Instagram testet freiwillige „AI Creator“-Labels
Mit dem neuen AI-Creator-Tag können Creator ihre KI-generierten Inhalte klar kennzeichnen – während Meta wegen mangelhafter Deepfake-Transparenz in der Kritik des Oversight Board steht.
Kurzüberblick
- Instagram testet ein freiwilliges Label „AI Creator“, das Nutzer:innen helfen soll, Accounts zu erkennen, die regelmäßig KI-generierte Inhalte teilen.
- Das auf Account-Ebene vergebene Tag erscheint sowohl auf Profilen als auch direkt bei Inhalten und formuliert deutlich klarer als bisherige Badges, worum es geht.
- Das Update kommt zu einem Zeitpunkt, an dem unabhängige Watchdogs freiwillige Kennzeichnungsmodelle für hochriskante generative Medien scharf kritisieren.
Instagram testet derzeit ein neues „AI Creator“-Label, das für mehr Transparenz bei Accounts sorgen soll, die stark auf künstliche Intelligenz setzen. Das Feature ermöglicht es digitalen Creator:innen, freiwillig offenzulegen, dass die Inhalte auf ihrem Profil mit KI erstellt oder bearbeitet wurden. Die Kennzeichnung ist direkt auf Profilseiten, in Reels und in klassischen Grid-Posts sichtbar und schafft damit eine deutlich klarere Offenlegung als die vagen „AI Info“-Hinweise, die bislang nur signalisierten, dass Inhalte „möglicherweise“ auf Machine-Learning-Tools zurückgegriffen haben.
Das überarbeitete Kennzeichnungssystem ist weiterhin vollständig optional und setzt auf die Selbstdeklaration der Creator, statt auf einen verpflichtenden, plattformweiten Durchsetzungsmechanismus. Dieser Kurswechsel fällt in eine Phase, in der Meta besonders unter Beobachtung steht: Der Tech-Konzern sieht sich wachsendem Druck im Umgang mit synthetischen Medien ausgesetzt – insbesondere nach deutlichen Empfehlungen seines unabhängigen Oversight Board.
In seiner Analyse der ungebremsten Verbreitung irreführender Inhalte während des Israel-Iran-Konflikts 2025 kritisierte das Gremium die inkonsistente Fähigkeit der Plattform, manipulierte Beiträge zu erkennen und zu kennzeichnen. In der Krise erzielten gefälschte Videos enorme Abrufzahlen; sowohl staatliche Akteure als auch einzelne Seiten wurden beschuldigt, KI-gestützte Einflusskampagnen zu fahren. Das Board stellte ausdrücklich fest, dass die derzeitigen Gegenmaßnahmen – insbesondere solche, die stark auf freiwillige Selbstauskunft oder generische Infokennzeichnungen setzen – weder robust noch umfassend genug sind, um der schieren Menge und Geschwindigkeit heutiger Deepfakes standzuhalten.
Die ungebremste Verbreitung synthetischer Medien zahlt direkt auf den sogenannten „liar’s dividend“ ein – ein psychologisches Phänomen, bei dem die Öffentlichkeit zunehmend die Fähigkeit verliert, Wahrheit von Fälschung zu unterscheiden, was zu einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber allen digitalen Informationen führt. Als Reaktion darauf fordern unabhängige Gutachter:innen die umgehende Einführung eines eigenen Community-Standards speziell für generative Medien. Sie empfehlen entschlossene Verfahren, um Hochrisiko-Kennzeichnungen zu vergeben, die nicht auf freiwilliger Mitwirkung beruhen.
Das neue Badge ist zwar ein kulturell sensibler Schritt, um Vertrauen zwischen transparent agierenden Digital Artists und ihren Communities zu stärken, doch Kritiker:innen betonen, dass ein reines Opt-in-Tool strukturelle Grenzen hat. Solange Plattformen die Metadata-Standards der Coalition for Content Provenance and Authenticity (C2PA) nicht nahtlos und flächendeckend integrieren, dürfte ein Ehrenkodex allein den Kampf gegen böswillige Desinformation kaum spürbar voranbringen.





















