'Kill Bill': Das Schwert, der Anzug und die offene Rechnung
Über 20 Jahre später ist The Bride noch immer die gefährlichste Frau der Filmgeschichte.
Kill Bill ist kein Franchise. Es ist kein IP. Es braucht weder ein Sequel noch ein Cinematic Universe, das darum herum aufgebaut wird. Es kam 2003 und 2004 bereits vollendet auf die Leinwand – als zwei Hälften eines der kühnsten kreativen Wagnisse der Hollywood-Geschichte – und mehr als zwanzig Jahre später trifft es immer noch härter als das meiste, was seither entstanden ist.
Vol. 1 ist pure Sinnesexplosion. Regisseur Quentin Tarantino wirft Anime, Spaghettiwestern, Grindhouse und Hongkong-Action in den Mixer – und heraus kommt die Crazy-88-Sequenz, eines der größten Setpieces, die je auf Film gebannt wurden. Der Kampf im House of Blue Leaves ist sieben Minuten lang ununterbrochene, wunderschöne Verwüstung und spielt in einer eigenen Liga. Uma Thurman, im gelben Tracksuit, direkt bei Bruce Lee entliehen, ist elektrisierend. Der ganze Film bewegt sich wie Musik. Jeder Frame ist eine bewusste Entscheidung, jeder Schnitt getaktet wie ein Schlag.
Dann nimmt Vol. 2 radikal das Tempo raus. Ohne jede Entschuldigung. Wer könnte The Brides epischen Eröffnungsmonolog vergessen? Er hallt bis heute nach: „And when I arrive at my destination, I am gonna kill Bill.“ Bill sitzt auf einer Veranda und redet über Superman. The Bride wird lebendig in der Mojave begraben. Unter all der Rache liegen Sehnsucht und Trauer – und genau das unterscheidet Kill Bill von seinen Imitatoren – die zweite Hälfte ist wirklich traurig. Man will nicht nur, dass The Bride gewinnt. Man spürt, was es sie kostet. Die Gewalt hört auf, berauschend zu sein, und wird bleiern – genau so, wie Tarantino es wollte.
Was beide Teile so zeitlos macht, ist, dass sie von jemandem inszeniert wurden, der die Dinge, auf die er sich bezieht, wirklich liebt. Die Leone-Kompositionen, die Shaw-Brothers-Choreografie, der an Morricone angelehnte Score – nichts davon ist bloßes Pastiche um des Effekts willen. Es ist aufrichtige Obsession, übersetzt in Kino. Man spürt den Unterschied zwischen einem Regisseur, der Kultur nur für Coolness-Punkte ausschlachtet, und jemandem, der mit diesen Filmen aufgewachsen ist, sie in Dauerschleife gesehen hat und einfach etwas als Antwort darauf schaffen musste.
Kill Bill funktioniert als Actionfilm. Es funktioniert als Tragödie. Es funktioniert als Liebesbrief an jedes Genre, aus dem es sich bedient. Zwanzig Jahre später ist nichts auch nur annähernd an das herangekommen, was dieser Film wagt. Auf dieser Liste stehen nur sehr wenige Werke.
Kill Bill ist jetzt im preisgekrönten In-flight-Entertainment-System von Cathay Pacific verfügbar.



















