Die erste umfassende Retrospektive, die NIGO außerhalb Japans gewidmet ist, hat in Großbritannien im Design Museum in London eröffnet.
Mit Hunderten von Objekten aus seinem persönlichen Archiv sowie ausgewählten Leihgaben von Marken wie Kenzo und Louis Vuitton ist die Ausstellung „NIGO: From Japan With Love“ eine wahre Schatzkammer seltener Stücke, von denen viele noch nie zuvor gezeigt wurden.
Zusammen zeichnen sie ein Bild von NIGOs bisheriger Karriere: Die Schau beginnt mit einer Rekonstruktion seines Jugendzimmers und endet mit einem keramikgefüllten Teehaus, das der Lebensphase gewidmet ist, in der er sich derzeit befindet.
„Wir wussten, dass NIGO eine riesige Mode- und Kleidungssammlung hat, aber erst als wir in seinem Studio in Tokio ankamen, wurde uns klar, dass er noch so viel mehr besitzt“, erzählt Kuratorin Esme Hawes Hypebeast.
„[Um sie auszuwählen], haben wir sehr eng mit ihm zusammengearbeitet, denn viele der Geschichten, die wir in der Ausstellung erzählen, wurden noch nie aufgeschrieben – es sind mündlich überlieferte Erzählungen, die nur NIGO selbst kennt.“
Im Vorfeld der Ausstellungseröffnung haben Kuratorin Esme Hawes und NIGO 15 Objekte ausgewählt, die man auf keinen Fall verpassen sollte.
507XX-Jacke, Levi’s
„Das ist das erste Levi’s-Teil, das NIGO sich als Teenager gekauft hat. Es ist das zweite Levi’s-Modell, aus dem Jahr 1986. Es war sein erstes Vintage-Piece, und er hat es ständig getragen. Man sieht, wie sehr es geliebt wurde – voller Flicken, kurz vorm Auseinanderfallen. Für mich verkörpert dieses Stück NIGOs Liebe zu Kleidung, insbesondere zu Vintage, aber auch seine Sammelleidenschaft.“
Whizit-Latzhose, Lee, 1927
„Eines von NIGOs Lieblingsstücken – und eines der seltensten in seiner Vintage-Sammlung: Diese beliebten Workwear-Overalls waren die ersten, die statt Hakenverschlüssen einen Reißverschluss verwendeten. Lee veranstaltete einen Wettbewerb, um die Latzhose zu benennen. Der Siegername ‚Whizit‘ – eine Anspielung auf das Surren des neuen Zippers – blieb hängen. Die Hose wurde durch Celebrity-Endorsements und PR-Stunts schnell berühmt, unter anderem beim National Corn Huskers Contest 1927, bei dem acht der zehn Gewinner ein Paar trugen.“
Work Caps
„NIGO ist fasziniert von den praktischen Kleidungsstücken, die die industrielle Vergangenheit der USA geprägt haben. Ihre funktionalen Schnitte und der innovative Materialeinsatz sind wichtige Referenzen für sein Label HUMAN MADE. Diese Work Caps entstanden zwischen den 1930er- und 1960er-Jahren – darunter eine seltene originale Carhartt-Cap aus den 1930ern – und sind unverkennbar Teil von NIGOs täglichem Signature-Look.“
Erste NOWHERE-Shopping-Bag überhaupt
„Am 1. April 1993 eröffneten NIGO und Jun Takahashi – den er während seiner Zeit am Bunka Fashion College kennenlernte – den Store NOWHERE. Getrennt durch einen Maschendrahtzaun verkaufte der Laden zunächst auf der einen Seite Takahashis Label UnderCover und auf der anderen eine Auswahl amerikanischer Sportswear-Favoriten aus NIGOs Markenkosmos. Der Name spielt auf The Beatles’ ‚Nowhere Man‘ an und zugleich auf das Wortspiel ‚NOW HERE‘. Ganz im DIY-Geist wurden Logos von Hand auf Kartons und Bags gestempelt – so auch auf diese.“
NOWHERE-Store-Schild, 1993
„Dieses Schild stammt aus dem ursprünglichen NOWHERE-Store in Harajuku. NOWHERE markiert einen entscheidenden Moment, denn hier lancierte NIGO A Bathing Ape – wohl jene Brand, für die er weltweit am bekanntesten ist.“
NOWHERE-Gift-Box zum 3. Jubiläum, 1996
„Zu seinen Jubiläen brachte NOWHERE eigens gestaltete Merch-Boxen heraus – ein Hinweis darauf, dass sich die Gründer schon früh der kulturellen Strahlkraft des Shops bewusst waren. Darin fanden sich nicht nur Erinnerungsbücher, sondern auch T-Shirts, Flyer, Toys und Sticker. Diese Box zum 3. Jubiläum mit ihrer kreativen Packaging-Idée kündigt bereits den verspielten Humor an, der später zu NIGOs Markenzeichen werden sollte.“
„A-Bomb T-Shirt“, BAPE, 1993
„Die Debütkollektion von A Bathing Ape umfasste eine kleine Auswahl an Jacken und T-Shirts – so klein, dass jeweils nur fünf Exemplare pro Style produziert und im Store verkauft wurden. Dieses Shirt gehört zu den allerersten BAPE-T-Shirts und ist unter Sammler:innen als ‚A-Bomb T-Shirt‘ aus dem Jahr 1993 bekannt. Es zeigt eine Grafik von Sk8thing und das sogenannte ‚Boombox Tag‘, das nur auf den frühesten Designs auftaucht.“
BAPE-Nylonjacke aus der Early Era
„BAPE war am Anfang extrem DIY, manchmal wurden tatsächlich nur fünf Teile gemacht“, sagt Assistenzkuratorin Rosa Abbott. „Das lag zum einen daran, wie begrenzt NIGOs eigene Produktionsmöglichkeiten waren, aber es sorgt natürlich auch dafür, dass die Pieces umso begehrter werden, wenn sie so streng limitiert sind“, so Abbott.
„Das war das allererste Teil, das im Magazin The Face zu sehen war. Der US-Graffiti-Künstler Futura trug diese Jacke, die er in London gekauft hatte, als ich ihn zum ersten Mal in Tokio traf“, erinnert sich NIGO.
Ape Map of Harajuku, 1996
„Mitte der 1990er-Jahre expandierte A Bathing Ape und eröffnete weitere Stores in Tokio, darunter ‚geheime‘ Shops, die auf dieser ‚Ape Map‘ dezent markiert sind. Der subtil eingezeichnete Secret Store hieß ‚Concept‘, und bestimmte Pieces gab es exklusiv nur dort zu kaufen.“
BAPE-Camo-Hemd
„Das allererste Piece im ikonischen BAPE Camo. NIGO wollte für seine Brand ein eigenes, sofort wiedererkennbares Muster – so wie das Monogram von Louis Vuitton. Camo war die Antwort. Das 1996 entstandene Muster ‚1st Camo‘ war das erste von vielen eigens entwickelten Camouflage-Designs. Der Print interpretiert ein Cloud-Camo in Olivtönen neu und ergänzt es um einen verzerrten Affenkopf – eine Adaption der ‚Duck Hunter‘-Muster des US Marine Corps. In zahllosen Varianten zierte der Print seither alles: von Sneakers, Klopapier und Schreibwaren bis hin zu Mid-Century-Möbeln und Vintage-Cars.
Hip-Hop-Ikone Biggie Smalls, auch bekannt als The Notorious B.I.G, katapultierte den BAPE-Camo-Print schließlich zu globalem Ruhm. Für den Rapper wurden eigens XXL-Custom-Pieces angefertigt, die ihn jedoch tragischerweise nicht mehr rechtzeitig vor seinem frühen Tod 1997 erreichten.“
BAPE-Sweatshirts aus der Early Era
„Einige der allerersten BAPE-Designs, gedruckt auf Camber-Sweatshirts und versehen mit dem ‚Boombox‘-Tag. Wenn ihr dieses Boombox-Tag seht, handelt es sich um extrem frühe BAPE-Pieces – nur sehr wenige Designs tragen es.“
BAPE-Pepsi-Dosen
„Im Jahr 2001 trat NIGO an Pepsi heran, um eine limitierte BAPE-Merch-Kollaboration zu starten. Die Zusammenarbeit ebnete den Weg für spätere, hochkarätige Fashion-Corporate-Partnerschaften. NIGOs Idee: Pepsi-Dosen mit seinem ikonischen Camo-Print zu versehen und BAPE so einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die Dosen kosteten weniger als einen Dollar und waren damit das günstigste BAPE-Item überhaupt – und wurden sofort zu begehrten Collectibles, nach denen Hardcore-BAPE-Fans bis heute jagen.“
HUMAN MADE „Yokosuka Jumper“-Souvenirjacke
„Eines der ersten Pieces, die NIGO für HUMAN MADE entwarf: Die Jacke ist inspiriert von seiner Sammlung an Vintage-Sukajan-Jacken. Die vom Flight Jacket abgeleitete Silhouette bleibt, aber die klassischen Tiermotive werden futuristisch neu interpretiert – Bären erscheinen hier als stilisierte Raketen. Die Stickereien, die über den Print gelegt sind, verleihen dem Ganzen zusätzliche Tiefe und Textur.“
Varsity-Jacke, Nike × NIGO, 2024
„2024 lud Nike NIGO ein, eine Reihe exklusiver Air-Force-III-Sneaker und dazu passende Apparel-Kollektionen zu entwerfen. Dieses spezielle Piece war ein streng limitierter Friends-and-Family-Colorway und kam daher nie in den regulären Verkauf.“
Varsity-Jacke, Nike × NIGO, 2024
„2025 holte NIGO Levi’s für eine gemeinsame Kollaboration mit Nike ins Boot und entwickelte eine Denim-Version des klassischen Air Force III Low. In der Kampagne taucht dieser lebensgroße Aufsteller von NIGO als Denim-Cowboy auf – inspiriert von einem Levi’s-Holzaufsteller aus den 1940er- und 50er-Jahren, den er zuvor gesammelt hatte.“