Die Kunst der „Masquerade“
Entdecke die tragische Mythologie von „The Phantom of the Opera“ – mit Werken von Marina Abramović, Bob Dylan, Kenny Scharf und vielen mehr.
Hinter einem unscheinbaren Eingang in Midtown Manhattan verbirgt sich ein Opernhaus. Statt mit Tickets erscheinen die Gäste mit einem geheimen Passwort, das erst wenige Stunden zuvor verschickt wird – stilecht gekleidet, irgendwo zwischen Cocktailrobe und Black Tie, strikt in Schwarz, Weiß oder Silber. Ach ja, und mit Maske. Die Türen öffnen sich. Eine in Couture gehüllte Menge zerstreut sich, gibt ihre Handys ab und taucht ein in das Labyrinth karmesinrot gestrichener Hinterräume, die jenseits des Eingangs warten.
Willkommen bei Masquerade, der Phantom of the Opera Erlebniswelt von Komponist Andrew Lloyd Webber. Inszeniert von Diane Paulus, fungiert die Show, die als „erstes immersives Musical der Welt“ angekündigt wird, als eine Art Phantom-Prequel und taucht das Publikum tief in die Legende seines „OG“ („Opera Ghost“) von Antihelden ein.
Der Abend entfaltet sich über fünf Etagen des ehemaligen Künstlerbedarfs, und ähnlich wie Punchdrunks inzwischen geschlossene Sleep No More, gleicht das Ganze eher einer multisensorischen Traumlandschaft als einem klassischen Musical. Die Handlung ist allgegenwärtig, und kein Erlebnis gleicht dem anderen – selbst nicht am selben Abend. Die Gäste betrachten die Geschichte nicht nur, sie bewohnen sie und bewegen sich dabei buchstäblich durch ihr Kunstuniversum.
Wer sich ein Bild von diesem musikalischen Misanthropen machen will, muss ihn als kompromisslosen Ästheten begreifen. Masquerade-Creative Director Shai Baitel hat eine eindrucksvolle Auswahl zeitgenössischer Arbeiten zusammengetragen, um Eriks – des Phantoms – tragische Vorgeschichte und vor allem seinen erlesenen Geschmack erfahrbar zu machen. Mit Werken von Marina Abramović, Barry X Ball, Bob Dylan, Adam Pendleton und vielen weiteren steigern die Exponate im Raum die opulente Wirkung des Interieurs und gewähren zugleich Einblicke in zentrale Facetten seiner Psyche.
Noch bevor man den Veranstaltungsort überhaupt betritt, werden die Gäste von einem dreifarbigen Cluster aus Kenny Sharfes monströsen Graffiti-Gesichtern empfangen, der die Tonlage für das Kommende vorgibt. Im Inneren spiegeln ein Paar der verschleierten Marmor-Skulpturen „Purity“ von Barry X Ball und Adam Pendletons schwarz-goldenes Balaklava-Gemälde das zersplitterte Selbstbild eines Lebens im Verborgenen. Anderswo kanalisieren Abramovićs quarzdurchbohrter „Communicator“ und Jakob Grosse-Ophoffs hölzerner Forever-Headbanger Schmerz und Durchhaltevermögen durch körperliche Qual.
Für langjährige Phantom-Fans schlagen andere Werke deutlichere Brücken zur Originalproduktion: Ein neu in Auftrag gegebenes Porträt von Yigal Ozeri zeigt ein schwer fassbares Phantom, umhüllt von Umhang und Maske. Z. Behl steuert eine monumentale Elefantenskulptur in opulenter, rot-goldener Regalia bei – ein augenzwinkernder Verweis auf das ikonische Tier aus dem Song „Hannibal Rehearsal“. Unterdessen ruft ein eisernes Tor von Bob Dylan das gotische, unterirdische Versteck des Phantoms in Erinnerung.
Aufmerksame Augen werden von Rosen belohnt, einem zentralen Phantom-Motiv, das sich durch die gesamte Show zieht – am eindrucksvollsten in Paul Cummins Rooftop-Installationen aus 1.000 künstlichen Blüten. Auch in den Arbeiten von Ophoff und Dylan taucht sie auf und verkörpert das beklemmende Geflecht aus Schönheit und Schmerz, Hingabe und Verlust, das im Zentrum der Geschichte steht.
Ob du wegen des Neuheitskicks oder der Nostalgie kommst, Masquerade bedient den Zeitgeist mit etwas für wirklich jeden Geschmack. Mit Gesichtern aus der Originalbesetzung, Fashion, die von einem langjährigen Lady-Gaga-Kollaborateur abgesegnet ist, und einer Kuratierung durch Baitel, den Artistic Director des Modern Art Museum in Shanghai, verspricht die Inszenierung eine opulente Nacht zwischen Spiel und Performance – vorausgesetzt, du lässt dich wirklich darauf ein.
Sichere dir deine Tickets für Masquerade am besten noch heute, bevor die Show am 29. März ihre Pforten schließt.


















