Toyota setzt auf akustischen „Plastikhammer“-Test bei riesigem V6-Motorrückruf
Ohne aufwendige Motorzerlegung prüfen Toyota-Techniker belastete V6-Biturbo-Motoren mit einer akustischen Stimmgabel-Methode.
Zusammenfassung
Toyota hat eine „V35A Crank Bearing Inspection“ für die zurückgerufenen 3,4-Liter-Twin-Turbo-V6-Motoren eingeführt, bei der die Kurbelwellenriemenscheibe mit einem speziellen Kunststoffhammer angeschlagen wird.
Techniker befestigen dazu einen Beschleunigungssensor, um Resonanzfrequenzen zu messen und auf diese Weise innere Lagerschäden durch Fertigungspartikel zu erkennen, ohne den Motor komplett zerlegen zu müssen.
Toyota-Ingenieure haben eine unkonventionelle, aber hochwissenschaftliche Methode entwickelt, um einen groß angelegten Motorrückruf zu diagnostizieren, der mehr als 100.000 Fahrzeuge betrifft. Mechaniker prüfen die zurückgerufenen 3,4-Liter-V6-Biturbo-Motoren aus aktuellen Tundra-Pick-ups und Lexus-SUVs, indem sie mit einem speziell angefertigten Kunststoffhammer darauf schlagen. Das Verfahren soll einen gravierenden Fertigungsfehler aufspüren: Zurückgebliebene Bearbeitungsrückstände aus der Montage können Bauteile im Motorinneren schädigen. Bleibt diese Verunreinigung unbeachtet, verschleißt sie die Hauptlager und führt schließlich zu einem katastrophalen Motorschaden.
Das Diagnoseverfahren trägt offiziell die Bezeichnung „V35A Crank Bearing Inspection“ und funktioniert nach exakt denselben akustischen Prinzipien wie eine Stimmgabel. Bislang bedeutete es für Werkstattmitarbeiter einen enormen logistischen Aufwand und kostspielige Zerlegearbeiten, allein um den Zustand des Motorinneren zu beurteilen. Vertragshändler können sich diese aufwendige Handarbeit nun sparen. Die Techniker befestigen lediglich einen kleinen Beschleunigungssensor an der Kurbelwellenschraube und schlagen mit einem Spezialhammer auf die vordere Riemenscheibe. Anschließend wertet die Diagnosesoftware die Resonanzfrequenzen aus, die sich durch den Metallblock fortpflanzen, um den Zustand des Hauptlagers Nummer eins zu beurteilen.
Indem der Hersteller diese Strukturschwingungen unter kontrollierten Bedingungen misst, kann er mikroskopisch kleinen ungewöhnlichen Verschleiß erkennen, ohne den Pick-up zerlegen zu müssen. Da jedes Bauteil ab Werk dieselbe Masse und Materialzusammensetzung aufweist, schwingt ein intakter Motorblock mit einer äußerst zuverlässig vorhersehbaren Frequenz. Der Diagnosehammer gibt zudem direkt Rückmeldung darüber, ob die Schlagstärke im zulässigen Bereich liegt. Weicht die akustische Reaktion von der festgelegten Referenz ab, kennzeichnet die Software das Lager als stark beschädigt.
Bei der ersten Welle betroffener Besitzer hatte der japanische Autokonzern die V6-Biturbo-Motoren noch komplett ersetzt. Mit dem nun eingeführten, gezielten Verfahren können Servicezentren die umfangreiche Rückrufaktion deutlich schneller abwickeln und zugleich sicherstellen, dass besonders gefährdete Motoren zuverlässig aussortiert werden. Fahrzeuge, die die akustische Prüfung nicht bestehen, erhalten kostenlos einen kompletten Austauschmotor. Der effizientere Test schützt Fahrer letztlich davor, bei Autobahngeschwindigkeit einen plötzlichen Verlust der Antriebskraft zu erleiden.



















