Wie Mia Scarpa und Grace Horan Freundschaft zu ihrem künstlerischen Medium machten
Für ihre neue Duo-Show „Kinda True“ in der New Yorker Galerie Whaam! blicken die Malerin und die Bildhauerin darauf zurück, wie weit sie seit ihren Kunsthochschul-Tagen gekommen sind – und wie es ist, in der Contemporary-Art-Szene gemeinsam mit der besten Freundin durchzustarten.
Seelenruhig schlummernde Welpen auf Stapeln von Hundertern, Glückssteine, Affirmations-Slogans, tätowierte Bäuche, eine teuflische Hello Kitty, Joints schwenkende Gremlins – ein ähnlicher Bilderzirkus wirbelt durch das Gewimmel aus Gemälden und Skulpturen in der Ausstellung von Mia Scarpa und Grace Horans neuer Duo-Show, Kinda True. Wenn man im Raum steht, ist es schwer, sich die Künstlerinnen irgendwo anders als gemeinsam vorzustellen.
Die beiden kamen Anfang dieses Sommers zu Whaam! in New York für ihre zweite gemeinsame Ausstellung. Airbrush-Kompositionen von Scarpa und Glaslampen von Horan fluten den Raum mit Funken von Humor und Verspieltheit, Zärtlichkeit und Aufrichtigkeit und überlassen die Galerie ihrem verspielten Mix.
Schon auf den ersten Blick wird klar, dass die Künstlerinnen am Puls von etwas stehen, das sich in der Gegenwartskunst zusammenbraut: eine neue Avantgarde, die auf die Brüche der digitalen Kultur eingeschwungen ist und gleichzeitig ihren Spaß daran hat. Doch jenseits des Gewichts einer ganzen Bewegung, fern jeder post-post-internet-Programmschrift, ist die Ausstellung eine zarte Studie über Zusammenarbeit – oder besser: darüber, was kreativ möglich wird, wenn man Freundschaft an erste Stelle setzt. Selbst der Titel, Kinda True, hält alles bewusst locker. Er weiß, dass er sich selbst nicht zu ernst nehmen sollte.
Kennengelernt haben sich die Künstlerinnen während ihres Studiums am RISD, als Scarpa Horans Zeichenkurs im ersten Jahr assistierte. Als die anderen Studierenden im Sommer abreisten, rückten die beiden näher zusammen, während sie gemeinsam in der Metallwerkstatt arbeiteten. „Das sind definitiv einige meiner liebsten College-Erinnerungen“, erzählt Scarpa neben einem Gemälde, das von ihrer gemeinsamen Zeit in Providence inspiriert ist: zwei Paar Füße, nebeneinander ausgestreckt vor einer Feuerstelle.
Sind Freundinnen nicht die besten Partnerinnen? David Welch vergleicht die beiden, „The Painter, The Sculptor“, mit den roten und blauen Gläsern einer 3D-Brille: „Sobald sich beide Blickwinkel überlagern, entsteht eine völlig neue Tiefe“, schreibt er in den Ausstellungstexten. „In diesem Moment der Einheit passiert etwas Magisches.“
Anlässlich von Kinda True, lassen uns die Künstlerinnen an ihrer zweiten Bestie-Runde teilhaben – und daran, wie sich Kollaboration auf den Raum zwischen zwei Menschen herunterbrechen lässt.
Was hat die Idee für diese Show ausgelöst? Und wie seid ihr auf den Titel gekommen?
Mia Scarpa: Wir hatten 2024 unsere erste Zwei-Personen-Show in Austin. Wir haben gemerkt, dass unsere Arbeiten zusammen sehr gut funktionieren, also war die Entscheidung für eine weitere Ausstellung ziemlich naheliegend. Der Titel stammt aus einer langen Liste von Optionen, aber am Ende haben wir uns für Kinda True entschieden, weil er mehr Raum für Interpretation lässt.
Grace Horan: Wir lieben es auch einfach, zusammenzuarbeiten. Der Titel wirkt lässig und nimmt sich selbst nicht zu ernst – das fühlt sich sehr stimmig an für unsere Freundschaft und den Geist der Ausstellung. Viele Arbeiten greifen vertraute Bilder auf, die keine eindeutige, festgelegte Bedeutung haben.
Sowohl in dieser Show als auch in Cool Day, habt ihr Arbeiten mit Steinhaufen integriert. Wie nutzt ihr dieses Bild, um Themen wie Nostalgie und Erinnerung, aber auch eure jeweiligen Praxen miteinander zu verknüpfen?
MS: Wir haben nach Themen gesucht, die sich gut für beide Arbeitsweisen eignen, und die Steine haben sowohl in 2D als auch in 3D super funktioniert. Ich mag, dass sie so kleine, günstige Sammelobjekte sind, die man sonst eher in Souvenir- oder Dollarstores findet. Sie sind nicht als kostbare Objekte gedacht, aber durch die Worte darauf – oder wenn man sie geschenkt bekommt – nehmen sie eine gewisse Besonderheit an.
GH: Wir mochten das Bild von Steinen schon immer. Uns interessieren beide generische oder massenproduzierte Objekte, die Menschen dann doch aufbewahren und mit Erinnerungen aufladen. Etwas so Simples kann sich am Ende unglaublich persönlich anfühlen.
Wenn ihr auf eure gemeinsame Arbeit über die Jahre blickt – wie habt ihr euch als Künstlerinnen und als Freundinnen gegenseitig beeinflusst?
GH: Weil wir schon so lange befreundet sind, teilen wir viele Interessen, tauschen ständig Referenzen aus und stehen einfach auf dieselben Sachen. Wir sind beide extrem dem Studio verpflichtet und haben uns immer gegenseitig supportet. Das hat uns als Künstlerinnen sehr geprägt.
MS: Unsere Arbeiten sind auf jeden Fall zusammen gewachsen und lassen sich in vielerlei Hinsicht aufeinander beziehen. So viel Zeit miteinander zu verbringen und gemeinsam in Providence zur Schule zu gehen – all das trägt dazu bei, dass unsere künstlerischen Praxen sich gegenseitig beeinflussen.
Und was ist mit dieser Bildsprache, mit der ihr arbeitet?
GH: Uns interessieren gefundene Bilder und Objekte, die bereits bestimmte Assoziationen mitbringen – Tiere, Haustiere, Plattencover, Totenköpfe, Wolken, Regenbögen, Sticker, Spielzeug. Vieles stammt aus Alltagsorten und -objekten, die nicht immer wirklich ernst genommen werden, und genau das mögen wir daran.
MS: Meine Bildwelt speist sich vor allem aus Fotos, die ich mache, und Screenshots von zufälligen Motiven hier und da. Wir neigen beide dazu, Dinge und Bilder zu horten – da ist es fast logisch, dass es viele Überschneidungen in dem gibt, worauf wir zurückgreifen.
Welche Rolle spielt Freundschaft – nicht nur Kollaboration – in eurer Arbeit?
GH: Freundschaft prägt stark, wie wir denken und wie wir Dinge machen. Wir schätzen unsere Freund*innen enorm, und vieles von dem, was wir schaffen, wächst direkt aus diesen Beziehungen heraus.
MS: Einer meiner liebsten Aspekte am Kunstmachen sind die Freundschaften, die ich darüber aufbauen konnte. Kunst kann manchmal sehr isolierend sein, man verbringt so viel Zeit allein im Studio. Die Momente, in denen man gemeinsam Dinge schafft und sich gegenseitig als Künstlerinnen stärkt, sind unglaublich wertvoll. Das schätzen wir beide sehr.
Kinda True ist noch bis zum 3. Juli in New York in der Whaam!-Gallery zu sehen.



















