Kosuke Kawamura verwandelt den legendären Manga „COBRA“ in ein zeitgenössisches Kunstwerk für 3,5 Millionen Yen
Der Auftakt des ReVIBES Project – einer gemeinsamen Initiative von Toei Video und dem Kreativstudio TANGLE.
Kosuke Kawamura verwandelt den legendären Manga „COBRA“ in ein zeitgenössisches Kunstwerk für 3,5 Millionen Yen
Der Auftakt des ReVIBES Project – einer gemeinsamen Initiative von Toei Video und dem Kreativstudio TANGLE.
Toei und TANGLE haben offiziell das ReVIBES Project ins Leben gerufen – eine neue Initiative, die einige der ikonischsten japanischen IPs mithilfe zeitgenössischer Kunst neu interpretiert. Jenseits von Nostalgie und klassischen Kollaborationen verwandelt das Projekt beliebte Klassiker in sammelwürdige Kunstwerke und erschließt sie einer neuen Generation von Sammler:innen sowie dem globalen Kunstmarkt.
Für die erste Ausgabe holte das Projekt den international renommierten Collagekünstler, Grafikdesigner und Art Director Kosuke Kawamura an Bord, um COBRA – Buichi Terasawas legendären Sci-Fi-Manga-Klassiker – zu dekonstruieren und neu zusammenzusetzen. Die beiden daraus entstandenen Werke feierten in Tokio ihr prominentes Auktionsdebüt und erzielten zusammen 3,5 Millionen Yen (rund 24.000 US-Dollar). Hiroto Munakata, Vertreter von TANGLE und Ideengeber des Projekts, erklärt: „Es geht nicht darum, IP wiederzubeleben, sondern ihren Wert neu zu definieren. Wir verkaufen keine Nostalgie – wir wollen zeigen, wie sich Meisterwerke für die Gegenwart aktualisieren lassen.“
Warum COBRA?
COBRA erschien 1978 erstmals in Weekly Shonen Jump und erzählt von einem abtrünnigen Weltraumpiraten, dessen Arm mit einer psychischen „Psycho-Gun“ ausgestattet ist. Mit seinem einzigartigen Kosmos aus Hardboiled-Erzählkunst, kosmischer Action und pointiertem Humor wurde der Manga schnell zu einem Grundpfeiler der japanischen Popkultur und inzwischen in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt.
Vor allem aber war Schöpfer Buichi Terasawa ein legendärer Innovator: Er gehörte zu den Pionieren der Computergrafik in der Comicproduktion und prägte bekanntermaßen den Begriff „Digital Manga“. Genau dieser Geist technologischer Innovation, neu gelesen durch eine zeitgenössische künstlerische Perspektive, bildet die ideale Grundlage für das ReVIBES Project.
Für Toei ist die Initiative ein wichtiges Instrument der Archivpflege. „So großartig ein Werk auch sein mag: Mit der Zeit kann es allmählich zu etwas werden, das nur noch wenige engagierte Menschen kennen“, sagt Rintaro Shimatani von Toei. „Wir glauben, dass diese Werke durch das ReVIBES Project Menschen erreichen können, mit denen sie bislang nie in Kontakt treten konnten.“
Kosuke Kawamuras Dekonstruktion
Mit seinem spartenübergreifenden Portfolio an der Schnittstelle von Mode, Street Culture, Musik und Werbung war Kosuke Kawamura wie geschaffen dafür, die Kluft zwischen Subkultur und Hochkunst zu überbrücken. Seinen ersten Kontakt mit COBRA hatte Kawamura als Kind über die TV-Anime-Adaption, die ihm als „gruselige Serie“ in Erinnerung geblieben ist. Erst in der Mittelstufe griff er zur Vorlage und entdeckte deren unverkennbare Coolness.
Als es daran ging, das Ausgangsmaterial zu bearbeiten, erwies sich Terasawas außergewöhnliche Zeichenkunst als zweischneidiges Schwert. „Nicht nur die Figuren – jeder Hintergrund, jedes kleine Detail sah unglaublich aus“, erzählt Kawamura. „Zu entscheiden, was man behält und was man weglässt, war mit Abstand der schwierigste Teil des Prozesses.“
Letztlich schuf Kawamura zwei eigenständige Originalwerke. „No.001 COLLAGE“ ist eine dynamische Komposition mit mehreren Figuren, die die umfangreiche Besetzung von COBRA in Schichten übereinanderlegt. Das Haar der zentralen Figur ist mit einer spiegelnden Metalloberfläche versehen und schafft ein kinetisches Seherlebnis, das sich je nach Licht und Perspektive verändert. Der Zuschlag erfolgte bei 1,4 Millionen Yen (rund 8.684 US-Dollar).
„No.002 SHREDDER“ ist in Kawamuras charakteristischer industrieller Shredder-Ästhetik ausgeführt. Indem er die markante Linienführung und die explosiven Panel-Layouts des Original-Mangas physisch zerschneidet und die Streifen anschließend sorgfältig von Hand wieder übereinanderschichtet, eröffnet er eine völlig neue abstrakte Perspektive, ohne die Energie der Vorlage einzubüßen. Bei der SBI Art Auction erzielte das Werk 2,1 Millionen Yen (rund 13.032 US-Dollar).
Den Markt ausloten
Die offizielle Auktion fand in Tokios INSPIRATION CULT BAR & GALLERY in Zusammenarbeit mit der renommierten SBI Art Auction statt. Die Veranstaltung zog Sammler:innen aus aller Welt an – vor Ort wie digital – und bot einen umfassenden kulturellen Einblick: Originale Manga-Vintagebände und Sammlerfiguren wurden neben Kawamuras neuen zeitgenössischen Werken präsentiert.
Der Erfolg der Auktion geht weit über den Zuschlag von 3,5 Millionen Yen hinaus: Er ist der überzeugende Beweis dafür, wie globale Sammler:innen reagieren, wenn geliebtes Popkulturerbe in den Kunstmarkt überführt wird. „Jemand, der sich bisher nur für Manga interessiert hat, könnte darüber zeitgenössische Kunst entdecken – und umgekehrt kann es genauso passieren“, sagt Kawamura. „Mich begeistert die Möglichkeit, für beide Welten einen neuen Zugang zu schaffen.“
Das ReVIBES Project arbeitet bereits an seiner zweiten wegweisenden Zusammenarbeit zwischen IP und Künstler:in. International wachsen soll die Initiative durch Galerieausstellungen weltweit, nationale und internationale Kunstmessen sowie spezialisierte Vertriebskanäle. Während die Grenzen zwischen Street Culture, Anime und Hochkunst zunehmend dauerhaft verschwimmen, entwickelt das ReVIBES Project eine richtungsweisende Blaupause dafür, wie die Welt kulturelles Erbe würdigt und weiterträgt.



















