Junha Kahm denkt Flatpack-Sitzmöbel neu: Ein Stuhl, der in einen Einkaufskorb passt
Keine sperrige Umzugslogistik: Der Facade-Stuhl lässt sich vollständig in ultrakompakte Komponenten zerlegen, die in einen einzigen Einkaufskorb passen.
Zusammenfassung
Junha Kahm präsentiert den Facade Chair mit einem festen Edelstahlrahmen und acht austauschbaren PETG-Paneelen.
Für maximale Logistikeffizienz konzipiert, lässt sich das gesamte Sitzsystem in Einzelteile zerlegen, die klein genug sind, um in einen normalen Einkaufskorb zu passen.
Der südkoreanische Industriedesigner Junha Kahm präsentiert eine äußerst flexible Sitzlösung, die neu darüber nachdenkt, wie Möbel mit ihren Besitzer:innen altern. Der modulare Stuhl Facade setzt auf Langlebigkeit durch reparierbare Komponenten, statt sich allein auf die Materialbeschaffung zu konzentrieren. Sein prägnantes System gliedert das Objekt in zwei grundlegende Elemente: Ein Rahmen aus gebürstetem Edelstahlrohr bildet die dauerhafte Basis, während acht halbstarre PETG-Paneele mit einfachen Schrauben und Gewindeeinsätzen befestigt werden.
Dieser Ansatz orientiert sich unmittelbar an der Industriearchitektur. Das Metallgerüst fungiert als Kernstruktur, während die äußeren Paneele als austauschbare Fassadenverkleidung dienen. Einzelne Elemente lassen sich mühelos ersetzen – sei es bei Beschädigungen oder wenn ein Raum eine völlig andere Ästhetik verlangt. Transparente Paneele lassen das darunterliegende Metall sichtbar bleiben, opake Varianten verändern die Wirkung des Möbelstücks hingegen grundlegend. Eine Konfiguration in warmem Bernsteinorange erinnert an entspannte Terrassensitze, während klare weiße Paneele einen minimalistischen Studio-Look erzeugen.
Konstruktive Details heben das Konzept über eine rein oberflächliche Formübung hinaus. Das Grundgerüst folgt einem strengen Eins-zu-zwei-Proportionsverhältnis, das dem Design eine klare visuelle Ordnung verleiht. Alle acht Paneele weisen dieselbe Symmetrie auf: Ober- und Unterteile spiegeln einander sowohl bei Sitzfläche als auch Rückenlehne exakt. Diese bewusste Standardisierung reduziert die Komplexität der Fertigung erheblich und sorgt dafür, dass Ersatzteile langfristig tatsächlich verfügbar bleiben.
Präzision bestimmt die konstruktiven Verbindungen, die die Silhouette zusammenhalten. Weiße, abgerundete PETG-Winkelverbinder sitzen an den Kreuzungspunkten des Rahmens und verleihen ihm eine visuelle Weichheit, die einen direkten Kontrast zum starren, gebürsteten Metall bildet. Die hinteren Beine sind in einem exakten Winkel von 14 Grad ausgestellt, ergänzt durch leichte Abweichungen von drei und acht Grad an anderen Verbindungspunkten. Diese berechneten Winkel verleihen der Silhouette eine subtile Vorwärtsneigung, die ausgesprochen bewusst statt starr wirkt.
Praktikabilität steht bei der Nutzung im Vordergrund. Das gesamte System lässt sich in Komponenten zerlegen, die klein genug sind, um in einen gewöhnlichen Einkaufskorb zu passen. Diese kompakte Zerlegbarkeit erspart die umständliche Logistik, die sonst typischerweise mit dem Transport tragender Möbel verbunden ist. In seinen Projektnotizen fasste Kahm das übergeordnete modulare Prinzip treffend zusammen: Der vielseitige Stuhl habe einen Punkt, sechzehn Paneele und unendlich viele Fassaden.
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