„The Devil Wears Prada 2“ weiß genau, was er sein muss
Miranda Priestly und die „Runway“-Crew sind zurück – und die Medienbranche sah noch nie so schlecht aus.
Die Welt brauchte nicht unbedingt eine Fortsetzung von The Devil Wears Prada. Das ist keine Kritik, sondern schlicht eine Feststellung: Der Film endete genau dort, wo er enden sollte. Und doch haben Regisseur David Frankel und Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna 20 Jahre später einen erzählerischen Ansatz gefunden, der es tatsächlich rechtfertigt, die Türen von Runway wieder zu öffnen: eine Medienbranche, die unter ihrem eigenen Gewicht kollabiert, und Menschen, die ihre Karriere in der Dämmerung ihrer goldenen Ära aufgebaut haben und sich weigern, sich von ihr still und leise verschlingen zu lassen.
Allein das Setup von The Devil Wears Prada 2 trägt schon erstaunlich viel. Andy Sachs (Anne Hathaway), die preisgekrönte Investigativjournalistin, verliert ihren Job per Textnachricht – die passiv-aggressive, spätkapitalistische Antwort des Universums auf die endgültige Kündigung. Miranda Priestly (Meryl Streep) versucht verzweifelt, sich an eine digital geprägte Medienlandschaft anzupassen, während ihr der Zwangsruhestand droht. Emily Charlton (Emily Blunt), Mirandas frühere erste Assistentin, die eine Reise nach Paris angeht, als würde sie Truppen befehligen, erfindet sich als einflussreiche Dior-Managerin neu – mit Umsätzen, auf die Miranda plötzlich angewiesen ist. Und falls dieses Machtdreieck Medienprofis von heute unheimlich vertraut vorkommt: gut, dann haben Sie aufgepasst. Darin liegt die zentrale Erkenntnis des Films: Was ist das Schlimmste daran, wenn die Medien zur Ödnis werden? Nicht die Entlassungen oder das immer dünner werdende Impressum. Sondern mitanzusehen, wie all jene, die diesen Status quo zementiert haben, vollständig überholt werden.
Das Besondere daran: Das Drehbuch zwingt Miranda keinen sentimentalen Abstieg auf. Streep spielt sie als eine Frau, die die vergangenen 20 Jahre lediglich noch geschärft haben; sie hat die monströseren Impulse ihres Egos zugunsten einer noch stärkeren Überzeugung abgelegt. Das ist eine so subtile wie glaubhafte Wandlung – und nur eine derart nuancierte Transformation hätte funktioniert. Die Mode ist, wie es sein sollte, ein Gesprächsthema für sich. Kostümbildnerin Molly Rogers, die auch an dem Sex and the City-Spin-off …And Just Like That mitgearbeitet hat, tritt die Nachfolge der legendären Patricia Field an und trifft ihre Auswahl mit großer Bedacht. Mirandas abgetragene Torerojacke von Dries Van Noten, eingefasst mit dem perfekten Türkis, ist ein Paradebeispiel dafür, wie sehr ein Kleidungsstück bei genauerem Hinsehen gewinnt. Sie ist entschieden eigenwillig – und gerade deshalb so passend.
Auch die Ästhetik des Films spiegelt ein modisches Medienverständnis wider, das genug vom Branding hat und sich etwas Persönlicherem zuwendet, etwas, das sich nicht ganz so leicht entschlüsseln lässt. Die Rückkehr des ursprünglichen Ensembles – der legendären Streep und Anne Hathaway neben Emily Blunt und Stanley Tucci – war zwangsläufig der größte Reiz des Films. Doch die vier lösen dieses Versprechen voll ein: Sie bewegen sich souverän in diesem Kosmos, ohne ihr Vermächtnis als nostalgischen Trick auszuspielen. In den Wortwechseln zwischen Miranda und Emily zeigt der Film seine schärfsten Zähne. Sie führen das Kräftemessen, das aus dem Konflikt zwischen Assistentin und Chefin im ersten Film hervorging, auf größerer Ebene fort; besonders Blunt ist in ihren gemeinsamen Szenen eine Offenbarung – voll entzückter und zugleich mörderischer Freude.
The Devil Wears Prada 2 verdient seine Existenz nur, weil der Film über die Welt seines Vorgängers etwas Packendes und wirklich Neues zu sagen hat. In der berüchtigten Cerulean-Rede ging es darum, wie Kultur zu einem herabfließt, ob man es bemerkt oder nicht.
The Devil Wears Prada 2 ist jetzt über das preisgekrönte Bordunterhaltungssystem von Cathay Pacific verfügbar.



















