'Aftersun' lässt uns einfach nicht los
Eine sonnengetränkte Obduktion von Kindheitserinnerungen, in der das grelle Licht langsam die Schatten des Verlusts freilegt.
Charlotte Wells’ Aftersun ist erfüllt von einer ganz eigenen, sonnengetränkten Traurigkeit, die man so schnell nicht wieder loswird. Der Film, der inzwischen als moderner Klassiker gilt, wirkt wie ein autoptischer Blick in eine Erinnerung in High Definition. Die Regisseurin balanciert auf dem schmalen Grat zwischen dem, was wir erinnern, und dem, was tatsächlich passiert ist – und erschafft eine Geschichte, die sich anfühlt, als würde man ein Foto entwickeln, während der Raum langsam in Flammen aufgeht.
Das schimmernde 35mm-Filmkorn des mediterranen Horizonts in Aftersun steht in scharfem Kontrast zur schonungslos pixeligen Ehrlichkeit von MiniDV-Homevideos und versetzt das Publikum in ein emotionales Hin und Her. Paul Mescal spielt Calum, einen Mann, dessen Liebe zu seiner Tochter ebenso unverkennbar ist wie die Depression, die er zu verbergen versucht. Seine Darstellung ist verheerend leise. Frankie Corios Sophie ist die perfekte Beobachterin und fängt genau den Moment ein, in dem ein Kind begreift, dass sein Elternteil ein eigenständiger Mensch mit einer verborgenen inneren Welt ist.
Wenn der Film schließlich seinen Höhepunkt erreicht, ist die Ferienillusion endgültig entzaubert. Der „letzte Tanz“, eine Szene, die zu einer der eindrücklichsten Darstellungen von Trauer der Filmgeschichte geworden ist, lässt uns mit schwerem Herzen zurück. Es gibt keine einfachen Antworten, keine großen Gefechte. Stattdessen erleben wir eine körperliche, sinnliche Erfahrung des Zurückblickens – und sehen endlich die Schatten, die im Licht verborgen waren.
Aftersun ist jetzt im preisgekrönten Bordunterhaltungssystem von Cathay Pacific.



















