Damien Chazelles „Babylon“: Das verkanntes Meisterwerk
Trotz aller Vorwürfe des Exzesses ist dieses maximalistische Epos eine packende, stilvolle Liebeserklärung an Hollywood.
Wir sind 2022 mit Babylon komplett falsch abgebogen. Die reflexhafte Panik vor drei Stunden Laufzeit, Körperflüssigkeiten und blankem Exzess belegte den Film mit einem Stigma, das er zu seinem Kinostart leider nicht mehr abschütteln konnte. Mit ein wenig Abstand ist jedoch ziemlich klar: Damien Chazelles Werk ist ein maximalistisches Monument an das betörende, kokaingetriebene Chaos des frühen Hollywood.
In einer Zeit, in der sichere, algorithmisch getrimmte Blockbuster das Kino dominieren, war Babylon ein Außenseiter ohne echte Chance. Chazelles wilde, geradezu körperliche Autopsie der 1920er-Jahre zeigt den Wandel der Branche von Stummfilmen zu „Talkies“ als weit mehr als bloßen technischen Fortschritt – es war ein turbulenter Umbruch, der seine Legenden verschlang und wieder ausspuckte. Das Ergebnis? Ein immersiver FSK-16-Fiebertraum.
Abseits der grandiosen Schauspielkunst hat Babylons ästhetischer Aufstand dank Kostümbildnerin Mary Zophres auch subtil in die Welt der High Fashion hineingestrahlt. Statt der sattsam bekannten Great-Gatsby-Flapper-Klischees setzte sie auf eine rauere, bewusst anachronistische Note – und hob Babylon weit über das hinaus, was man von einem Kostümfilm erwartet. Margot Robbies ikonisches Ensemble mit rotem Schal löste eine Welle des „Naked Dressing“ auf den Runways aus, während Brad Pitts lässig fallende Matinee-Idol-Silhouetten jüngste Kollektionen von Prada und Amiri geprägt haben. Babylon ist eine Tragödie im maßgefertigten Smoking – ein Liebesbrief an das Medium, verfasst von jemandem, der keine Angst hat, das Blut auf der Seite zu zeigen.
Babylon ist jetzt über das preisgekrönte Bordunterhaltungssystem von Cathay Pacific.



















