Wie Rong Baos abgefahrene aufblasbare Skulpturen den Ernst des Alltags platzen lassen
Die in London lebende Künstlerin entführt uns in ihre spielerisch absurde Welt.
Rong Bao treibt die Absurditäten des heutigen Lebens so sehr auf die Spitze, dass man sie schlicht nicht mehr übersehen kann. Die in London lebende Künstlerin sticht mit außerirdisch anmutenden Installationen und kinetischen Skulpturen Löcher in die Fassade der Produktivität und erschafft in den Ritzen unserer Komfortzone Spielplätze sinnlicher Rebellion.
Ursprünglich in Malerei und Zeichnung ausgebildet, fand Bao erst an der Universität zur Bildhauerei. Sie studierte Public Sculpture an der China Academy of Art und später an der School of the Art Institute of Chicago. Nach ihrem Aufenthalt in den USA zog es sie nach London, wo sie einen MA am Royal College of Art machte. Nur ein Jahr nach ihrem Abschluss, mit gerade einmal 28, sicherte sich die Künstlerin ihre erste Soloschau – ausgerechnet in der Saatchi Gallery – und schrieb Geschichte als erste Chinesin, die dort eine Einzelausstellung realisierte.
Baos Arbeiten bewegen sich in den Grenzgebieten zwischen Zartheit und Humor, Absurdität und Empathie. Sie arbeitet mit einem selbstbewussten, zugleich behutsamen Zugriff. Ihre zweifellos lebendigen „Soft Sculptures“ helfen uns, spielerisch jene Routinen zu erschüttern, gegen die wir längst abgestumpft sind: Überkonsum, Hyper-Effizienz und der unablässige Geschwindigkeitsrausch, der unseren Alltag heimsucht.
Wir haben Bao in ihrem Studio getroffen, um mehr über ihre kreative Reise und ihre Soft Power in skulpturaler Form zu erfahren.
„Die nächste Skulptur wird immer meine liebste sein.“
Wie würdest du deine Praxis beschreiben?
Ich arbeite mit Skulptur, Raum und Körper, um sinnliche Erfahrungen zu schaffen, die zwischen Verspieltheit und Unbehagen oszillieren.
Wo findest du Inspiration?
In Alltagssystemen, im öffentlichen Raum und im unbewussten Befolgen der Regeln, die in unsere heutige Gesellschaft eingeschrieben sind
Was ist die Entstehungsgeschichte deines Stils?
Ich habe mir meinen Stil nicht bewusst ausgesucht – er ist langsam durch Wiederholungen, Fehler und dadurch entstanden, dass ich den Reaktionen der Menschen auf meine Arbeiten zugehört habe.
Erzähl uns die Geschichte deiner ersten Skulptur.
Meine erste Skulptur habe ich im College gemacht, 2016. Wir lernten damals den menschlichen Körper, Skelett und Muskeln kennen – also wurde es ein traditioneller Figurenkopf aus Ton.
„Mich interessiert es, Situationen zu schaffen, in denen Menschen zuerst fühlen und erst danach denken.“
Hast du eine Lieblingsskulptur?
Die nächste Skulptur wird immer meine liebste sein.
Was würde das Publikum an dir überraschend finden?
Viele kennen vielleicht nur meine jüngeren Arbeiten, die farbenfroh, minimalistisch und eher abstrakt und zeitgenössisch sind – aber tatsächlich wurde ich von klein auf sehr streng in Ölmalerei und Zeichnung ausgebildet.
Führ uns durch den Entstehungsprozess eines Werks – von der Idee bis zur Installation.
Normalerweise beginne ich mit Skizzen und digitalen Modellen. Ich teste Materialien zunächst im kleinen Format und suche mir dann einen Produzenten, der mir hilft, das Ganze in Originalgröße umzusetzen. Manche Arbeiten entstehen unglaublich schnell, andere Projekte dauern über ein Jahr – das ist wirklich von Fall zu Fall verschieden.
Was ist die Funktion von Kunst?
Ich glaube nicht, dass Kunst sich vollständig erklären muss. Mich interessiert es, Situationen zu schaffen, in denen Menschen zuerst fühlen und erst später nachdenken.
Machst du Kunst für dich selbst oder für andere?
Für beides. Meist beginnt alles mit einem kleinen Funken für mich selbst. Doch wirklich vollendet ist ein Werk erst, wenn das Publikum es erlebt.



















