ChatGPT imitiert berühmte Autorenstile wegen Urheberrechtsbedenken nicht mehr
Die Einschränkung betrifft Autorinnen und Autoren von Charles Dickens bis hin zu zeitgenössischen Schreibenden wie J.K. Rowling und Amy Tan.
Zusammenfassung
ChatGPT blockiert inzwischen Nutzeranfragen, die darauf abzielen, Texte im spezifischen Schreibstil berühmter Autorinnen und Autoren zu erzeugen.
Die KI lehnt direkte Nachahmung ab, bietet aber an, originelle Inhalte zu verfassen, die die übergreifende ästhetische Anmutung der gewünschten Schriftstellerin oder des gewünschten Schriftstellers einfangen.
OpenAI hat diese neue Schutzmaßnahme still und leise eingeführt – vor dem Hintergrund einer Welle prominenter Klagen und rechtlicher Schritte großer Autor:innen und Verlage.
OpenAI hat seinem Flaggschiffprodukt still und leise eine weitreichende neue Schutzvorkehrung verpasst. Nutzerinnen und Nutzer, die Texte im spezifischen Stil berühmter Autorinnen und Autoren generieren möchten, stoßen nun auf eine digitale Mauer. ChatGPT lehnt direkte Aufforderungen, die literarische Stimme prominenter Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu kopieren, ausdrücklich ab. Bei der Ablehnung solcher Anfragen verweist das System auf den urheberrechtlichen Schutz lebender wie verstorbener Urheberinnen und Urheber.
Tests von Ars Technica und der Forschungsplattform No Latency machten die Verhaltensänderung erstmals sichtbar. Wird der Chatbot gebeten, eine Kriminalgeschichte im Stil von Agatha Christie zu verfassen, lehnt er die direkte Imitation ab. Stattdessen bietet er einen Kompromiss an: Das System schlägt vor, originelle Inhalte zu erstellen, die die allgemeinen Merkmale der gewünschten Autorin aufweisen. Eine Anfrage nach Stephen King führt etwa zu dem Angebot, atmosphärischen Horror und die Beklemmung einer Kleinstadt zu erzeugen – ohne seine unverwechselbare Stimme zu kopieren. Die Einschränkung betrifft ein breites Spektrum literarischer Ikonen, von Charles Dickens bis zu zeitgenössischen Autorinnen wie J.K. Rowling und Amy Tan.
Die strukturelle Anpassung folgt auf eine massive Welle von Klagen wegen Urheberrechtsverletzung. Organisationen wie die Authors Guild und große Medienunternehmen, darunter The New York Times, werfen dem Tech-Giganten vor, seine KI-Modelle ohne Genehmigung mit urheberrechtlich geschütztem Material trainiert zu haben. Das Urheberrecht schützt traditionell die konkrete Ausdrucksform einer Idee, nicht ihre allgemeine Ästhetik. Eine von KI erzeugte stilistische Imitation könnte jedoch eine Urheberrechtsverletzung darstellen, wenn das Ergebnis dem Werk des ursprünglichen Urhebers oder der ursprünglichen Urheberin wesentlich ähnelt. Indem das Unternehmen den Chatbot daran hindert, die Identität einer Autorin oder eines Autors direkt zu kopieren, scheint es eine rechtliche Verteidigungsstrategie aufzubauen. Der Schritt positioniert seine generativen Tools als Quellen der Inspiration – nicht als Instrumente zur vollständigen Reproduktion.
In kreativen Communities ist die Reibung durch die unangekündigte Einschränkung bereits spürbar. Langjährige Nutzerinnen und Nutzer, die bislang auf hochspezifische Autorinnen- und Autoren-Prompts setzten, um ihre Prosa zu verfeinern, müssen ihre Arbeitsweise nun anpassen. In Foren äußern manche Schreibende Frust darüber, dass sie die Stimmen ihrer literarischen Heldinnen und Helden nicht mehr nachahmen können. Die Authors Guild hat kürzlich Best Practices veröffentlicht und Autorinnen und Autoren darin dazu aufgerufen, einzigartige Stimmen nicht bewusst zu kopieren, um Vorwürfen unlauteren Wettbewerbs vorzubeugen. Diese Anpassung der KI zwingt Nutzerinnen und Nutzer dazu, sich auf detaillierte Anweisungen zum Schreibhandwerk zu verlassen, statt sich auf einen berühmten Namen zu stützen, um fesselnde Texte zu erzeugen.



















