Mercedes-Benz bringt physische Bedienelemente in künftigen Modellen zurück
Als Reaktion auf das Feedback von Fahrer:innen verabschiedet sich der deutsche Autobauer von reinen Touchscreen-Oberflächen und bringt klassische Tasten für Alltagsfunktionen zurück.
Zusammenfassung
CEO Ola Källenius räumte ein, dass die Marke Technologie über Komfort gestellt hat – und kündigte an, in künftigen Innenräumen wieder haptische Schalter einzuführen.
Großflächige Displays wie der 56‑Zoll‑MBUX Hyperscreen bleiben das zentrale Bedienelement und arbeiten künftig zusammen mit den wieder eingeführten physischen Tasten.
Dieser Kurswechsel reagiert sowohl auf Bedenken wegen Ablenkung am Steuer als auch auf die ab 2026 geltenden Euro‑NCAP‑Vorgaben, die physische Schalter für sicherheitsrelevante Funktionen vorschreiben.
Mercedes-Benz-CEO Ola Källenius räumte ein, dass das Unternehmen bei seinen aktuellen Modellen die Technik höher gewichtet habe als den Komfort der Kund:innen, indem es physische Bedienelemente abschaffte. Im Gespräch mit Autocar sagte Källenius, die globale Autoindustrie habe einen „Low-Button“-Tiefpunkt erreicht. Künftige Cockpits sollten wieder ein ausgewogenes Verhältnis von digitalen Flächen und haptischer Rückmeldung bieten. Der Manager scherzte, die Bedienoberfläche eines Autos müsse so einfach sein, dass sowohl ein fünfjähriges Kind als auch ein Vorstandsmitglied sie mühelos bedienen könne.
Die Kehrtwende folgt auf Jahre der Innenraumentwicklung, die von riesigen Glasdisplays geprägt war. Trotz der Rückkehr einiger physischer Schalter will Mercedes-Benz weder die Zahl noch die Größe der Bildschirme in künftigen Modellen wie dem Mercedes GLA des Modelljahrs 2027 reduzieren. Displays wie der 56 Zoll große MBUX Hyperscreen werden die Cockpitarchitektur weiterhin prägen. Die Luxusmarke setzt darauf, dass große Touchscreens und klassische Schalter nebeneinander bestehen, statt einander vollständig zu ersetzen.
Die Anpassung der Innenraumgestaltung passt zu den jüngsten Kurswechseln anderer Luxusautohersteller, die auf den Wunsch der Kund:innen nach intuitiven Bedienelementen reagieren. Auch Marken wie Ferrari, Volkswagen und Hyundai rücken von der reinen Touch-Bedienung ab, um die Alltagstauglichkeit zu verbessern. Der Wandel in der Branche ist jedoch nicht allein auf Nutzerbeschwerden zurückzuführen. Die ab 2026 geltenden Euro-NCAP-Vorschriften werden Autohersteller benachteiligen, wenn sie für zentrale Funktionen wie Blinker, Warnblinker und Scheibenwischer keine physischen Schalter vorsehen.
Vergleichstests und Sicherheitsstudien haben immer wieder die ergonomischen Vorteile physischer Tasten für häufige Bedienvorgänge während der Fahrt hervorgehoben. Ein aktueller schwedischer Ablenkungstest zeigte, dass Fahrer:innen in einem Fahrzeug mit vielen Tasten alltägliche Funktionen im Innenraum deutlich schneller bedienen konnten als jene, die sich in Modellen mit Touchscreen-Fokus durch Menüs navigieren mussten. Mercedes-Benz hat bereits wieder physische Bedienelemente am Lenkrad eingeführt, um diese Bedienbarkeitsprobleme zu lösen, und verspricht, sinnvolle Tasten künftig in der gesamten Pkw-Modellpalette zurückzubringen.



















