Zusammenfassung
Gates hat Pickard China erworben, den letzten verbliebenen US-Hersteller von High-End-Porzellan.
Er plant, die kreative Zukunft des Unternehmens zu gestalten und gleichzeitig seine eigene Keramikarbeit auf den Bereich Porzellan auszuweiten.
Der in Chicago lebende Künstler Theaster Gates hat mit Pickard China die letzte verbliebene Luxus-Porzellanmanufaktur der USA übernommen.
Die 1893 gegründete und in Antioch, Illinois, ansässige Manufaktur Pickard fertigt seit über einem Jahrhundert Porzellan für Kunden, die vom Weißen Haus und US-Botschaften bis hin zu Hotels, Privatclubs und großen Einzelhändlern reichen. In den letzten Jahrzehnten hatte das Unternehmen jedoch mit Produktionsrückgängen und einer in die Jahre gekommenen Fabrik zu kämpfen, die dringend modernisiert werden muss.
Der erste Kontakt zwischen Gates und Pickard entstand, als der Künstler nach einem amerikanischen Produzenten für ein Homeware-Projekt mit Prada suchte. Andy Pickard Morgan, der das Unternehmen seit 2006 in vierter Generation leitet, trat später mit der Idee einer Übernahme an Gates heran. Er selbst bereitete sich auf seinen Ruhestand vor, und innerhalb der Familie fand sich niemand für die Nachfolge.
Die Übernahme wirkt wie eine natürliche Erweiterung von Gates’ vielseitigem Schaffen. Keramik steht schon seit Jahren im Mittelpunkt seiner Kunst. Dabei schöpft er aus japanischen sowie afroamerikanischen Traditionen und lenkt gleichzeitig den Blick auf in Vergessenheit geratene Persönlichkeiten der Keramikgeschichte. Auch jenseits seines Ateliers hat sich Gates einen Namen gemacht: In der South Side von Chicago restauriert er Gebäude und haucht Kulturräumen sowie Archiven neues Leben ein.
Gegenüber NPR äußerte sich Gates zur Zukunft von Pickard und betonte, es sei eine besonders spannende Vorstellung, dass das Unternehmen „die handwerkliche Fertigung wieder in den Vordergrund rückt“.
Gates wird die kreative Leitung von Pickard übernehmen und parallel ein Management-Team aufbauen, das das operative Tagesgeschäft verantwortet. Pickard Morgan wird dem Unternehmen weiterhin in einer Führungsposition erhalten bleiben. Für den Künstler bietet die Fabrik zudem die Möglichkeit, seine eigene Arbeit mit Keramik auf Porzellan auszuweiten – und so seine künstlerische Vision direkt in die Zukunft der traditionsreichen amerikanischen Manufaktur einfließen zu lassen.