Schiaparelli FW27 Haute Couture sprengt jede Formel für „The Call of the Void“
Daniel Roseberry entkleidet den klassischen Luxus und tauscht traditionelle Seiden und Wolle gegen Latex, Silikon und kinetische Tentakel – ein radikal avantgardistisches Hingeben an das Unbekannte.
Zusammenfassung
Schiaparelli hat seine Haute Couture Kollektion Fall/Winter 2027 offiziell enthüllt: „THE CALL OF THE VOID“ (l’appel du vide).
Statt auf traditionelle „edle“ Textilien zu setzen, arbeitet Creative Director Daniel Roseberry mit unkonventionellen Materialien wie Latex, Silikon und Platten aus gebackener Farbe.
Auf dem Runway werden die legendären Codes des Hauses subvertiert: Die ikonische Schiaparelli-Jacke erscheint nur noch als radikales Accessoire, während eine neue surrealistische Schuh-Silhouette namens „The Bubble“ debütiert.
Wie setzt man auf einen Durchbruch noch einen drauf? Vor genau dieser existenziellen Blockade stand Schiaparellis Creative Director Daniel Roseberry nach dem monumentalen Erfolg der vergangenen Saison, „The Agony and the Ecstasy“. Auf der Suche nach einer neuen Erfolgsformel ließ er sich zunächst von Barcelonas ikonischer Gaudí-Architektur leiten – und geriet damit in einen starren kreativen Kreislauf. Die Antwort? Vollkommene Hingabe. Für die Haute Couture Herbst/Winter 2027 präsentiert Schiaparelli THE CALL OF THE VOID – eine Kollektion, die sichere, berechenbare Rezepte radikal hinter sich lässt, um den atemberaubenden Luxus des Unbekannten zu umarmen.
Getreu Elsa Schiaparellis fundamentalem, surrealistischem Ethos erschüttert die Kollektion die gängige Definition von Haute Couture, indem sie hinterfragt, ob Schönheit im Material selbst verankert ist – oder in der Vorstellungskraft, die es radikal neu erfindet. Die Ateliers ersetzten traditionelle Seiden, Satins und Wollstoffe durch synthetische Kreationen, wie sie auf einem Couture-Runway noch nie zuvor zu sehen waren.
Silhouetten wurden aus wahren Gussbecken aus gebackener Farbe modelliert, ein hyperrealistisches Bustier vollständig aus Silikon gegossen und in milchigem Blau bemalt. Gleichzeitig stellte sich das Haus gegen seine eigenen, erstarrten Designcodes. Statt als zentrales Herzstück eines Looks zu fungieren, wurde die ikonische, reich bestickte Schiaparelli-Jacke bewusst unterlaufen und radikal nur noch als Styling-Accessoire eingesetzt.
Daniel Roseberry schrieb in den Show Notes: „Formeln sind der Magie des Schaffens entgegengesetzt; sie entsteht nur in der völligen Hingabe an das Unbekannte … Vielleicht ist dies Elsas größtes Vermächtnis: nicht ein Vokabular an Symbolen, sondern der Glaube, dass das Unmögliche selbst zur kreativen Methode werden kann.“ Die gezeigte Handwerkskunst trieb die Grenzen ins radikal Ungewohnte. Ein herausragendes Kleid zeigte ein Ombré-Blütenmotiv, komponiert aus Hunderten einzelner Blumen, gearbeitet aus Strumpfware, die straff über Metalldrähte und Perlen gespannt war. Ein weiterer Look präsentierte eine Jacke mit passenden Leggings, über und über besetzt mit echten Blüten, Fischschuppen und Bandblumen, gehalten von kinetischen Latex-Tentakeln, die wild von den Schultern aus in alle Richtungen schnellen.
Die Farbpalette schwenkte radikal in Richtung Natur und konzentrierte sich auf Nuancen, wie man sie in leuchtender Flora und Tiefsee-Fauna findet. Plötzliche Blitze des traditionellen Schiaparelli-Golds – inszeniert mehr als tragbare Skulptur und Rüstung denn als bloße Veredelung – leuchteten vor einem tiefen Fond aus hochglänzendem Schwarz und rohem Wachs-Ecru.
Indem Daniel Roseberry das Sicherheitsnetz vergangener Erfolge kompromisslos gekappt hat, liefert er nicht nur eine weitere spektakuläre Kollektion – er definiert neu, wie moderner Luxus aussehen kann, wenn er das Steuer vollständig loslässt. „The Call of the Void“ ist eine unmittelbar körperlich erfahrbare Erinnerung daran, dass die aufregendsten Momente der Mode in genau dem Augenblick entstehen, in dem Gewissheit verschwindet. Für Schiaparelli ist der Abgrund nichts, wovor man sich fürchten muss, sondern die ultimative Leinwand.



















