Vivienne Westwood x „Nana“: Die Story zweier Punk-Diven

Zur Feier der offiziellen Kollaborationskollektion blicken wir zurück auf die langjährige Liebesgeschichte zwischen dem Kult-Manga und dem Luxuslabel.

Kunst
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„Vivienne Westwood, The Sex Pistols, Seven Stars, Milchkaffee und Erdbeerkuchen. Und Lotosblumen. Nanas Lieblingsdinge ändern sich nie.”

Ai Yazawas heißgeliebte Manga-Serie Nana wird 25, und Vivienne Westwood feiert mit.

Im vergangenen Monat erschien eine besondere Jubiläums-Neuauflage von Band 1, mit einem neuen Cover der Heldinnen Nana Osaki und Nana Komatsu, von Kopf bis Fuß in Westwood gekleidet, und natürlich einem Buchrücken im Tartan-Print, während die komplette Vivienne Westwood x Nana Kollektion, jetzt erhältlich online, holt die Zusammenarbeit von der Seite ins Leben. Mit einer Auswahl an Bekleidung, Accessoires, Schmuck und Schuhen spielt die Kollektion mit den persönlichen Stilcodes der beiden Hauptfiguren – von Komatsus kokettem Flair bis zu Osakis hartem Punk.

Neben neuen Pieces gibt es zeitgenössische Weiterentwicklungen von Archiv-Styles, die im Manga zu sehen waren – etwa Rocking Horse Platforms, die Stormy Jacket aus der Herbst/Winter 1996/97 ‚A Storm In A Teacup‘-Kollektion, die Rückkehr des ikonischen Armour Ring sowie ein Schatz an exklusiven Logo-Pieces. Zu den begehrtesten Items gehört das Nana Giant Orb Lighter, das über die Jahre immer wieder neues Leben eingehaucht bekam; Fans tauften Repliken als „Nana-Merch“.

Die Kollektion schließt den Kreis einer langjährigen Liebesaffäre zwischen den Punk-Diven Osaki und Westwood. Von Anfang an spielte die Marke eine zentrale Rolle bei der Prägung des visuellen Universums der Serie, und die Kollaboration schreibt bereits Geschichte als eines der aufregendsten Crossover zwischen Mode und Fiktion – man denke nur an Jean Paul Gaultiers Sci-Fi-Looks in Luc Bessons The Fifth Element (1997) oder Manolo Blahniks Handschrift in Sofia Coppolas Marie Antoinette (2006). Zu Ehren der offiziellen Vivienne Westwood x Nana Veröffentlichung blicken wir zurück auf die gemeinsame Geschichte zweier subkultureller Titanen, die die Ästhetik der Rebellion neu geprägt haben.

 

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Punk entstand in den USA und im Vereinigten Königreich Mitte der 1970er als ausgestreckter Mittelfinger gegen Autoritäten, das Establishment und die hohlen Versprechen der Konsumkultur, und Westwood zementierte ihr Vermächtnis als eine seiner ersten Provokateurinnen. Bevor sie ihr gleichnamiges Label gründete, entwarf Westwood, tagsüber Lehrerin, gemeinsam mit ihrem damaligen Partner und Bandmanager Malcolm McLaren Kleidung für die Sex Pistols und schuf so eine stilistische Identität, die sowohl die Karriere der Band als auch die Punk-Subkultur insgesamt befeuerte. In London richteten sich alle Blicke auf das Paar für sein „Anti-Fashion als Fashion“-Flair, was sie dazu veranlasste, SEX zu eröffnen – eine winzige King’s-Road-Boutique, die für ihre Lederwaren, Fetischartikel und Bondage-Teile in Erinnerung geblieben ist.

Nach der Trennung von McLaren bekamen Westwoods Entwürfe einen „New Romantic“-Anstrich — am deutlichsten zu erkennen in Nana — angelehnt an die erste Runway-Kollektion des Paars, „Pirate“. Zerrissene Shirts und mit Sicherheitsnadeln gespickte Pieces wichen Spitze, Perlen und schwingenden Röcken. Mit ihrer eigenen Interpretation von Hochkultur — strukturierten Silhouetten, Traditionsstoffen und juwelenreichen Accessoires — setzte die Designerin ihren Weg der sartorialen Rebellion fort, diesmal, indem sie das Establishment von innen heraus herausforderte.

Um ihren ersten internationalen Store zu eröffnen, zog es Westwood nach Japan, und als sie in Tokio ankam, hatten ihre Entwürfe die Modeszene der Stadt bereits fest im Griff. Mit neuem ästhetischem Schwung behielt die dezidiert japanische Lesart des britischen Punk den gegenkulturellen Kern der Bewegung bei und setzte zugleich stärker auf kompromisslose Selbstinszenierung – und Yazawas Magnum Opus fängt diese Dualität perfekt ein.

Für alle, die es nicht kennen, Nana erzählt die Geschichte zweier ungleicher Freundinnen: der aufstrebenden Punk-Sängerin Osaki und Komatsu, einer hoffnungslosen Romantikerin, die ihre eigenen Ambitionen und Wege des Erwachsenwerdens ausloten. „Für mich ließen sich das Zeichnen einer Punkband und das Zeichnen von Viviennes Kleidung nicht trennen“, erklärte Yazawa in einem jüngsten Interview mit dem Haus Westwood.

1967 in Amagasaki, Hyogo, geboren, wuchs Yazawa in einer Ära tektonischer Umbrüche für Kunst und Mode auf – dank internationaler Namen wie Westwood und Japans eigenen „Big Three“, Issey Miyake, Rei Kawakubo und Yohji Yamamoto. Fasziniert von dieser Welt schrieb sie sich an einer Modeschule ein, brach jedoch ab, um in Tokio hauptberuflich als Manga-Zeichnerin zu arbeiten.

Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass Nana als eine der modischsten Serien gefeiert wird – Seiten voller Mode-Deep-Cuts inklusive. „Fast alle Teile stammten aus meiner persönlichen Sammlung“, sagte Yazawa. „Vivienne war immer – und ist es noch – die Schöpferin, die ich am meisten respektiere.“

In Nana dienen Kleidungsstücke als Türen zu den emotionalen Innenwelten ihrer Figuren: Komatsus verspielte Rosa- und Weißtöne spiegeln einen warmen, wenn auch naiven Optimismus, während Osaki Punk im klassischen Sinne verkörpert: ein Mittel, Autonomie gegen die engen Grenzen gesellschaftlicher – insbesondere geschlechtlicher – Normen zu behaupten. Sie macht klar, dass Punk eine Lebensphilosophie ist: auf den eigenen Bedingungen zu leben, selbst wenn diese wehtun – eine Spannung, die ihr Armour Ring am besten einfängt, inzwischen einer der Bestseller der Marke, als Erinnerung daran, dass selbst unsere stärksten Seiten manchmal Schutz brauchen.

Direkt beeinflusst von der Westwood-Erzählung — von Osakis hartem Weg zum selbstgemachten Punk-Star bis zu ihrer turbulenten Romanze, die der von Sid Vicious und Nancy Spungen spiegelt — ist es jenseits des visuellen Vokabulars die Verletzlichkeit und Geschichte, die die Mode von Nana verdient wirken lässt.

Selbst zwei Jahrzehnte später ist es Nanas Geist kreativer Auflehnung und Selbstentfaltung, der neue Generationen von Fans inspiriert – und wie bei der verstorbenen, Tartan-verliebten Designerin selbst liegt seine anhaltende Anziehungskraft in der unbeirrten Suche nach Potenzial, gegen den Lärm. Auch wenn ein offizielles Serienende noch nicht in Sicht ist, belebt die Kollaboration jenen Dialog zwischen Mode und Kunst im Herzen von Yazawas Arbeit neu und mündet, wie sie es beschreibt, in einen „punkigen Liebesbrief, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Nana.

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