Als Tiger Woods sich von Nike nach 27 Jahren trennte, lautete eine der größten Fragen nicht nur, was er als Nächstes tragen würde, sondern was mit dem TW-Logo passieren würde. Die Antwort überraschte viele Golf-Fans, als das ikonische Monogramm bei der Marke zurückblieb.
Vor Kurzem wiederum hat Steph Curry sich von Under Armour getrennt – mit einem völlig anderen Ergebnis. Statt Curry Brand zurückzulassen, behielt der NBA-Star die Marke in seinem Besitz und kündigte eine neue Partnerschaft mit dem chinesischen Sportartikelhersteller Li-Ning an, der das Label künftig produzieren wird. Die beiden Fälle zeigen eine in der modernen Sportbranche immer wichtigere Unterscheidung: den Unterschied zwischen einer Marke, die man nur bewirbt, und einer, die man wirklich besitzt.
Woods war 27 Jahre lang bei Nike und erlebte die prägenden Momente seiner Karriere an der Seite der Marke. In dieser Zeit baute Nike auch die TW-Linie auf: eine Kollektion aus Apparel, Schuhen und Accessoires, die das inzwischen ikonische Tiger-Woods-Monogramm trugen. Mit der Zeit wurde das Logo fast so wiedererkennbar wie der Swoosh selbst. Auf dem Platz sah man Woods häufig mit dem TW-Logo prominent vorne auf der Kappe, während das Nike-Logo nach hinten rückte.
Als erste Gerüchte aufkamen, dass Tiger und Nike getrennte Wege gehen würden, drehte sich eine der größten Fragen nicht darum, wohin Woods als Nächstes wechseln würde, sondern darum, was mit der TW-Marke passieren würde. Die Antwort war letztlich: nichts. Als Woods Nike verließ, blieb das TW-Logo zurück. Heute ist es noch immer ein starkes Symbol einer der erfolgreichsten Partnerschaften zwischen Athlet und Marke in der Sportgeschichte, wird aber nicht mehr aktiv produziert oder auf dem höchsten Level des Profigolfs getragen.
Stattdessen wechselte Woods zu TaylorMade und lancierte Sun Day Red. Die neue Brand spielt klar mit Tigers Legacy: Der Name verweist auf sein berühmtes Sonntags-Outfit, das Logo mit 14 Streifen steht für seine Major-Titel, und sogar die Silhouette erinnert an einen springenden Tiger. Auffällig ist jedoch: Es ist nicht TW. Es trägt nicht das Monogramm, das in seinen Nike-Jahren zu Woods’ Synonym geworden war.
Stellt man dem nun Steph Curry gegenüber, zeigt sich ein anderes Bild. Wie Tiger verbrachte auch Curry Jahre bei einem großen Sportartikelkonzern und baute parallel dazu eine Sub-Brand rund um seine eigene Identität auf. Under Armour produzierte Curry-Schuhe, Apparel- und Performance-Pieces, während sich Curry Brand zu einer eigenständigen, klar wiedererkennbaren Marke entwickelte. Als Curry Under Armour nun verließ, sah das Ergebnis jedoch ganz anders aus.
Diesen Beitrag auf Instagram ansehen
Anstatt seine Marke zurückzulassen, behielt Curry sie in seinem Besitz. Die Social-Media-Accounts haben während des Übergangs vielleicht kurzfristig Follower eingebüßt, aber die Brand selbst blieb intakt. Kurz darauf kündigte Curry eine neue Partnerschaft mit dem chinesischen Sportartikelhersteller Li-Ning an, der Curry-Brand-Produkte künftig produzieren wird. In der Ankündigung wurde zudem erwähnt, dass Golf Teil der Gleichung sein wird. Im größeren Kontext betrachtet, macht dieser Kontrast deutlich, wie sich der Business-Ansatz moderner Athleten verändert.
Mehr denn je setzen Athleten heute auf Ownership und schützen das Asset, das sie selbst geschaffen haben. Statt ihre gesamte Identität an einen einzigen Sponsor zu knüpfen, bauen sie Plattformen auf, die mit ihnen weiterziehen können. Sponsor und Produzent mögen wechseln – die Marke bleibt ihre. In diesem Sinne ist Currys Schritt Ausdruck eines größeren Trends: Die größten Stars mieten sich nicht mehr nur ein, sie besitzen die Bühne.