Warum es egal ist, dass Kenny Beats jetzt unter seinem bürgerlichen Namen auftritt
Kein Grund zum Grübeln: Die „Kenneth Blume“-Ära ist eigentlich etwas Gutes – ein ganz normaler Schritt in seiner kreativen Evolution.
Warum es egal ist, dass Kenny Beats jetzt unter seinem bürgerlichen Namen auftritt
Kein Grund zum Grübeln: Die „Kenneth Blume“-Ära ist eigentlich etwas Gutes – ein ganz normaler Schritt in seiner kreativen Evolution.
Erinnerst du dich noch an deinen allerersten E‑Mail‑Handle? Wahrscheinlich irgendwann in der Mittelstufe erstellt und sehr wahrscheinlich mit einem Hinweis auf ein prägendes Hobby, ein typisches Merkmal oder eine damalige Obsession. Meiner hieß übrigens „elainaisamazinggg“. Der von Kenneth Blume war „kennybeats“.
Und so beginnt die Legende von Kenny Beats.
Zur Überraschung vieler (und zum Ärger mancher) hat die treibende Kraft der zeitgenössischen Musikproduktion seinen berüchtigten Künstlernamen abgelegt und ist auf eine elegantere Variante umgestiegen – er tritt nun unter seinem bürgerlichen Namen Kenneth Blume auf.
They are telling me my new tag needs to be “hold your horses Kenneth”
— kenneth blume (@kennybeats) November 24, 2025
Einige Musikkritiker:innen und Fans waren schnell mit der Theorie zur Stelle, die Namensänderung markiere einen Fokuswechsel bei Kenny und deute vor allem darauf hin, dass sich der Produzent vom Hip-Hop entferne; Kenny (sorry, Kenneth – das wird wird dauern, bis sich das einprägt) konterte allerdings ebenso schnell und erklärte, diese haltlose Unterstellung könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein.
„In den letzten zwei Wochen vier Rap‑Songs produziert, und die Leute schreiben immer noch Thinkpieces darüber, ich würde mich von Hip-Hop distanzieren, nur weil ich jetzt meinen echten Namen benutze“, teilte er in einem Post auf X – weshalb ich hier jetzt diesen Artikel darüber schreibe, dass er dem Genre keineswegs den Rücken kehrt.
„Ich habe mich mit 15 auf MySpace Kenny Beats genannt … ich würde es lieben, wenn ihr mit Mitte 30 immer noch eure E‑Mail‑Adresse aus der Mittelstufe benutzen würdet. Ich möchte jetzt einfach meinen echten Namen nutzen … für alle Genres.“
Dieser letzte Teil ist vielleicht der wichtigste. Für alle Genres. Denn man darf nicht vergessen: Die umfangreiche Diskografie des Produzenten umfasst weit mehr als nur „Hip-Hop“. Klar, seine andauernden kreativen Kollaborationen mit Rappern wie Vince Staples, Danny Brown, Freddie Gibbs und Denzel Curry werden immer zu seinen besten Arbeiten zählen, aber für Kenny ging es im Kern schon immer nur darum, Musik zu machen. Ganz egal, welches Genre.
Und keine Sorge: Eine andere Person auf Xstellte die Frage, die wir uns alle denken: Müssen wir ihn jetzt Kenneth nennen?
„Neeeee, nennt mich Kenny, nennt mich KB, nennt mich Baby, ist mir scheißegal. Schreibt einfach meinen Nachnamen in die Credits!“
The Cavehatte natürlich eine ganze Reihe klassischer „Hip-Hop“-Artists zu Gast, darunter die bereits erwähnten Rap‑Größen der Moderne, aber ebenso eine Vielzahl an genreübergreifenden Musiker:innen, die sich unter dem „Don’t Overthink Shit“-Neonschild im Studio einfanden – für Sessions, die genauso von kreativer Synergie geprägt waren. Die Folge mit Mac DeMarco ist bis heute ein Fan‑Liebling, während weitere nicht primär hip‑hop‑orientierte Gäste Indie‑Pop‑Prinzessin Remi Wolf, der elektronisch geprägtere Channel Tres und die Post‑Punk‑Band IDLES waren; auch langjährige Weggefährt:innen wie Benee und Toro y Moi schauten vorbei.
I’m sayin https://t.co/0yGgOVd4xa
— kenneth blume (@kennybeats) November 24, 2025
Dominic Fike ist ein weiterer Artist, mit dem Kenny eine langlebige, klangliche Partnerschaft aufgebaut hat – jemand, der sich, genau wie Kenny, in keine Genre‑Schublade stecken lässt.
Bis heute hat der vielseitige Cave‑Commander zwei komplette Alben für IDLES produziert, einige Tracks mit Shoegaze‑Sirene Deb Never, FKA twigs’ R&B‑Meisterwerk „holy terrain“ sowie eine Handvoll von Wolfs Singles, darunter das aktuelle Highlight „Cinderella“‑Track „Motorcycle“. Außerdem arbeitete er eng mit den Singer‑Songwriter‑Vorreitern Dermot Kennedy und James Vincent McMorrow zusammen.
Einer der zwei Rap‑Songs, die Kenny in den vergangenen zwei Wochen produziert hat, entstand mit einem weiteren Fan‑Liebling unter den Cave‑Gästen und langjährigen Kenny‑Kollaborateur:innen: Rico Nasty. Das Duo ist seit dem ersten Aufeinandertreffen 2018 unzertrennlich, und erst letzten Freitag feierten sie mit „PEPPER“ ihr triumphales Comeback. Kenny produzierte Ricos komplettes 2019er‑Mixtape/Projekt „Anger Management“ – eines der wenigen Projekte, bei denen er vollständig als Co‑Schöpfer aufgeführt wird; das Album ist „offiziell“ sowohl von Rico und Kenny.
„PEPPER“ beginnt stilecht mit einem klassischen Rico‑„Kennyyyy“ – wenn das kein Zeichen dafür ist, dass der Produzent seinen Wurzeln nicht den Rücken kehrt, sondern sie lediglich weiter ausdehnt, dann weiß ich auch nicht. Der Track reiht sich perfekt in Kennys ohnehin vollgepacktes Jahr ein, das wie immer weit mehr als nur Rap‑Releases umfasst. TiaCorines „Ironic“ markierte einen besonderen Hip‑Hop‑Höhepunkt, doch ebenso prägend war seine Arbeit sowohl an Geese’ Debütalbum „Getting Killed“ als auch am „Lurker“ Filmsoundtrack.
Das Einzige, was an diesem Produzenten berechenbar ist, ist sein Qualitätsanspruch; seine Diskografie hingegen gehört nach wie vor zu den vielseitigsten und unberechenbarsten im aktuellen Sound‑Zeitgeist. Don’t overthink it.



















