Daniel Arshams jüngste Zen-Garten-Performance könnte den Lieblingswhisky Ihrer Urenkel hervorbringen. In S50 in Seongsu, Seoul, bewegen sich vier Tänzerinnen und Tänzer durch ein kreisrundes Gerstenbeet: Sie fegen, harken und gleiten in meditativen Gesten durch das Kornmeer. Diese Gerste wird zwar wohl nicht in die Mühle gelangen, doch das Erlebnis „Dawn Of Our Spirit“ ist von der traditionellen Whiskyherstellung inspiriert und mündet in seinem letzten Akt in die Enthüllung von The Balvenies 88 Jahre altem Single Malt Scotch.
The Balvenies älteste – und seltenste – Abfüllung, 1931 destilliert und 2019 von Malt Master Kelsey McKechnie in Flaschen gefüllt, eröffnet die neue 1931 Collection. Als die Flasche während der Frieze Seoul vorgestellt werden sollte, beauftragte die Marke Arsham mit einer skulpturalen Hülle und einer begleitenden Performance. Beides verkörpert die über Generationen gewachsene Hingabe an Handwerk, Technik und Tradition – und fügt sich zugleich ganz selbstverständlich in Arshams künstlerische Welt ein.
Die Geschichte hinter der Flasche begann mit Arshams erstem Besuch der Destillerie in Speyside, Schottland, die als Herz des Whiskylands gilt. „Was mich besonders beeindruckt hat, war die handwerkliche Qualität von allem. Es ist technisch, aber zugleich auf eine bestimmte Weise sehr kunsthandwerklich – deshalb habe ich viele der Materialien aufgegriffen, die ich dort gesehen habe“, sagte Arsham im Gespräch mit Hypebeast in The Distiller’s Library im Shilla Hotel. Hinter ihm standen mehrere „experimentelle“ Modelle. „Wir haben beim Design der [Flasche] viele verschiedene Prozesse durchlaufen. Letztlich muss man aber berücksichtigen, wie kostbar diese Flüssigkeit ist.“
Der Whisky selbst ruht in einer mundgeblasenen Kristallkaraffe mit Vergoldungen aus 18-karätigem Gold. Ihr Verschluss besteht aus einer außer Betrieb genommenen Kupferbrennblase, ihr Hals nimmt die Form der „Balvenie Ball“ auf – jene unverwechselbare Brennblasenform, der der Whisky seinen berühmten Honiggeschmack verdankt. Auch die Architektur, die dieses Objekt umgibt, stammt von Arsham. Auf der Vorderseite erinnern acht fließende Schichten aus handpatiniertem Kupfer an Texturen und Farbtöne, die sich im Brennblasenraum finden. Die Rückseite verweist mit 88 fein geschichteten Eichenholzabschnitten auf das europäische Sherry-Eichenfass, in das der Whisky zunächst gefüllt wurde. „Es ist der Whisky auf seiner Reise durch die Zeit“, erklärte er. „Wenn man die Skulptur betrachtet, bewegt er sich durch das Kupfer, ins Holz und schließlich in Ihr Glas.“
1931 wurde nicht nur das Fass des 88 Jahre alten Whiskys verschlossen: Es war auch ein prägendes Jahr für die Marke, die damals ihre eigene Mälztenne eröffnete – sie ist bis heute in Betrieb. In der heutigen Whiskywelt gilt das arbeitsintensive Bodenmälzen als altmodisch. Für The Balvenie bildet es jedoch das Fundament seines traditionsreichen Handwerks und seines zeitlosen Geschmacks.
Vom ersten erdigen Duft der Gerste bis zu Sukyung Yoos Choreografie, die zwischen lyrischen sowie scharfen, intensiven Bewegungen changiert: Wer S50 betritt, reist mit dieser kollaborativen Performance von Seoul nach Speyside. „Es ist nach wie vor ein sehr handwerklicher Prozess“, sagte Arsham, der bei der Performance Regie führte. „Wenn man die Flasche nur im Regal sieht oder zu Hause stehen hat, geht uns manchmal etwas davon verloren. Gemeinsam wollten wir etwas davon in dieses Erlebnis übertragen und diese Geschichte erzählen.“
Handwerk, Material und das Überdauern der Zeit sind zentral für Arshams Praxis – insbesondere für seine von ihm selbst geprägte „fiktive Archäologie“. Die Zusammenarbeit mit The Balvenie war daher eine naheliegende Verbindung. Besonders deutlich hallen darin seine Serien Eroded Classical Sculpture und Zen Garden nach, die Fragen nach Erinnerung und Traditionen erforschen – und danach, wie diese selbst nach Hunderten von Jahren Gestalt annehmen und sich verändern. „Beim Whisky geschieht nichts über Nacht“, sagte McKechnie, die als derzeitige Malt Master einen Bestand von nahezu einem Jahrhundert betreut. „Die Früchte der Arbeit heutiger Handwerkerinnen und Handwerker werden womöglich erst künftige Generationen kosten.“
„Einen 88 Jahre alten Whisky herausbringen zu können, führt allen in der Destillerie vor Augen, dass die harte Arbeit, die wir heute leisten, ein echter Beweis für Ausdauer und Geduld ist. Ich glaube, Daniel versteht das auf wunderbare Weise.“
Der 88 Jahre alte Whisky ist jedoch nicht nur ein Rekord für das Haus, sondern der älteste Whisky, der je veröffentlicht wurde. Als es an die Bekanntgabe ging, war der neue Weltrekord allerdings nur ein Teil der Geschichte. „Bei The Balvenie nehmen wir unser Schicksal stets selbst in die Hand“, sagte McKechnie. „Ich liebe den Gedanken, dass wir etwas tun, das die Landschaft des Scotch Whiskys verändert. Das haben wir schon einmal geschafft. Und ich freue mich auf die Gelegenheit, es wieder zu tun.“
Nach der Premiere in Seoul wird die Performance „Dawn Of Our Spirit“ Station in New York, Shanghai und Taipeh machen. Weitere Informationen zur 1931 Collection finden Sie auf der Website von The Balvenie.