Kurzüberblick
- Banksy hat auf dem Waterloo Place in London eine neue Skulptur eines gesichtslosen Fahnenträgers installiert.
- Fans spekulieren, dass das Werk, das zwischen Figuren britischer Geschichtsikonen steht, ein Kommentar dazu ist, wie Menschen von Macht geblendet werden können.
Im Herzen Londons ist soeben ein neues Banksy-Original aufgetaucht. Auf dem geschichtsträchtigen Waterloo Place inszeniert, zeigt die Skulptur eine elegant gekleidete Figur, der mit der eigenen Flagge die Augen verbunden sind, während sie selbstbewusst von ihrem Sockel herabmarschiert.
In der Nacht zu Mittwoch wurde das Werk per Kran auf dem Platz abgesetzt. Mit „Banksy“ am Sockel bekritzelt, zog die Skulptur rasch die Aufmerksamkeit der Fans des scheuen Street-Art-Superstars auf sich, der das Werk in einem heute auf Instagram geposteten Video bestätigte.
Das Viertel St James’s ist für seine Monumente britischer Imperiumsfiguren bekannt. Der neue Banksy steht neben monumentalen Bronzen von Edward VII. und Florence Nightingale sowie dem Crimean War Memorial, überragt von einer vergoldeten Athena, die die Fassade des Athenaeum Club krönt.
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Eine Figur wie den Fahnenträger in dieses Pantheon von Persönlichkeiten zu stellen, ist politisch höchst provokant – ganz im erwartbaren Stil des Künstlers. Viele bisherige Deutungen von Fans lesen die Statue als Kommentar zu „blindem Patriotismus“ und dazu, wie Machtstrukturen sich bedenkenlos selbst in den Abgrund treiben können.
Unklar ist, wie lange die Statue überhaupt bleiben wird – blickt man auf Banksys letzte Interventionen in London zurück, vermutlich nicht allzu lange. Im vergangenen Jahr tauchten mehrere Murals des Künstlers in der ganzen Stadt auf und lenkten den Blick auf Themen wie Protest, Konflikt, Überwachung und Klasse. Im September schlug etwa ein auf einen Demonstrierenden einprügelnder Richter an den Mauern der Royal Courts of Justice in London auf – und seine Entfernung sorgte für ebenso viel Aufregung wie seine Anbringung.