Blutiger denn je: Anish Kapoors Retrospektive in der Hayward Gallery
In London zeigt der Künstler monumentale Installationen, Skulpturen und Gemälde, die direkt auf ein Zeitalter der Gewalt reagieren.
Zusammenfassung
Anish Kapoor kehrt mit einer spektakulären Retrospektive in die Hayward Gallery in London zurück. Monumentale Installationen, Skulpturen und Gemälde erforschen Raum, Wahrnehmung und ein Zeitalter der Gewalt – blutiger und radikaler als zuvor.
Zusammenfassung
- Anish Kapoor kehrt zum ersten Mal seit 28 Jahren für eine neue Retrospektive in die Hayward Gallery im Southbank Centre in London zurück
- Die Ausstellung, noch bis Oktober zu sehen, vereint neue und ikonische Werke, darunter drei raumgreifende Installationen, Gemälde und Skulpturen
- Im Mittelpunkt der Schau stehen wiederkehrende Themen wie Raum und Wahrnehmung, zugleich lotet sie Vorstellungen von Gewalt, Abjektion und Existenzialismus aus
Endlich ist Anish Kapoor zurück in der Hayward Gallery. Fast 30 Jahre ist es her, dass die Institution seine erste britische Retrospektive zeigte – und sein Comeback im Southbank Centre ist wilder, fleischlicher, makaberer: eine Kombination aus neuen und wegweisenden Werken, die unsere Sinne ins Wanken bringt.
Noch bis zum 18. Oktober taucht die Ausstellung tief ein in Kapoors Faszination für das, was er „den Raum des Objekts“ nennt – Werke, die haarscharf zwischen materieller Präsenz und Illusion balancieren. Von Vantablack-Löchern, die brutalistische Innenräume verschlingen, bis zu spiegelgleichen Portalen auf den Terrassen ist nichts so, wie es scheint.
Drei große Installationen bilden das Rückgrat der Schau. Ein Raum wird von einer aufgeblasenen PVC-Membran eingenommen, die sich zwischen Boden und Decke spannt und unser Gefühl für Ich und Maßstab ins Wanken bringt. In einem anderen windet sich eine blutige, bergartige Schwelle durch den Raum. Die der Schwerkraft trotzende „Mount Moriah at the Gate of the Ghetto“ (2022) umschließt den dritten, stürzt aus dem Himmel herab – bis auf wenige Zentimeter an die Bodenfliesen heran.
Abgerundet wird die Retrospektive von Gemälden und Skulpturen aus dem letzten Jahrzehnt. Reliquien aus Silikon, Harz und Pigment nehmen die Form aufgerissener Körper und Organe an und spiegeln unsere Gegenwart, die von der Allgegenwart gewaltvoller Bilder geprägt ist.
Von Anfang bis Ende speist sich Kapoors Werk aus Unbehagen und Überraschung und, wie Kurator Ralph Rugoff betont, „beleuchtet verblüffende Verbindungen zwischen unseren Erfahrungen des Erhabenen und extremer Abjektion, des Spirituellen und des Körperlichen“.
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