Die East-London-Galerie, die auf die nächste Generation des Designs setzt
In Shoreditch will Unit D einer Szene neues Leben einhauchen, die einst vor Kreativität nur so sprudelte.
Die East-London-Galerie, die auf die nächste Generation des Designs setzt
In Shoreditch will Unit D einer Szene neues Leben einhauchen, die einst vor Kreativität nur so sprudelte.
Spricht man mit Menschen, die in Londons Designszene der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre erwachsen geworden sind, erzählen sie, dass diese Welt ebenso sehr von den Zwischenräumen zwischen den Produkten lebte wie von den Produkten selbst.
Während unabhängige Läden aufstrebende Talente förderten (und bezahlten), boten Galerien Raum für Experimente – und ein Netz aus Events, Studios und zufälligen Begegnungen half dabei, Karrieren ins Rollen zu bringen.
Heute wirkt dieses Ökosystem spürbar ausgedünnt.
Mit diesem Problem beschäftigt sich Duncan Riches, Creative Director der Shoreditch Design Week und inzwischen Gründer der „Unit D Gallery“, schon seit Jahren.
Untergebracht in einer ehemaligen Werkstatt in Shoreditch, ist Unit D eine neue Galerie für aufstrebende Designer:innen, erschwingliche Designobjekte und – vielleicht am wichtigsten – reale Begegnungen. Statt sich auf sammelbare Stücke mit vierstelligen Preisschildern zu konzentrieren, bittet die Galerie Designer:innen, Arbeiten zu schaffen, die sich ganz normale Menschen leisten können – idealerweise für weniger als 50 £.
„Wir haben eine unglaubliche Designszene in London“, sagt Riches. „Wir haben eine Fülle wirklich guter Gestalter:innen. Wir müssen nur eine neue Verbindung schaffen – zwischen den Gestalter:innen, den Designer:innen und den Menschen, die sich mit ihrer Arbeit auseinandersetzen wollen.“
Das Projekt entstand aus einer einfachen Gelegenheit: einem leerstehenden Erdgeschoss in dem Gebäude, in dem Riches seit mehr als einem Jahrzehnt ein Studio hat. Herausgekommen ist dabei weniger eine klassische Galerie als vielmehr der Versuch, Teile jener Infrastruktur wieder aufzubauen, die Londons Designszene einst so lebendig wirken ließ. Seit der Eröffnung gab es Ausstellungen unter anderem von Andu Masebo, Michael Marriot und Mentsen.
„Ich hatte ständig das Gefühl, dass die Leute sich wieder von Angesicht zu Angesicht begegnen wollten“, sagt er. „Die Sehnsucht danach war spürbar.“
Ein Teil dieser Sehnsucht speist sich aus einer Lücke, die Riches in der heutigen Designlandschaft sieht. Unabhängige Händler, die einst aufstrebende Talente unterstützten, wurden weitgehend von etablierten Marken verdrängt, während viele junge Designer:innen kaum noch Orte finden, an denen sie Arbeiten zeigen können, die nicht in den ultrateuren Markt für sammelbares Design passen. „Es gibt heute eigentlich keinen Ort mehr, an dem man Alltagsarbeiten zeigen kann“, sagt er.
Dieser Glaube hat Unit D von Anfang an geprägt. Teilnehmende Designer:innen werden ermutigt, erschwingliche, alltagstaugliche Objekte statt einmaliger Statement-Pieces zu entwerfen. Die Aufgabe erweist sich als überraschend befreiend.
„Gutes Design sollte in den Händen der Menschen sein“, sagt Riches. „Es sollte nicht nur als unzugängliches, hochstilisiertes Sammelobjekt existieren.“
Dieser Ansatz spricht auch eine Generation an, die anders lebt als die vor ihr.
„Ich glaube, die Branche verpasst da generationell eine Chance“, sagt er. „So viele Menschen unter 35 wohnen zur Miete. Sie wollen nicht unbedingt große, permanente Objekte. Sie wollen Dinge, die sie jetzt kaufen und mit denen sie leben können.“
Dieses jüngere Publikum findet bereits seinen Weg in die Galerie. Riches hat Studierende ausdrücklich ermutigt, zu Eröffnungen zu kommen, und versteht Unit D als einen Ort, an dem aufstrebende Designer:innen einer kreativen Community persönlich begegnen können – statt nur am Bildschirm.
„Man muss jungen Menschen Hoffnung geben“, sagt er. „Man muss sagen: Das ist ein Ort für euch. Ihr könnt eure Arbeiten hier zeigen.“
All dem liegt der Wunsch zugrunde, etwas wiederzubeleben, von dem viele in der Branche das Gefühl haben, es verloren zu haben: eine echte Szene. Eine, die durch regelmäßige Begegnungen, geteilte Räume und ein Gefühl kollektiver Aufbruchsstimmung entsteht.
Ob Unit D zu einer dauerhaften Institution wird, bleibt abzuwarten. Riches sagt offen, dass das Projekt noch ein Experiment ist. Doch in einer Stadt, in der kulturelle Entdeckungen zunehmend online stattfinden, wirkt die Schlichtheit der Idee erfrischend: einen Ort schaffen, die Türen öffnen – und die Menschen in den Raum holen. Manchmal fängt eine Szene genau so an.




















