbewerbsorientiert? Wie war es, als ihr jünger wart und in den Sport hineingekommen seid?
Dadurch, dass ich der ältere Bruder bin, drei Jahre älter, war das für meinen Bruder immer wie ein zusätzlicher Ansporn. Diese drei Jahre sind jetzt, mit 30 und 33, kein großer Unterschied mehr, aber als wir 12 und 15 waren, hast du das stark gemerkt. Wir haben dieselben Trainingspläne gemacht, dieselben Dinge – und ich glaube, das hat seinen Zugang zu den Rennen sehr geprägt.
Er stand immer ein bisschen in meinem Schatten, als „der Bruder von Marc“. Aber am Ende ist er spanischer Meister. Dann hat er die Moto3-Weltmeisterschaft gewonnen, die Moto2-Weltmeisterschaft – und in der MotoGP ist er letztes Jahr Zweiter geworden. Also ist er längst nicht mehr nur „der Bruder von“. Er hat das auf eine beeindruckende Art geschafft, denn es ist nicht leicht. Jeder Fahrer hat sein Ego, und er ist Alex – mit einer extrem starken mentalen Seite. Davon habe ich viel von ihm gelernt.
Nach neun WM-Titeln: Spürst du den Druck, unbedingt den zehnten holen zu müssen?
Wenn du im Wettbewerb bist, willst du gewinnen – das ist unsere Mentalität. Und ja, es ist 2026, wir werden wieder versuchen zu gewinnen. Die schwierigste Herausforderung meiner Karriere war nicht, den ersten, zweiten oder dritten Titel zu holen. Ich wusste gar nicht genau, was da passiert, ich war im siebten Himmel. Ich habe vier Jahre in Folge gewonnen, und dann wurde von einem Tag auf den anderen alles zum Albtraum mit vielen Verletzungen. In dem Rennen, in dem ich mir den Arm verletzt habe, bin ich überragend gefahren, aber ich stürzte – und dann begann dieser Albtraum. Es war körperlich extrem hart, aber auch mental. Also haben wir sehr wichtige Entscheidungen getroffen, um weiterzumachen. Das war das Team meines Lebens, und dann bin ich zu Ducati gewechselt – genau deshalb war alles so schwierig. Es war das Herausforderndste meiner Karriere, zurückzukommen und wieder zu gewinnen. Etwas Neues kommt, wir werden es noch einmal versuchen – und früher oder später werde ich mich leise zurückziehen.
Man kann kaum ausblenden, dass MotoGP ein gefährlicher Sport ist – gleichzeitig liegt genau darin ein großer Reiz. Nach so vielen Saisons: Was bringt dich immer noch zurück? Hat sich das „Warum“ verändert, seit du in diesem Sport angefangen hast?
Die Leidenschaft ist dieselbe geblieben. Aber die Art, wie ich das Risiko einschätze, ist nicht mehr dieselbe. Das heißt jedoch nicht, dass ich keine Risiken mehr eingehe – es bedeutet nur, dass es nicht nötig ist, in jeder Situation alles zu riskieren. Wenn du mich mit 20 oder 22 gekannt hättest: Ich bin immer All-in gegangen – in jedem Rennen, jedem Training … selbst im freien Training war ich voll am Limit, immer mit maximalem Risiko. Dadurch, dass ich mich jetzt verletzt habe und irgendwann kurz davor stand zu entscheiden, wann ich meine Karriere beende, sehe ich die Dinge heute anders.
Am Ende ist das, glaube ich, ein natürlicher Prozess. Es kommen junge Fahrer nach, 20, 21, 22 Jahre alt, und manchmal sehe ich bestimmte Manöver, Überholmanöver oder Kurven und denke: „Was machen die da?“ – aber sie machen es gut. Erfahrung gibt dir dieses Extra an Vertrauen in schwierigen Situationen, erlaubt dir aber auch, etwas loszulassen und den Instinkt übernehmen zu lassen – in Momenten, in denen du auf dem Bike normalerweise nachdenken würdest. Manchmal musst du einfach an dich selbst glauben.



















