Zusammenfassung
Der US-amerikanische Künstler Chase Hall hat für die Ausstellungsreihe des Parrish Art Museum und der FLAG Art Foundation ein neues Werk mit dem Titel „The Affrilachian Mountains“ (2026) geschaffen
Das Werk setzt sich über seine Motive und Materialien – darunter Fundstücke sowie Kaffee als Pigment – mit der rassistisch geprägten Geschichte von Arbeit, Handelsgütern und Globalisierung auseinander
Das Gemälde ist ab sofort bis zum 25. Januar 2027 im Parrish Art Museum in New York zu sehen
Der amerikanische Künstler Chase Hall, bekannt für seine aus frisch gebrühtem Kaffee gefertigten Gemälde, verriet einmal, dass er für eine einzige Komposition bis zu 100 Espressi zubereitet. Die Idee für dieses einzigartige Material entstammt seiner Erfahrung als Barista. Doch die bernsteinfarbenen und umbrabraunen Flächen, die so auf der Leinwand entstehen, zeugen von mehr als nur seiner Liebe zum Kaffee – sie führen durch die komplexe Geschichte von Kolonialismus, Handel und Arbeit.
Das Parrish Art Museum und die FLAG Art Foundation haben Hall kürzlich beauftragt, ein neues Werk für die aktuelle FRESH PAINT-Ausstellung zu kreieren, die bis zum 25. Januar 2027 läuft. In dem daraus entstandenen Gemälde „The Affrilachian Mountains“ (2026) porträtiert Hall eine Gruppe von Bergarbeitern. Damit beleuchtet er die Zeit nach der Abschaffung der Sklaverei, als Tausende Afroamerikaner auf der Suche nach Arbeit in den Kohleminen in die Appalachen zogen.
Wie bei vielen von Halls energiegeladenen figurativen Arbeiten besteht der Grundton aus Acryl und Kaffee – gebrüht und geröstet, um besonders satte Farbpaletten zu erzielen. All dies wird auf ungrundierte Leinwand aufgetragen, die wirkt, als würde die weiße Farbe förmlich aus ihr herausbrechen. In dieses spezielle Werk sind zudem verschiedene Fundstücke eingearbeitet, darunter antike landwirtschaftliche Werkzeuge und verrostete Dosen, die einst Kaffee, Tabak und Malzlikör enthielten. So legt der Künstler den Finger auf die Wunden der amerikanischen Geschichte im Hinblick auf Rohstoffe, Ausbeutung und Rassismus.
Als biracial Künstler verleiht Hall in seinem Gesamtwerk der Dualität Form. Seine Arbeiten spannen den Bogen vom Persönlichen zum Generationenübergreifenden, von Visionen der Arbeit bis hin zur Freizeit. Dabei setzt er sich nicht nur mit dem Dazwischen auseinander, sondern auch mit den Codes und Bedingungen von ethnischer Identität. „In diesen Szenen liegt ein unbestreitbares Gefühl von Freiheit, das Identität nicht als Sklave von Grenzen und Klassifizierungen begreift“, so das Parrish Art Museum, „sondern als einen Raum grenzenloser Möglichkeiten.“
„Wenn ich ehrlich bin, vertraue ich einfach auf das, was ich in meinem Studio tue und was ich aussagen möchte. In meiner Kunst geht es darum, Raum für mein jüngeres Ich zu schaffen, aber auch für eine offenere, kritischere und nuanciertere Welt“, ergänzt Hall in einem Gespräch mit dem Autor und Kurator Ekow Eshun. „Das ist einfach mein Ort. Ich kann der Welt meine Stimme entgegenwerfen – in der Hoffnung, dass dies etwas auslöst, das sie ein Stück weit besser macht, als ich sie vorgefunden habe.“
Chase Halls Ausgabe von FRESH PAINT ist ab sofort in New York zu sehen.
Parrish Art Museum
279 Montauk Hwy,
Water Mill, NY 1197