Ist die Tanzfläche wirklich tot? Charli xcx zerlegt den Ruhm auf „Music, Fashion, Film“
Und nein, es ist kein Rockalbum.
Zusammenfassung
Charli xcx’ „Music, Fashion, Film“ antwortet auf ihre Brat-Ära mit rockig-grungigen Verzerrungen.
Tracks wie „SS26“ und „Card Declined“ loten Identität, Exzess, Konsumrausch und unterschiedliche Personas aus.
Das 11-Track-Album setzt auf gitarrengetriebene Höhepunkte und schließt mit einem abschließenden Monolog von David Cronenberg.
Charli xcx’ Music, Fashion, Film versteht sich zugleich als Manifest und als verspielte Kritik an der Fixierung der Popkultur auf Spektakel – und ist eine direkte Antwort auf ihre brat-Ära. Von den kantigen Gitarren auf „Rock Music“ bis zu den glitzernden Riffs von „Camera“ lebt das Album von Widersprüchen: Es setzt auf Ironie und liefert zugleich unwiderstehliche Hooks. Charli ist dabei selten wörtlich zu verstehen: Wenn sie in „SS26“ singt, „the world is gonna end“, ist das keine apokalyptische Warnung, sondern eine Reflexion über ihre Erfahrungen damit, eine „moralisch reine“ Persona aufrechtzuerhalten. Diese ironische und zutiefst introspektive Perspektive erlaubt es ihr, Identität, Image und Exzess auszuloten, ohne die unmittelbare Lust am Pop zu verlieren – die nun von einer höchst süchtig machenden Rock-Grunge-Verzerrung gefärbt ist.
Gleich der volatile Opener „Rock Music“ gibt den Ton vor: Sie filtert die physische Wucht des Headbangens durch ein glitchiges Universum und verkündet unmissverständlich: „the dance floor is dead“. Von dort aus entfaltet das Album eine eng verwobene Erzählung über elf Tracks. In „Card Declined“ singt sie über verzerrte, stampfende Bassläufe von der alles vereinnahmenden Konsumlogik, sich beim Shoppen gleich eine komplett neue Persönlichkeit zuzulegen – und davon, wie Luxusgüter wie Schmuck, Handtaschen, Parfums und sogar eine Jaeger-LeCoultre-Uhr, dazu ein Mahjong-Sofa und eine neue Wohnung, allesamt dabei helfen, das eigene „ideale Fantasy-Ich“ zu erschaffen, bevor die Realität unweigerlich dazwischenfunkt.
Textlich lebt das Album von einem dichten Geflecht aus Ironie, schwarzem Humor und bewusster Übertreibung – man muss zwischen den Zeilen lesen, statt Charlis Aussagen für bare Münze zu nehmen. Auf der Single „SS26“ geht es bei ihren Verweisen auf einen apokalyptischen Zusammenbruch weniger um buchstäbliche Zerstörung als um einen augenzwinkernden Kommentar zu moderner moralischer Reinheit im Internet, hyperkuratierten Personas und Online-Panik. Ähnlich blickt sie in „2007“ mit romantisierender Nostalgie auf das Jahr zurück, in dem ihre Reise begann, und verweist auf den verschwitzten Schutzraum früher Underground-Szenen.
„Magic Metal Montana“ ist mit seinem verträumten, an The Strokes erinnernden Gitarrensound ein zärtlicher Liebesbrief an A.G. Cook, während „Camera“ das Objektiv zu einer melancholischen, nervös flirrenden Erkundung kreativer Neuerfindung und Auftrittsangst macht. „Wink Wink“ wiederum persifliert spielerisch die engen Schubladen, in die die Industrie sie zu stecken versucht, und mündet in die introspektive, hingebungsvolle Schlussnummer „No One Lasts Forever“, die einen ganzen einminütigen Spoken-Word-Monolog des renommierten Regisseurs David Cronenberg enthält.
Charli xcx’ Music, Fashion, Film ist jetzt erschienen und auf großen Streamingplattformen wie Spotify und Apple Music verfügbar.



















