Max Lamb holt noch mehr aus Material heraus – mit dem „Min Chair“
Gemeinsam mit Hem hat der britische Designer eine seiner experimentellsten Möbelideen in ein fertig kaufbares Produkt verwandelt.
Zusammenfassung:
- Max Lambs Min Chair ist ein Stuhl aus Kiefernholz, der aus einem einzigen Holzquerschnitt gearbeitet wird und so bei Beinen, Sitzfläche und Rückenlehne nahezu keinen Verschnitt erzeugt.
- Der Stuhl ist die Serienversion von Lambs Self-Build-Konzept Economy Chair, das über mehrere Jahre gemeinsam mit Hem entwickelt wurde und ab August für 899 US-Dollar / 799 Euro erhältlich ist.
- Es ist das dritte gemeinsame Stück von Lamb und Hem nach dem Last Stool (2015) und dem Max Table (2019), die beide weiterhin produziert werden.
Der britische Designer Max Lamb hat einen neuen Stuhl vorgestellt, der im August auf den Markt kommt. Der Min Chair, produziert von der skandinavischen Designmarke Hem, übersetzt sein langjähriges Economy-Chair-Konzept in eine serienreife Version aus Holz.
Gefertigt aus Kiefernholz folgt der Min Chair einem bestechend einfachen Prinzip: Ein Standard-Holzquerschnitt wird diagonal geschnitten, um mehrere tragende Elemente zu gewinnen – so reicht dieselbe Materialmenge deutlich weiter als im konventionellen Stuhlbau.
Das Ergebnis ist ein Stück, das in seiner Form fast archaisch wirkt, aber – wie bei vielen Arbeiten Lambs – von präziser Ingenieurskunst getragen wird.
Lamb, dessen Praxis häufig körperlich anspruchsvolle Materialexperimente umfasst – vom Gießen von flüssigem Metall in Strandsand bis zum Herausarbeiten von Möbeln aus Stein –, entwickelte den ursprünglichen Economy Chair 2020 zunächst aus Polystyrol. Diese frühe Version war eher ein konzeptioneller Prototyp als ein marktreifes Produkt und diente vor allem dazu, die Idee auszuloten, dass strukturelle Effizienz selbst zu einer visuellen Sprache werden kann.
„Das Design selbst ist so angelegt, dass es fast nur die Hälfte des Materials benötigt, das man für denselben Stuhl mit quadratischen Beinen brauchen würde“, sagt Lamb und beschreibt eine Konstruktionslogik, bei der das diagonale Schneiden des Holzes effektiv „zwei Beine zum Preis von einem“ erzeugt.
Doch aus einem Werkstattexperiment ein skalierbares Produkt zu machen, brachte Herausforderungen mit sich. Anders als Kunststoff verhält sich Holz unberechenbar – es dehnt sich aus, zieht sich zusammen und reagiert auf Umwelteinflüsse. Der Schritt hin zum Werkstoff Holz, so Lamb, verlangte eine Überarbeitung von Strukturelementen und angepasste Fertigungstechniken, um mehr Gleichmäßigkeit zu erreichen – etwa das Verbinden kleinerer Holzstücke zu stabileren Bauteilen.
Für Hem, das sich zunehmend als Plattform für langfristige Designerkooperationen statt für schnelllebige Trendprodukte positioniert, ist der Stuhl eine Fortführung der etablierten Zusammenarbeit mit Lamb, die 2015 mit dem Last Stool begann und 2019 mit dem Max Table fortgeführt wurde. Beide werden bis heute produziert.
„Das ist eine spannende Fortsetzung unserer Zusammenarbeit mit Max“, sagt Hem-Gründer und CEO Petrus Palmer. „Unsere Aufgabe war es, diese Iteration in die Produktion zu bringen, ohne die Idee zu verwässern.“
Die Markteinführung fällt zudem in eine Zeit, in der Designmarken zunehmend für ihre Nachhaltigkeitsversprechen hinterfragt werden – Effizienz in Materialeinsatz und Produktion wird damit nicht nur konzeptionell, sondern auch wirtschaftlich immer relevanter.
Lamb vermeidet es, den Stuhl ausdrücklich als Öko-Produkt zu positionieren, doch seine Konstruktion entspricht dem breiteren Brancheninteresse an Abfallvermeidung und zurückhaltender Fertigung.
Statt Effizienz hinter perfekter Ingenieurstechnik zu verstecken, legt das Design seine Strukturlogik offen: stumpfe Kiefernquerschnitte, kantige Schnitte, keinerlei dekorativer Überfluss. Es ist weniger ein Stuhl, der sich als Minimalismus verkleidet, als ein Stuhl, der genau so aussieht, wie er gemacht wurde.
Der Min Chair kommt im August auf den Markt und wird 899 US-Dollar (rund 799 Euro) kosten.



















