Chanel im funkelnden Wandel: Die große Metamorphose für FW26
Für seine zweite Kollektion lässt Matthieu Blazy das Spannungsfeld zwischen Funktion und Fantasie aufleben – inspiriert vom Lebenszyklus eines Schmetterlings.
Zusammenfassung
- Chanel präsentierte seine mit Spannung erwartete Herbst/Winter-2026-Kollektion im Grand Palais während der Paris Fashion Week, unter der kreativen Leitung von Matthieu Blazy.
- Inspiriert von einem berühmten Zitat Gabrielle Chanels erforscht die Kollektion die Dualität von „Raupe und Schmetterling“ und gleitet mühelos von strenger, funktionaler Daywear zu irisierenden, opulent verzierten Abendauftritten.
- Der Runway stellte radikal veränderte Silhouetten in den Mittelpunkt – darunter dramatisch tiefergesetzte Taillen und flexibles Tweed-Tailoring – flankiert von Statement-Accessoires wie pastellfarbenen Cap-Toe-Boots und einer verspielten Granatapfel-Minaudière.
Matthieu Blazy ist nun endgültig in seiner Rolle an der Spitze von Chanel angekommen, und sein jüngster Auftritt beweist, dass er bereit ist, das legendäre Pariser Maison auf spektakuläre neue Höhen zu führen. Inszeniert unter einem Dach aus bunt illuminierten Kränen im abgedunkelten Grand Palais, zeigte die Chanel Herbst/Winter-2026-Show eine meisterhafte Studie der Verwandlung. Für seine zweite Ready-to-Wear-Kollektion ließ sich der Creative Director unmittelbar von Gabrielle „Coco“ Chanels Überzeugung inspirieren, dass Mode sowohl das Funktionale als auch das Fantastische verkörpern müsse – eine betörend schöne Illustration der Metamorphose von der geerdeten Raupe zum schillernden, nächtlichen Schmetterling.
Das konzeptionelle Fundament der FW26-Kollektion war das inhärente Paradox der Chanel-Frau: vernünftig und doch verführerisch, bei Tag wie bei Nacht. „Mode ist Raupe und Schmetterling zugleich“, bemerkte Blazy und zitierte damit die Gründerin des Hauses. „Wir brauchen Kleider, die kriechen, und Kleider, die fliegen.“ Spiegelbildlich hierzu begann die Show mit bewusst inszenierter Strenge. Geerdete, hochdisziplinierte Daywear rückte in den Fokus: schwarze Strickjacken mit Zipper, kastige Overshirts und akkurat gepresste Tweed-Blousons. Blazy dachte den ikonischen Chanel-Anzug als flexible, zeitgemäße Leinwand neu, zeigte lässige Twinsets und integrierte das charakteristische „Work Shirt“, nonchalant unterm klassischen Blazer hervorblitzend getragen.
Im Verlauf der Kollektion manifestierte sich der gewagteste Bruch in radikal veränderten Proportionen. Blazy setzte Taillen dramatisch tief, Gürtel rutschten bis auf Oberschenkelhöhe, und Faltenröcke fielen weit unter die klassischen Saumlinien. Die entstehende Silhouette wirkte wie eine zeitgenössische, lässige Übersetzung der Flapper-Eleganz der 1920er-Jahre – gefiltert durch den Blick auf den modernen Alltag.
Als der Tag schließlich in die Nacht überging, explodierte die Kollektion in spektakulärer, kompromissloser Irisierung. Als metaphorischer Schmetterling abhebend, offenbarte die Eveningwear eine atemberaubende Handwerkskunst auf Couture-Niveau. Funkelnde, paillettenbesetzte Karosuits, perlenbestickte Mäntel, die mit Sternenkarten-Stickereien leuchteten, und metallische Mesh-Stoffe, verwoben zu klassischen Tweed-Motiven, eroberten den Runway vollends. Eruptionen aus Stoffblüten, schwingenden Bändern und zarten Spitzenapplikationen verwandelten die Pieces in fließende, kinetische Kunstwerke, die unweigerlich alle Blicke auf sich zogen.
Um die Verwandlung zu vollenden, tauchten Accessoires und Beauty-Looks tief in die Sphäre des Fantastischen ein. Die Models trugen markante, silberfarbene Chignons, intensiven Glitter und pastellgetönte Perücken, die perfekt zu pastellfarbenen, zweitenhautengen Cap-Toe-Boots harmonierten. Ebenso verspielt präsentierten sich die Lederwaren: eine beigefarbene Velours-Shoulder-Bag, inspiriert von der matelassé-gepolsterten Couch in Gabrielle Chanels legendärem Apartment in der Rue Cambon, flankiert von einer extravaganten, irisierenden Granatapfel-Minaudière.
Indem er die Kluft zwischen alltäglicher Funktionalität und ungebremstem Spektakel schließt, entwirft Matthieu Blazy eine zutiefst poetische, ambitionierte Vision für Chanels Zukunft. Die FW26-Kollektion beweist, dass das traditionsreiche Haus weiter baut, sich wandelt und vor allem eines ist: bereit zum Abheben.



















