Denimträume und digitale Täuschung: Nick Doyle zerlegt den American Mythos in „Collective Hallucinations“
Noch bis Monatsende in der Perrotin Gallery New York zu sehen.
Zusammenfassung
- Perrotin New York präsentiert Collective Hallucinations noch bis zum 30. Mai 2026 und zeigt großformatige Denim-Collagen von Nick Doyle
- Die Ausstellung hinterfragt Americana und den „American Dream“ anhand von Symbolen wie Pilotenbrillen und KI-gestütztem Datamining.
Perrotin New York präsentiert derzeit Collective Hallucinations, eine Einzelausstellung mit neuen Werken des in Brooklyn lebenden Künstlers Nick Doyle. Die Ausstellung inszeniert eine provokante Mischung aus Denim-Collagen und einer immersiven KI-Installation und setzt sich mit den Mythen von Americana sowie dem spannungsgeladenen Verhältnis von Land, Technologie und Konsumkultur auseinander.
Geboren in Südkalifornien, ist Doyle vor allem für seine skulpturalen Wandarbeiten aus collagiertem Denim bekannt – ein Medium, mit dem er die sich überlagernden Vermächtnisse von Americana, Kapitalismus und toxischer Männlichkeit befragt. In dieser Ausstellung denkt er den „American Dream“ nicht als Wohlstandsversprechen, sondern als kollektive Illusion neu – und verlagert den Fokus von den historischen Roadtrips des Wilden Westens hin zu den modernen, spekulativen Grenzräumen des digitalen Zeitalters.
Die Ausstellung umfasst überlebensgroße Denim-Metonyme westlicher Ikonografie – etwa Pilotenbrillen, Autoschlüssel und Kakteen – neben aufwendig inszenierten Neuinterpretationen von Ansel Adams’ berühmten Gebirgspanoramen. Während die Originalfotografien den Optimismus der Progressive Era heraufbeschworen, sind Doyles Versionen buchstäblich verstellt – eine liegt hinter einem Maschendrahtzaun verschlossen, die andere ist mit Ziegeln verbarrikadiert – und verweisen auf eine Desillusionierung angesichts des gegenwärtigen Zustands der Kommerzialisierung von Land. Weitere bemerkenswerte Wandarbeiten sind „Borderland“ (2026) und „Articles of Faith“ (2026), die mit indigogefärbter Baumwolle auf die Geschichte des globalen Handels und kolonialer Produktion anspielen.
Als provokanten Wendepunkt in seiner Praxis präsentiert Doyle sein erstes Experiment mit künstlicher Intelligenz in der zentralen Installation „Mirror, Mirror“. Die Struktur erinnert an einen heruntergekommenen Strip-Mall-Bau, der Wahrsagungen bewirbt; im Inneren jedoch begegnen Besucher:innen Ava, einem KI-gesteuerten Avatar, beschrieben als „diva oracle“. Ava tritt dem Publikum mit Reality-Star-Attitüde entgegen, doch ihre eigentliche Funktion besteht darin, Besucher:innen nach aufdringlichen Daten auszuleuchten – und so eine perfide Parallele zwischen dem Datenhunger der KI und den Kommerzialisierungsstrategien vergangener Western-Mythen offenzulegen. Indem Doyle traditionelle Handarbeit mit digitaler Technologie verwebt, macht er deutlich: Auch wenn sich unsere „Frontiers“ verschoben haben, bleibt die Strategie, uns genau das zu erzählen, was wir hören wollen, erstaunlich konstant.
Nick Doyles Collective Hallucinations ist in Perrotins New Yorker Galerie noch bis zum 30. Mai 2026 zu sehen.
Perrotin New York
130 Orchard St, New York,
NY 10002, United States


















