Wie X mit „Under the Hood“ langjährige Shadowban-Gerüchte aufklären will
Aktive Creator können jetzt JSON-Dateien herunterladen, die genau zeigen, ob und wie Labels zur Einschränkung der Sichtbarkeit auf ihr Konto oder einzelne Beiträge angewendet wurden.
Zusammenfassung
X hat seinen Open-Source-Code auf GitHub um das 10- bis 15-Fache erweitert und zentrale Ranking-Mechanismen unter einer Apache-v2-Lizenz veröffentlicht.
Ein neues Einstellungs-Feature ermöglicht aktiven Creator:innen, JSON-Dateien herunterzuladen, die alle sichtbarkeitsbeschränkenden Account-Labels der vergangenen 30 Tage im Detail auflisten.
Mit einem umfangreichen Update seines Open-Source-Ranking-Algorithmus gewährt X tiefe Einblicke in die Mechanismen hinter der Verbreitung von Inhalten. Die Plattform hat die Codebasis erweitert, die den standardmäßigen „Für dich“-Feed steuert, und die Dateien unter der Apache-v2-Lizenz veröffentlicht. Damit ist nun zehn- bis fünfzehnmal so viel Code zugänglich wie bei früheren Transparenzinitiativen. Entwickler:innen und Forschende erhalten Zugriff auf detaillierte Informationen zu Modellkonfigurationen, Filtern und den zentralen Ranking-Systemen. Diese Komponenten bestimmen, welche Parameter verschiedene Signale wie stark gewichten und damit, welche Inhalte auf dem Bildschirm der Nutzer:innen erscheinen.
Zeitgleich mit der Veröffentlichung des Codes hat das Unternehmen ein Transparenz-Tool namens „Under the Hood“ vorgestellt, das langjährige Gerüchte über Shadowbans ausräumen soll. Nutzer:innen, die in einem Kalendermonat mindestens zehn Beiträge veröffentlichen, können in den App-Einstellungen eine JSON-Datei mit aggregierten Statistiken herunterladen. Sie zeigt ausdrücklich, ob im zurückliegenden Kalendermonat Labels zur Einschränkung der Sichtbarkeit auf das Konto oder einzelne Beiträge angewendet wurden. Auch Creator ohne technischen Hintergrund können diese Daten gemeinsam mit dem Code aus dem GitHub-Repository in ein großes Sprachmodell eingeben, um genau nachzuvollziehen, wie die Empfehlungsmaschine ihre Inhalte behandelt.
Keith Coleman, Vice President of Product bei X, erklärte, die Veröffentlichung umfasse die zentrale Ranking-Logik, die Beiträge für die jeweiligen Timelines abruft und einordnet. Externe Forschende haben sie bereits genutzt, um das Phoenix-Bewertungssystem lokal zu trainieren und auszuführen. Die Plattform lädt Entwickler:innen zwar dazu ein, per Pull Request Verbesserungen für den Algorithmus einzureichen, doch bestimmte proprietäre Schutzmechanismen bleiben unter Verschluss. Systeme, die mithilfe von Grok Regelverstöße vorhersagen, sind bewusst ausgenommen, damit böswillige Akteure Moderationsfilter nicht zurückentwickeln und den Feed mit Spam fluten können.
Dieses bislang beispiellose Maß an algorithmischer Transparenz verschiebt das Machtgefüge zwischen Social-Media-Plattformen und ihren Nutzer:innen. Indem X Creator sowohl den zugrunde liegenden Empfehlungscode als auch persönliche Kontodaten zur Verfügung stellt, wird aus einem traditionell undurchsichtigen Tech-Ökosystem ein Umfeld, das sich überprüfen lässt. Das Pilotprogramm für das Transparenz-Tool ist derzeit noch auf etablierte Konten beschränkt, die seit mehr als einem Jahr bestehen, soll aber bald breiter ausgerollt werden. Der Schritt fällt mit der Wiederaufnahme öffentlicher Berichte über monatlich aktive Nutzer:innen zusammen, nachdem die Plattform kürzlich in SpaceX eingegliedert wurde.



















