Die Monterey Car Week ging am vergangenen Wochenende zu Ende – und auch die diesjährige Ausgabe hat uns einiges gelehrt.
Jedes Jahr strömen Scharen von Autoenthusiast:innen nach Nordkalifornien zur Monterey Car Week, die in der namensgebenden Stadt und im benachbarten Carmel stattfindet, um das absolute Nonplusultra der Autokultur zu erleben. Die Palette der Fahrzeuge ist entsprechend breit: von Nischen-Tuning-Umbauten und modernen Klassikern über extrem seltene Hypercars bis hin zu historischen Rennwagen. Das zieht ein außergewöhnlich vielfältiges Publikum an – und nicht alle kommen aus den richtigen Gründen.
Seit dem Ende der COVID-19-Pandemie – die Monterey Car Week fand nach der Pause ab 2022 wieder statt – kamen nach und nach mehr Menschen aus der Autoszene, die sich zweifellos für die Kultur begeistern, das Flair von Monterey und Carmel jedoch womöglich nicht ganz verstanden haben: wohlhabend, ruhig, traditionsbewusst, konservativ. Die Einwohnerzahl ist gering, und die Werte der Orte spiegeln sich deutlich in ihrem Erscheinungsbild wider. In den vergangenen Jahren haben die jeweiligen MCW-Ausgaben die Ruhe – und die Nerven – dieser idyllischen Gegend erheblich strapaziert. Ohne zu sehr ins Detail vergangener Vorfälle zu gehen: Dieses Jahr ging es merklich gesitteter zu. Polizei, örtlicher Sicherheitsdienst und offizielle Veranstalter zogen an einem Strang und lernten aus den Fehlern von 2025 und den Jahren davor.
Nachdem wir nun im vierten Jahr in Folge als Medienvertretung eingeladen sind, ist uns klar geworden: Die Monterey Car Week ist gut gegliedert, ihre Events richten sich jeweils an unterschiedliche Gruppen von Autoenthusiast:innen. Es ist nicht etwa so, dass für alle etwas dabei wäre – ganz im Gegenteil. Die meisten Veranstaltungen sind privat, nur auf Einladung zugänglich, hoch exklusiv und bei der Auswahl ihrer Gäste notorisch streng.
The Quail
Zwar gibt es schon vorher Veranstaltungen, doch für uns ist The Quail das Tor zur Woche. Alljährlich verwandelt sich das grüne Gelände der The Quail Lodge in eine Art Messe mit exklusiven Präsentationsflächen für wichtige Automobilhersteller. In diesem Jahr zogen BMW ALPINA, Gunther Werks, BRABUS, Lamborghini, Acura und Koenigsegg mit ihren Auftritten besonders große Besuchermengen an; jede Marke nutzte ihre Fläche, um neue Fahrzeuge und Konzepte zu präsentieren. Das Kernpublikum von The Quail sind nach wie vor die Medien: Journalist:innen, Autor:innen, Tester:innen und Content Creator drängen zu den Ständen, um einen ersten Blick auf die Neuheiten zu erhaschen und ihn anschließend mit ihren Followern zu teilen. Es bleibt das zielgerichtetste Event der Woche – und der stolze Eintrittspreis von mehr als 2.000 US-Dollar stellt sicher, dass das wohl auch so bleibt.
Häuser
Über die Woche und den gesamten County verteilt unterhalten die Hersteller sogenannte „Häuser“, die ihnen während der Car Week als Basis dienen. Wer eine Einladung erhält, kann die Marke näher kennenlernen, neue Produkte sehen, mit wichtigen Persönlichkeiten des Unternehmens sprechen und mehr. Im Anschluss daran veranstalten die Hersteller meist auch Partys – ebenfalls mit sorgfältig kuratierten Gästelisten. Wer eines dieser Markendomizile besuchen darf, kann sich auf eine Gastfreundschaft der Extraklasse einstellen. In diesem Jahr konnten wir auf persönliche Einladung das BMW House sowie die Häuser von Lamborghini und Bentley besuchen. Kith x BMW präsentierte sich stilvoll und elegant, Lamborghini beeindruckte mit Größe und Inszenierung. Bei Bentley heißt es – wie schon in den vergangenen Jahren – einfach: Spaß, Spaß, Spaß. Man stelle sich The Great Gatsby vor, mit einer Liveband, die Songs von Blink-182 spielt. Unvergesslich, gelinde gesagt.
Rolex Monterey Motorsports Reunion
Für echte Petrolheads ist die Rolex Monterey Motorsports Reunion das Event, von dem sie träumen. Klassische Rennwagen, Le-Mans-Legenden, für die IMSA vorbereitete Rennwagen und vieles mehr gehen auf dem legendären Laguna-Seca-Rundkurs in die Wettbewerbsrennen, während das Publikum alles sehen, hören und riechen kann. Das Ticket für die Motorsports Reunion gewährt zudem Zugang zu den Fahrerlagerbereichen. Dort lassen sich die Fahrzeuge aus nächster Nähe betrachten, ihre Geschichten – und sogar die ihrer früheren Besitzer:innen – entdecken und all das erleben, was Motorsportbegeisterte so leidenschaftlich macht. Müssten wir die RMMR mit einem Wort beschreiben, wäre es: „Bildung“.
Pebble Beach Concours d’Elegance
Last but not least: der Pebble Beach Concours d’Elegance, das Gipfelevent der Woche. Jedes Jahr kommen Tausende, um zu erleben, wie die Elite Autos und Autokultur feiert – mit Geld. Auf dem Rasen von Pebble Beach steht kaum etwas mit einem Wert von unter 1 Million US-Dollar. Und falls doch, ist es nach der offiziellen Teilnahme am Concours d’Elegance garantiert mehr wert. Immerhin sind die Tickets deutlich günstiger als für The Quail, doch selbst 600 US-Dollar lassen einen erst einmal schlucken. Beim Cd’E kann man dafür die Preisverleihung erleben, hervorragend essen, Werbegeschenke der Autohersteller mitnehmen und sogar shoppen.
Falls ihr einmal die Gelegenheit habt, die Monterey Car Week zu besuchen, und wirklich verstehen möchtet, was es heißt, „Autofan“ zu sein, versucht, als Begleitung, eingeladene Medienvertretung oder Ticketinhaber:in Zugang zu diesen Events zu bekommen. Natürlich vermitteln auch die kostenlosen Straßenveranstaltungen und Autotreffen während der Woche Autokultur. Doch unserer Meinung nach braucht es mehr als einen schönen Lack und ein sauber auf der Ocean Ave. abgestelltes Auto, um sie wirklich zu verstehen. Denkt nur daran, respektvoll zu bleiben – und gebt der Polizei nicht die Genugtuung, das nächste Auto anzuhalten.