Russlands Justizministerium stuft Pussy Riot als „extremistische Organisation“ ein
Das Kunst- und Aktivismus-Kollektiv Pussy Riot ist in Russland nun offiziell verboten und als Bedrohung für die nationale Sicherheit eingestuft.
Zusammenfassung
- Russland stufte Pussy Riot am 15. Dezember 2025 als „extremistische Organisation“ ein und untersagte damit jegliche Aktivitäten.
- Nadya Tolokonnikova bleibt unbeugsam, obwohl das Urteil Unterstützer bereits für den bloßen Besitz von Symbolen der Gruppe mit Gefängnis bedroht.
- Die einflussreiche Kunst der Gruppe, darunter„Punk Prayer“, setzt sich trotz staatlicher Repression unbeirrt fort.
Das russische Justizministerium hat das kunstaktivistische Kollektiv Pussy Riot am 15. Dezember 2025 nach einem Urteil des Tverskoi-Bezirksgerichts in Moskau offiziell als „extremistische Organisation“ eingestuft. Unter dem Vorsitz von Richterin Maria Moskalenko verbietet das Urteil faktisch alle Aktivitäten des Kollektivs in Russland und stilisiert die Protestgruppe zur Bedrohung der nationalen Sicherheit. Diese Einstufung krönt eine lange Vorgeschichte zwischen der Richterin und dem Kollektiv: Bereits 2011 ließ Moskalenko den Pussy-Riot-Weggefährten Peter Verzilov sowie die Oppositionspolitiker Ilya Yashin und Alexei Nawalny inhaftieren, die sie aus ihrer Zelle heraus mit einem Schild attackierten, auf dem stand: „RICHTERIN MOSKALENKO DIENT SATAN.“
Gründerin Nadya Tolokonnikova, derzeit im Exil und sich selbst als „geografisch anonym“ bezeichnend, reagierte trotzig auf das Urteil und erklärte: „Im heutigen Russland ist es Extremismus, die Wahrheit zu sagen.“ Der Entscheid hat drastische Folgen für Unterstützerinnen und Unterstützer: Schon der Besitz der ikonischen Sturmhaube, eines Pussy-Riot-Songs oder ein „Like“ unter einem Social-Media-Post kann nun Gefängnis nach sich ziehen. Diese jüngste Eskalation folgt auf die Verurteilung von fünf Mitgliedern im September 2025 in Abwesenheit – darunter Maria Alyokhina und Taso Pletner – zu langjährigen Haftstrafen zwischen acht und dreizehn Jahren wegen der Verbreitung „falscher Informationen“ über das russische Militär.
Der Wandel des Kollektivs von Punk-Protestierenden zu globalen Kunstikonen zeigt sich in mehreren markanten Werken, die den Kreml immer wieder erzürnt haben. Die Aktion von 2012„Punk Prayer“ im Moskauer Christ-Erlöser-Dom gilt nach wie vor als Schlüsselwerk und wurde vonThe Guardianals eines der besten Kunstwerke des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Jüngst sorgte Tolokonnikovas Installation von 2023,„Putin’s Ashes“, in der Jeffrey Deitch Gallery – mit abgefüllter Asche eines verbrannten, drei Meter hohen Porträts des Präsidenten – dafür, dass sie auf Russlands Fahndungsliste landete. Zuletzt feierte ihre Langzeitperformance-Installation „POLICE STATE“ Ende 2025 im Museum of Contemporary Art (MCA) Chicago Premiere und verwandelte den Theatersaal in eine klaustrophobische, überwachte Zelle, um die Brutalität unnachgiebiger staatlicher Kontrolle unmittelbar erfahrbar zu machen.



















