Jordan Wolfson, der dafür bekannt ist, Technologie zu unterwandern (und zu pervertieren), kehrt mit einer mit Spannung erwarteten Einzelausstellung in der Chelsea-Galerie von Gagosian nach New York zurück.
Eine Gruppe stacheliger Stahlkonstruktionen säumt den Raum, jede davon beherbergt UV-Drucke von Motiven, die teils angeeignet, teils digital gestaltet sind. Die spiegelpolierte Oberfläche der Skulpturen zieht die Betrachtenden tiefer in die einzelnen Bilder hinein und öffnet zugleich den Raum, während die Spitzen an den Ecken auf seine von Horrorfilmen inspirierten Arbeiten verweisen.
Vergangenen Monat hatte der Künstler die Präsentation gegenüber Artnet als „eine ganz traditionelle Skulpturenausstellung“ angekündigt – doch die Bilder verstören erwartungsgemäß. Neben Fotografien der Freiheitsstatue und der Twin Towers steht ein Paar von Robert Mapplethorpes Blumen, während ein in einen Schal gehüllter Michael Jackson ernst dreinblickt. Auch ein junger, durchtrainierter CGI-Bob Dylan gehört zur Besetzung. Und dann ist da noch „Made In Heaven“, bislang wohl das meistdiskutierte Werk der Ausstellung: eine KI-generierte Neuinterpretation von Jeff Koons’ Serie aus dem Jahr 1989, die aussieht, als stamme sie direkt aus einem Pixar-Film.
„Ich glaube, dass mir die Bilder in der Ausstellung intuitiv deshalb gefielen, weil jedes von ihnen etwas zu verbergen schien – und genau darin lag eine Spannung“, erzählte Wolfson Ottessa Moshfegh in der aktuellen Ausgabe des Gagosian Quarterly.
Ob mit seiner VR-Installation Real Violence aus dem Jahr 2017, in der der Künstler eine andere, wenn auch animatronische Figur brutal zusammenschlug, oder mit seiner nicht weniger umstrittenen KI-gestützten Kampagne für Prada Frühjahr/Sommer 2026: Eine befriedigende Auflösung gehört nicht zu Wolfsons Repertoire. Doch genau diese Verunsicherung scheint beabsichtigt zu sein – und das gilt auch für seine laufende Ausstellung.
„Für mich ist das ein Zeichen für ein gutes Kunstwerk, ein gutes Buch oder einen guten Film – genauso wie Ihre Romane in mir nachwirken, weil es nicht unbedingt Dinge sind, die ich verstehe“, fuhr er fort. „Diese Verwirrung ist tatsächlich sehr produktiv.“
Die Ausstellung ist in New York noch bis zum 24. Oktober zu sehen.
Gagosian
555 W 24th St.
New York, NY 10011