Geleaktes 25-Seiten-Dokument enthüllt FIFAs Plan: 20 % des kommerziellen Geschäfts verkaufen
Ein vertrauliches Prospekt skizziert die Gründung von FIFA Forward Enterprise, um das globale Fußballgeschäft gemeinsam mit dem US-Investor Joshua Kushner zu vermarkten.
Zusammenfassung
Ein durchgesickertes kommerzielles FIFA-Dossier schlug vor, einen Anteil von 20 % an einer neuen kommerziellen Einheit an den US‑Investor Joshua Kushner zu verkaufen – finanziert über Anmeldegebühren von 20 Millionen US‑Dollar pro Verband.
Der Vorschlag setzt darauf, die Zahl der globalen Veranstaltungen von 200 auf 450 pro Jahr zu erhöhen, was massive Bedenken hinsichtlich Spielerüberlastung und Terminchaos auslöst.
Ein vertrauliches, 25-seitiges Verkaufsdeck legt einen aggressiven Kommerzialisierungsplan für den Weltfußball offen. Das Prospekt enthält den Vorschlag des Weltverbands, 20 Prozent seiner kommerziellen Aktivitäten an den US-Investor Joshua Kushner zu verkaufen. Das Dokument wurde von derselben Bank erstellt, die schon hinter der gescheiterten European Super League stand, und skizziert die Gründung einer neuen Vermarktungsgesellschaft namens FIFA Forward Enterprise. Um sich die Zustimmung der 211 Mitgliedsverbände zu sichern, stellen die Verantwortlichen eine sofortige Beitrittszahlung von 20 Millionen US-Dollar in Aussicht. Die prognostizierten Ausschüttungen sollen bis 2035 auf 24 Millionen US-Dollar pro Zyklus steigen. Übergeordnetes Ziel ist es, eine vermeintliche Erlöslücke zu schließen. Das Verkaufsargument vergleicht die aktuellen weltweiten Einnahmen des Fußballs nachteilig mit großen nationalen Ligen wie der NFL und soll belegen, dass der Verband sein wirtschaftliches Potenzial bislang nicht ausschöpft.
Um an das versprochene Kapital zu gelangen, müsste der internationale Spielkalender grundlegend umgebaut werden. Die Wachstumsstrategie setzt vor allem darauf, das Turnierportfolio von 200 auf 450 weltweite Wettbewerbe pro Jahr auszubauen. Ein derart drastischer Anstieg weckt unmittelbar Sorgen vor extremer Überlastung der Spieler und einem überfüllten Spielplan. Finanzielle Zuwächse sollen zudem durch höhere Ticketpreise, vorrangig ertragreiche Partnerschaften und den Wechsel zu abonnementbasierten Übertragungsmodellen für große Turniere erzielt werden. Kritiker stellten die Logik der finanziellen Neuordnung rasch infrage. Hochrangige Vertreter des Fußballs verwiesen darauf, wie absurd es sei, eine Fremdfinanzierung durch Dritte aufzunehmen, obwohl die Organisation derzeit über Barreserven von rund 4 Milliarden US-Dollar verfügt und im laufenden Vierjahreszyklus Einnahmen von 15 Milliarden US-Dollar erzielt hat.
Präsident Gianni Infantino setzte den Mitgliedsverbänden eine feste Frist bis zum 19. September 2026, um dem Deal zuzustimmen. Das Ultimatum löste auf den höchsten Ebenen des Sports umgehend eine offene Revolte aus. Der europäische Dachverband UEFA kündigte an, den Plan einstimmig abzulehnen, und drohte mit einem vollständigen Boykott aller damit verbundenen Wettbewerbe, bis der Vorschlag vollständig zurückgezogen werde. Die Organisation verurteilte die Idee, den Sport dauerhaft kommerziellen Verpflichtungen und den Erwartungen von Investoren zu unterwerfen. Kurz darauf lehnte auch der nord- und mittelamerikanische Kontinentalverband CONCACAF den Investitionsplan formell ab. Zur Begründung nannte die Konföderation einen gravierenden Mangel an einem ordnungsgemäßen Verfahren sowie eine künstlich knapp bemessene Frist. Der US-Verband United States Soccer unterstützte die Ablehnung öffentlich und isolierte damit die Weltzentrale in der Schweiz weiter.
Das Ausmaß der Gegenwehr verdeutlicht den wachsenden kulturellen Graben zwischen den internationalen Fußballfunktionären und den Verbänden, die den Sport schützen sollen. Ein eklatanter blinder Fleck im Verkaufsdeck schürt die Empörung zusätzlich: Im gesamten 25-seitigen Prospekt findet sich kein einziges Mal eine Erwähnung des Frauenfußballs. Das vollständige Ausblenden des Frauenfußballs widerspricht den jüngsten öffentlichen Bekenntnissen zu einer ganzheitlichen globalen Entwicklung und offenbart einen hyperkommerziellen Fokus, der ausschließlich auf etablierten Männerturnieren liegt. Das geleakte Verkaufsdeck zeichnet den Fußball letztlich als Anlageobjekt, das sich von Private-Equity-Investoren ausschöpfen lässt, statt als kulturelle Institution, die umsichtiges Handeln erfordert.



















