Zusammenfassung
- Die gefeierte Künstlerin Joyce Kozloff, die der Pattern-and-Decoration-Bewegung zugeordnet wird, hat in einem aktuellen Interview enthüllt, dass sie Mitglied der Guerrilla Girls war.
- In den Anfangsjahren half sie beim Aufbau des anonymen feministischen Künstlerinnenkollektivs und stieg 1991 aus.
- Die bis heute aktive Gruppe ist für ihre radikalen „Guerilla“-Interventionen bekannt, mit denen sie Misogynie und Rassismus in der Kunstwelt aufdeckt.
Ob auf der Straße oder in den Sälen der bedeutendsten Museen der Welt – auf die Guerrilla Girls ist Verlass, wenn es darum geht, für Aufsehen zu sorgen. Seit 1985 kämpft das feministische Kunstkollektiv mit Überraschungsausstellungen, Besetzungen und, nun ja, „Guerilla“-Taktiken gegen Rassismus und Misogynie im Kunstbetrieb.
Die wahren Identitäten hinter der Gruppe zählen seit Langem zu den größten Rätseln der Branche. Doch 40 Jahre später hat Gründungsmitglied Joyce Kozloff beschlossen, ihr Schweigen zu brechen. Die gefeierte Künstlerin der Pattern-and-Decoration-Bewegung enthüllte in einem kürzlich im Art Journal veröffentlichten Interview, dass sie Teil der Guerrilla Girls war.
„Wir beschlossen, uns Guerrilla Girls zu nennen, Netzstrümpfe und kurze Röcke zu tragen, die schlimmsten Frauenfeinde der Kunstwelt anzuprangern und maskiert in der Öffentlichkeit aufzutreten – wie Rächerinnen“, sagte Kozloff.
Anonymität war für die Gruppe stets zentral. Wie die Künstlerin betonte, ging es dabei jedoch nie darum, sich vor Gegenwind zu schützen: „Ich habe für Anonymität plädiert, weil ich nicht wollte, dass die Aufmerksamkeit auf uns als Einzelpersonen gerichtet wird“, sagte sie. „Sie sollte bei den Themen bleiben.“
Während ihrer Zeit in der Gruppe entwarf sie auch „The Advantages of Being a Woman Artist“ (1988), eines der bekanntesten Werke des Kollektivs. Die Idee dazu kam ihr während ihrer Kohler Art/Industry Residency: Dort beobachtete sie, wie männliche Kollegen gemeinsam mit Bachelorstudierenden in das Programm aufgenommen wurden – samt „ihren Freundinnen, die auch noch den Haushalt machten, kochten und im Werk als unbezahlte Studioassistentinnen arbeiteten“.
Die Mitglieder nehmen die Namen verstorbener Künstlerinnen und Autorinnen als Pseudonyme an; die Gründungsmitglieder traten unter den Namen „Frida Kahlo“ und „Käthe Kollwitz“ auf. Weitere Identitäten sind Ana Mendieta und Audre Lorde. Trotz jahrzehntelanger Spekulationen haben nur sehr wenige Mitglieder ihre Identität öffentlich preisgegeben. Kozloff zählt zu den seltenen Ausnahmen – neben der Künstlerin Robin Tewes, die im vergangenen Jahr bestätigte, unter dem Alias „Alice Neel“ gearbeitet zu haben.
Kozloff verließ die Guerrilla Girls 1991. Doch auch heute noch ist das Kollektiv auf der Höhe seines Schaffens und verfolgt unbeirrt seine Mission, Diskriminierung in allen Bereichen der Kunstwelt aufzudecken.