Frankreich brummt Nintendo 40 Millionen US‑Dollar Strafe für driftende Switch‑Joy‑Cons auf
Das Problem soll fast 155 Millionen Spielerinnen und Spieler weltweit getroffen haben.
Kurzfassung
- Nintendo of Europe hat einem Vergleich in Höhe von 35 Millionen Euro zugestimmt, nachdem französische Behörden Defekte an Controllern untersucht hatten.
- Aufsichtsbehörden warfen der Marke unlautere Geschäftspraktiken vor, weil sie zwischen 2018 und 2023 Informationen zu den Defekten zurückgehalten haben soll.
- Der Spiele-Gigant muss eine offizielle Mitteilung zum Urteil auf seiner regionalen Website veröffentlichen.
Die französische Verbraucherschutzbehörde hat Nintendo of Europe einen empfindlichen Schlag versetzt. Die Direktion für Wettbewerbspolitik, Verbraucherschutz und Betrugsbekämpfung (DGCCRF) verhängte offiziell eine Geldbuße von 35 Millionen Euro (rund 40 Millionen US-Dollar) gegen den Spiele-Giganten. Die Aufseher ahndeten, dass Käuferinnen und Käufer über die Lebensdauer der Nintendo-Switch-Controller in die Irre geführt worden seien. Dieser Schritt beendet eine umfassende Untersuchung des berüchtigten Joy-Con-Drift-Phänomens. Der Hardwarefehler sorgt dafür, dass Analogsticks ohne Eingabe der Spielerinnen und Spieler ungewollte Bewegungen registrieren – und ruiniert so regelmäßig Gaming-Sessions. Berichten zufolge war fast die Hälfte der weltweit 155 Millionen Switch-Nutzerinnen und -Nutzer von Drift-Problemen betroffen.
Französische Behörden kamen zu dem Schluss, dass Nintendo sich auf irreführende Geschäftspraktiken eingelassen habe, indem das Unternehmen aktiv Informationen über bekannte Hardwaredefekte zurückhielt. Intern war der Controller-Fehler bereits 2018 bekannt. Dennoch wartete das Unternehmen bis 2020, um das Problem öffentlich einzuräumen. Nach Ansicht der Aufseher hielt dieses lange Schweigen viele Nutzerinnen und Nutzer davon ab, kostenlosen technischen Support in Anspruch zu nehmen. Unzählige Gamer entschieden sich stattdessen für teure Ersatz-Controller, anstatt das 2019 eingeführte Reparaturprogramm zu nutzen. Die offizielle Untersuchung wurde ursprünglich durch eine scharfe Beschwerde aus dem Jahr 2020 der lokalen Verbraucherschutzorganisation UFC-Que Choisir. Die Organisation übte massive Kritik an der Marke wegen geplanter Obsoleszenz und stellte fest, dass spätere Anpassungen in der Produktion den mechanischen Verschleiß nicht beheben konnten.
Zusätzlich zur hohen Geldstrafe muss Nintendo eine formelle öffentliche Mitteilung mit den Ergebnissen der Untersuchung direkt auf seiner französischen Homepage. Die Marke stimmte dem Vergleich zwar zügig zu, gibt sich gegenüber den Vorwürfen jedoch weiterhin defensiv. In einer Unternehmensmitteilung wurde klargestellt, dass die Zahlung kein Schuldeingeständnis darstellt, sondern ausschließlich einer gütlichen Beilegung des Rechtsstreits dient. Vertreter des Konzerns wiesen jede Absicht zurück, die treue Fanbase bewusst in die Irre geführt zu haben.



















