Die Konsolenkriege endeten 2025 – doch PlayStations Sieg war 30 Jahre in Vorbereitung
Drei Jahrzehnte kulturelle Relevanz, aktuelle Verkaufsdominanz und eine zukunftssichere Hardware-Strategie rund um die PS5 Pro haben PlayStation den entscheidenden Vorsprung verschafft.
Eines steht fest: In der Gaming-Welt wird 2025 als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem der dreißigjährige Konsolenkrieg faktisch endete – mit PlayStation als klarem, messbar dominierendem Sieger.
Sonys neuester Geschäftsbericht zeigt, dass sich die PlayStation 5 weltweit 84,1 Millionen Mal verkauft hat und bis Ende des Kalenderjahres voraussichtlich die Marke von 90 Millionen knacken wird – fast das Dreifache der Xbox-Verkäufe von Microsoft. Laut Daten der Strategie- und Zukunftsanalysefirma Quantumrun. In einem jüngsten Earnings Call erklärte Sony-Group-CFO Lin Tao, die PS5 sei „erst in der Mitte ihrer Reise“ und ihr Lebenszyklus werde „immer länger“ – ein deutlicher Kurswechsel gegenüber der Aussage des Unternehmens vor nur zwei Jahren, die Konsole befinde sich bereits „in ihren letzten Zügen“.
Wie sind wir also hier gelandet? Fangen wir mit der PlayStation 5 Pro.
Als sie vor gut einem Jahr auf den Markt kam, spaltete Sonys Flaggschiff-Konsole die Meinungen: Für einige Fans war sie zu teuer, andere fanden, das Spieleangebot rechtfertige die Hardware noch nicht – während ein eingeschworener Kern sie begeistert begrüßte und sich an ihrer brachialen Power und ihrem Potenzial berauschte.
Die PS5 Pro brachte Sonys eigene „PlayStation Spectral Super Resolution“ (PSSR) mit, einen KI-basierten Upscaling-Algorithmus, der den berühmten Kompromiss praktisch abschaffte – Konsolenspieler:innen mussten nicht länger zwischen Grafiktreue und Performance wählen. Zudem kam sie mit fortschrittlichem Raytracing, das die bislang realistischste Beleuchtung, Reflexionen und Schatten auf einer Konsole lieferte, grafische Elemente bis zu dreimal schneller rendert als die ursprüngliche PS5 und gleichzeitig Bildraten von bis zu 120 fps unterstützt. Möglich wurde das durch eine Zusammenarbeit mit dem Chip-Giganten AMD. Zum Launch der PS5 Pro im November 2024 verriet PlayStations Chefarchitekt Mark Cerny, dass der maßgeschneiderte Chip der Konsole auf AMDs damals noch unveröffentlichter RDNA-4-Architektur basiert. Im Kern nutzte Sony die PS5 Pro also, um High-End-PC-Technologie zu debütieren, die offiziell noch gar nicht erhältlich war – und machte sein Ökosystem mit einer Power zukunftssicher, wie es sie auf einer Heimkonsole noch nie gegeben hatte.
Mit etwas Abstand und dem Blick auf das, was 2026 ansteht, ist klar: Sony hat von Anfang an auf die lange Distanz gesetzt. 2026 zeichnet sich als großes Gaming-Jahr ab, mit Blockbustern wie GTA 6 und Wolverine – doch Stand jetzt fährt die PS5 Pro in ihrer ganz eigenen Spur.
Entwickler:innen loten die Grenzen der aktuellen Hardware weiter gnadenlos aus. Spiele wie „Monster Hunter Wilds“ (erschienen im Februar 2025) sind bereits so anspruchsvoll, dass sowohl die ursprüngliche PS5 als auch die Xbox Series X bei hohen Grafikeinstellungen Mühe haben, konstant hohe Bildraten zu halten – und Nutzer:innen damit zurück zum „C-Wort“ (Kompromiss) zwingen. Taos Aussage, die PlayStation 5 sei erst in der Mitte ihres Lebenszyklus, lässt vermuten, dass wir vor 2030 womöglich gar keine PlayStation 6 sehen. Wenn Games im Jahr 2025 die Konsolen schon jetzt ans Limit bringen, kann man also durchaus sagen: Besitzer:innen einer PS5 Pro haben eine ziemlich sichere Investition getätigt.
Außerdem war 2025 auch das Jahr, in dem Sony einige der größten First-Party-Titel von Microsoft in sein Ökosystem holte, darunter „Indiana Jones and the Great Circle“ und „Forza Horizon 5“ – Spiele, die zuvor exklusiv auf Xbox liefen. Plattform-Exklusivität ist längst nicht mehr so starr wie früher – so hat Sony etwa Titel wie „Helldivers 2“ auf die Xbox portiert, und viele seiner größten Franchises wie The Last of Us, Ghost of Tsushima und Spider-Man sind auf dem PC verfügbar. Aber die Tatsache, dass die PS5 Pro 45 Prozent schnelleres Grafik-Rendering, besseres KI-Upscaling bis zu 8K und 16,7 TFLOPs – also fast 40 Prozent mehr GPU-Leistung – liefert, wirft eine spannende Frage auf: Laufen Xbox-Spiele am Ende besser auf einer PlayStation?
Sonys Triumph kam nicht über Nacht. Er entstand nicht einmal im Laufe des vergangenen Jahres. Es ist ein Sieg, der 30 Jahre lang vorbereitet wurde – das Ergebnis von drei Jahrzehnten, in denen PlayStations Einfluss auf Gaming und Popkultur kaum zu überschätzen ist.
Als der Konsolenkrieg Ende der 1980er-Jahre begann, war Sony noch nicht einmal im Rennen. Während Nintendo und Sega sich in einem Duell um die Vorherrschaft prügelten, arbeiteten Nintendo und Sony heimlich an einer Hybridkonsole, die die SNES-Cartridges der einen mit der neuen „Super Disc“-Technologie der anderen verbinden sollte. Das Projekt – bald nur noch „Nintendo PlayStation“ genannt – wurde schließlich auf Eis gelegt, als das Verhältnis der Konzerne kippte, erwies sich aber als Auslöser für Sonys spätere Dominanz.
Erst 1995, als Sonys PlayStation 1 Europa und die USA erreichte, erlebte der Konsolenkrieg seinen „Here Comes A New Challenger“-Moment. Mit der Ankunft der PS1 begann nicht nur eine neue Ära des modernen Gamings – in der Sprites gegen Polygone, getauscht wurden und 3D-Grafik plötzlich auf dem heimischen Fernseher möglich war – sie öffnete auch ein völlig neues Kapitel der Werbung für die Gaming-Branche.
Und von Anfang an war klar: Hier kämpft niemand mit Samthandschuhen. Sonys Marketing wirkte getrieben von einer anarchischen Energie, die das brave Image, das Sega und Nintendo sorgfältig aufgebaut hatten, gezielt attackierte – und ihnen Stück für Stück die Community abjagte.
Doch Sony wollte nicht nur bestehende Gamer:innen abwerben – das Unternehmen wollte ganz neue schaffen.
Für das futuristische Rennspiel „WipEout“ engagierte PlayStation die Elektronik-Schwergewichte The Chemical Brothers für den Soundtrack und kooperierte im Rahmen der PS1-Promo mit Clubs, um Chill-out-Räume, in denen Raver:innen entspannen und zocken konnten – zwei der frühesten Anzeichen von Sonys aufkommender Signature-Strategie, die bislang getrennte Welten miteinander verschmolz.
1999 veröffentlichte PlayStation den Spot „Mental Wealth“ mit der sofort ikonischen „Alien Girl“, einem 40-Sekunden-Commercial, der Sonys radikal neuen Blick auf Gaming definierte. Der avantgardistische Spot war Teil einer Reihe subversiver Kampagnen des japanischen Tech-Giganten und markierte einen kulturellen Wendepunkt in der globalen Entertainmentindustrie – getragen vom Aufbruch des Internets, dem neuen Wilden Westen. Er avancierte zu einem der einprägsamsten Werbefilme des Jahrzehnts.
Zur Jahrtausendwende bewarb Sony den Start seiner neuen Konsole mit PlayStation-Branded-Kondomen. Der Schritt war zwar zweifellos kontrovers, aber alles andere als ungeschickt: Er sprach einen großen Teil der Zielgruppe direkt und in ihrer eigenen Sprache an – sexfixierte Jugendliche. Junge Erwachsene wurden zu einer rasant wachsenden Gamer-Demografie, angetrieben nicht zuletzt durch Sonys Marketing.
Mit der PlayStation 2 brachte Sony de facto das erste moderne, multifunktionale Home-Entertainment-System der Welt ins Wohnzimmer. Die neue Konsole war abwärtskompatibel, ließ sich in hochwertige Heimkino-Set-ups integrieren und bot USB-Ports, die völlig neue Möglichkeiten für Peripherie eröffneten. Außerdem verfügte sie über ein integriertes DVD-Laufwerk, sodass man auf einem einzigen Gerät zocken und Filme schauen konnte. Wenig überraschend wurde die PS2 zur erfolgreichsten Videospielkonsole aller Zeiten – ein Rekord, den sie bis heute hält.
In den 1990ern und frühen 2000ern zeigte Sony, dass es nicht nur ein Produkt verkaufte – sondern ein Mindset. Die Marke PlayStation hat die Grenze zwischen In-Game und Real Life von Anfang an verwischt, dominante Erzählungen über Gaming infrage gestellt und sich über stylishe Kollaborationen und freche Kampagnen tief in die Popkultur eingeschrieben. Von Collabs mit Balenciaga und Nike x Travis Scott bis hin zur Verwandlung eigener Games in globale TV-Hits wie HBOs The Last of Us: PlayStations heutiger Erfolg lässt sich direkt auf all die Strategien zurückführen, mit denen sich die Marke in den vergangenen drei Jahrzehnten unverwechselbar im kulturellen Gedächtnis verankert hat.



















